Liebesgrüße aus Lettland

Foto oben: Ihre Strahlkraft in der Höhe sucht ihresgleichen: Elina Garanča. Foto: Deutsche Grammophon / © Holger Hage

Elina Garanča, weltberühmte Mezzosopranistin aus dem Baltikum, begeistert in der Elbphilharmonie

Wer bei diesen Konzerten dabei war, wird sie sein Leben lang nicht vergessen. Der Abend mit Elina Garanča und ihrem Ehemann Karel Mark Chichon in der Elbphilharmonie Hamburg war an Hingabe und Perfektion nicht zu überbieten. Elina Garanča singt auf dem Olymp ihrer Schaffenskraft, die noch lange anhalten wird. Ihre Stimme ist vital, sinnlich und unverbraucht. Sie ist die – mit Abstand – beste Mezzosopranistin der Welt.

Es ist ein unvergleichlicher Genuss, die Sängerin aus Lettland live zu hören. Sie gibt alles, ist allzeit hochkonzentriert, singt leicht und beschwingt, wenn es sein muss auch dramatisch und düster. Ihre Strahlkraft in der Höhe sucht ihresgleichen. Im tieferen Register lässt ihr Mezzo einen wohlig schauern. Für den Blog klassik-begeistert.de ist sie schon jetzt die Sängerin des Jahres 2019. Ihre Klangfülle, ihr untrügliches Gefühl für Nuancen und Zwischentöne sind unvergleichlich! 

Ihr Gesang verzaubert, ja, er beseelt.

Garančas Forte ist prachtvoll und klar, dabei unangestrengt und in keiner Phase gepresst. Genau das macht eine phantastische Sängerin aus und unterscheidet sie von einer sehr guten Sängerin. Garančas Piano ist himmlisch, bezaubernd, klar gestützt und immer vollkommen hörenswert. Dabei ist ihre Textverständlichkeit in allen Registern „amazing“. Ja, die leisen Passagen von Elina Garanča waren in Bremen und Hamburg so schön, dass vielen Zuhörern ein Schauer über den Rücken lief. Und im Forte hallte die Stimme der Lettin so wunderbar nach, vor allem im Hamburger Akustiktempel.

Elina Garanča sang in Bremen und Hamburg die Arie der Eboli von Giuseppe Verdi aus „Don Carlos“ zum Auftakt. Sie war gleich vollkommen bei der Sache, die Stimme hundertprozentig da. Danach gab es von Francesco Cilea „Ecco: respiro appena … Io son L’umile ancella“ aus der Arie der Ariadna aus Adriana Lecourvreur. Wunderbar. Bezaubernd. Dann „O don Fatale, o don crudel“, die Arie der Eboli, aus „Don Carlo“. 

Nach der Pause dann sang die Jahrtausendstimme fast nur noch auf Spanisch, with love and devotion, sicher auch als Zeichen der Liebe für ihren Mann, der 1971 in London als Kind gibraltarischer Eltern geboren wurde. Karel Mark Chichon dirigierte dabei sehr feinfühlig und verlangte der NDR Radiophilharmonie alles ab. Er wird von Jahr zu Jahr immer besser. In Hamburg, in der Elbphilharmonie, waren sie herausragend mit drei Sternen! Die magische Architektur des Großen Saals, seine unvergleichliche Akustik animierten sie zu göttlichen Höchstleistungen. Elina Garanča zeigte eindrucksvoll, dass eine Ausnahmestimme keine Probleme mit diesem Jahrhundertbau hat. Die Lettin sang immer wieder in alle Richtungen und bezog alle Zuschauer mit ein. Ein Jonas Kaufmann dürfte gerne mal zuhören, wie man professionell in der Elbphilharmonie singen kann.

Man kann Klassik nicht besser singen.

Ihre Strahlkraft in der Höhe sucht ihresgleichen: Elina Garanča. Foto: Deutsche Grammophon / © Holger Hage
Elina Garanča merkt man an, dass sie immer wieder
Ruhephasen in ihrem Künstlerleben einlegt. Dass sie gut und gesund lebt.
Foto: Deutsche Grammophon / © Holger Hage

Und als Elina Garanča nach exakt zwei Stunden und fünf Minuten (inklusive Pause) das Publikum mit „Granada“ auf Spanisch – leider – auf den Weg nach Hause schickte, war jedem im Saal klar: Wir waren Zeitzeugen zweier musikalischer Sternstunden. Ja, der Gesang von Elina Garanča macht glücklich. Er lässt einen alle Widrigkeiten des Lebens vergessen. Er verzaubert, ja, er beseelt. Auch wer Klassik nur in Ausnahmefällen hört: Diese große Künstlerin aus Riga in Lettland sollte jeder Mensch in seinem Leben einmal hören. Das ist besser und nachhaltiger, als sich fünf CDs zu kaufen, die nur zu Hause herumliegen.

Besser als Elina Garanča kann man Klassik nicht singen. Sie ist der Maßstab für alle Künstler, die auf den Bühnen der Welt vors Publikum treten. Bei den Damen vermögen ihr derzeit noch drei Künstlerinnen das Wasser zu reichen: Anna Netrebko, Anja Harteros und Sonja Yoncheva. Diese drei Ausnahmekünstlerinnen singen Sopran, wobei sich Anna Netrebkos Stimme immer mehr in Richtung Mezzo entwickelt, ihre Höhe aber immer noch bestechend und umwerfend ist.

Elina Garanča merkt man an, dass sie immer wieder Ruhephasen in ihrem Künstlerleben einlegt. Dass sie gut und gesund lebt. Dass sie ein erfülltes Privat- und Berufsleben hat. Wer noch nie das Vergnügen hatte, Elina Garanča live zu hören, der möge bitte sofort einmal eine kleine Pause einlegen und folgendes Video auf Youtube anhören: Elīna Garanča aus ihrem Album -„Romantique“: „Mon coeur s’ouvre à ta voix“ aus der Oper „Samson et Dalila“ von Camille Saint-Saëns.Und als ultimative Zugabe noch ein weiteres Stück aus dem Album „Romantique“, das die Stimme von Frau Garanča sehr gut abbildet: „O ma lyre immortelle“ aus der Oper „Sapho“ von Charles Gounod, komponiert für die göttliche Stimme von Pauline Viardot. Andreas Schmidt

Elbphilharmonie Hamburg, 19. Mai 2019, Elina ­Garanca, Konzert mit Karel Mark ­Chichon, NDR Radiophilharmonie. https://www.elbphilharmonie.de/de/ www.klassik-begeistert.de

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