»Mehr Eigenverantwortung«

Willkommen. Seit 1. November 2021 ist Dr. Andreas Kleinau neuer Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH. Wie sich der neue Job anfühlt, was in Zukunft die HafenCity prägt und was er zum Elbtower sagt

Was für eine Chance, Hamburg neu zu erfinden. Andreas Kleinau, seit 1. November Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH, kann die östliche HafenCity samt Elbtower vollenden und unter anderem mit dem Grasbrook einen öko-sozialen Modell-Stadtteil der Zukunft ohne Emissionsverkehr und mit viel Grün und Nachhaltigkeit am Wasser gestalten. Wie tickt der neue Stadtentwickler?
Foto oben: Der Sprecher der HafenCity Hamburg GmbH, Dr. Andreas Kleinau, über das Mitarbeiterteam: „Überraschend und bewundernswert zugleich finde ich, mit wie wenigen Mitarbeitern die HafenCity Hamburg GmbH es am Anfang geschafft hat, einen so großen Stadtraum zu entwickeln, welche komplexen Entwicklungszusammenhänge ständig durchdrungen werden.“ © Hafencity Hamburg GmbH

Elbtower-Blick von Süden Richtung U- und S-Bahnstation Elbbrücken und HafenCity: harmonische Linienführungen, exklusive Außenterrasse, meterhohe transparente Erdgeschosslagen und Gastro-Lounges und -Pontons zum Oberhafenkanal hin: „Der Elbtower punktet als Gesamtpaket, weil er mit seiner Einzigartigkeit auf die dort Arbeitenden abstrahlt.“ © Signa/Chipperfield/Sooii/Pure
Elbtower-Blick von Süden Richtung U- und S-Bahnstation Elbbrücken und HafenCity: harmonische Linienführungen, exklusive Außenterrasse, meterhohe transparente Erdgeschosslagen und Gastro-Lounges und -Pontons zum Oberhafenkanal hin: „Der Elbtower punktet als Gesamtpaket, weil er mit seiner Einzigartigkeit auf die dort Arbeitenden abstrahlt.“ © Signa/Chipperfield/Sooii/Pure

Herr Kleinau, Sie sind seit gut einem Jahr als Geschäftsführer in der HafenCity Hamburg GmbH (HCH) tätig. Wie fällt Ihre Einstiegsbilanz aus? Eine Bilanz ist ja normalerweise ausgeglichen (lacht). Wenn man aber die Gewinn- und Verlustrechnung betrachtet, auf die Sie sicherlich hinauswollen, kann ich für mich persönlich eindeutig von einem Gewinn sprechen – und ich glaube, das gilt genauso für das Unternehmen HafenCity Hamburg GmbH. Auch dass Prof. Jürgen Bruns-Berentelg und ich als Vorgänger und Nachfolger in einem Übergangsjahr zusammengearbeitet haben, hat sich als richtig und angemessen erwiesen, weil sich hinter der HafenCity Hamburg GmbH mittlerweile ein sehr komplexes Unternehmen verbirgt, das es zu verstehen und zu verinnerlichen gilt. Es ist ja nicht nur die Fortschreibung der HafenCity im Osten. Daneben sind es bestehende Objekte wie das südliche Überseequartier oder der Elbtower, die für sich genommen schon sehr komplex sind, aber auch die Weiterentwicklung des Grasbrook, des Billebogens, die Gestaltung des Stadteingangs Elbbrücken und die Science City Hamburg Bahrenfeld gehören dazu. Die Aufzählung alleine zeigt schon, wie komplex die Aufgaben sind. Ich bin sehr froh, dass ich so früh eingebunden wurde. 

»Für den Elbtower interessieren sich internationale ­Firmen, die bislang noch keinen Standort, keine Büros in Hamburg haben. Mit dem Elbtower wird Hamburg neu gesehen und bewertet. So kann der Elbtower auch maßgeblich zu einem Element der Wirtschaftsförderung werden.«

Warum haben Sie sich überhaupt für diesen Job entschieden? Das bin ich im letzten Jahr oft gefragt worden, manchmal war auch gemeint: Warum tust du dir das an? Die Antwort ist: Es ist eine der herausforderndsten und reizvollsten Aufgaben in der Immobilienwirtschaft in Deutschland und Europa. Bestandteil einer Stadtentwicklung zu sein, ein größeres Rädchen mitzubedienen, das viele andere Räder mit in Schwung bringt, treibt mich an, der Stadt etwas zurückzugeben, von der ich viel profitieren durfte. Ich bin hier geboren, zur Schule gegangen, habe hier studiert und lebe hier mit meiner Familie. 

HCH-Chef Andreas Kleinau über den Elbtower: „Faszinierend intelligent. Der Entwurf ist in seiner Schlichtheit und Eleganz eindrucksvoll. Wie sehr das Gebäude aus jeder Richtung andere und neue Blicke öffnet und überrascht.“ © Signa/Chipperfield/Sooii & Pure
HCH-Chef Andreas Kleinau über den Elbtower: „Faszinierend intelligent. Der Entwurf ist in seiner Schlichtheit und Eleganz eindrucksvoll. Wie sehr das Gebäude aus jeder Richtung andere und neue Blicke öffnet und überrascht.“ © Signa/Chipperfield/Sooii & Pure

Was war das überraschendste Erlebnis für Sie im vergangenen Jahr? Überraschend und bewundernswert zugleich finde ich, mit wie wenigen Mitarbeitern die HafenCity Hamburg GmbH es am Anfang geschafft hat, einen so großen Stadtraum zu entwickeln, welche komplexen Entwicklungszusammenhänge ständig durchdrungen werden und mit welcher Motivation die Kolleginnen und Kollegen jeden Tag zur Arbeit kommen. 

Und was hat Sie irritiert? Eine Irritation im Sinne von „Alter Schwede, wo bist du bloßgelandet!“, hat es tatsächlich nicht gegeben. Ich habe viel mehr erstaunt wahrgenommen, wie lange im Voraus einzelne Projekte gedacht und geplant werden. Und vielleicht, welche Projekte nicht realisiert werden, von denen man als Außenstehender gar nicht wusste, dass es sie gab. Es bewegt sich selbstverständlich immer einiges auf der Ebene der Testung und der Erprobung.  Aber das ist keine neue oder gar irritierende Erkenntnis, sondern  vielmehr unternehmerische Praxis.

Was war Ihre größte Lernkurve in den vergangenen zwölf Monaten? Den Begriff der integrierten Planung richtig zu verstehen. Dass wir bei der HafenCity Hamburg GmbH keine isolierte Planung betreiben, sondern die gesamte Stadtentwicklung als integrales Planungswerk im Blick haben.  

»Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass auch wir als Stadtent­wickler offensiv mit dem ­Thema Klima­wandel umgehen und ­gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren zukunftsgerichtete Lösungen ­entwickeln müssen. Und das ­werden wir, da bin ich nicht pessimistisch.«

Was bedeutet das? Wenn Stadtentwicklung gut funktionieren soll, müssen alle Themen, die eine erfolgreiche Stadt ausmachen – Infrastruktur, Versorgung, soziale Aspekte, Nachhaltigkeit, Nutzungsverteilung, Gerechtigkeit, Umweltplanung und Verkehr sowie Mobilität – gleichzeitig gedacht und verstanden werden, wie sich die verschiedenen Aspekte gegenseitig beeinflussen. Das ist integrierte Planung.

Was ändert sich, wenn Sie nun als Sprecher der Geschäftsführung die HafenCity Hamburg GmbH alleinverantwortlich ­führen? Wenig, außer dass ich diesen Titel führe. Am Ende habe ich die Pflicht oder auch das Privileg, eine Entscheidung zu treffen, aber die sollte durch eine gute Organisation getragen werden. Eine erfolgreiche Gesellschaft macht aus, dass sie durch eine gute Organisation getragen wird. Ich arbeite gerade auch daran, die Organisationsstrukturen sukzessive auf unsere sich zuletzt stark veränderten Anforderungen durch die neuen Entwicklungsgebiete und die zunehmende Digitalisierung hin anzupassen.  

Spüren Sie mehr Verantwortung? Ja, aber diese Verantwortung nehme ich schon seit meinem Eintritt in das Unternehmen wahr. Und auch in Zukunft werden Entscheidungen nicht isoliert von einem Vorsitzenden getroffen, sondern von der Geschäftsführung gemeinsam. 

Elbtowerblick vom Veddeler Marktplatz im Süden Richtung Elbtower und Elbbrücken im Norden. © moka-studio
Elbtowerblick vom Veddeler Marktplatz im Süden Richtung Elbtower und Elbbrücken im Norden. © moka-studio

Sie waren gerade auf der Expo Real 2021, einer der international wich­tig­sten Messe für zukünftiges Bauen und die Immobilienwirtschaft. Was war das Spannendste? Es war eine ambivalente Situation: Auf der einen Seite war da die Freude darüber, dass die Branche nach Corona und Lockdown endlich wieder zusammenkommen konnte. Auf der anderen Seite war auch eine Verunsicherung der Branche spürbar, wie sich neue Anforderungen hinsichtlich der Klimaneutralität auf die klassischen ökonomischen Modelle der Immobilienwirtschaft auswirken werden, etwa was die Finanzierbarkeit betrifft. Eines der spannendsten Projekte, die bei der Messe vorgestellt wurden, war übrigens zweifelsohne der neue Hamburger Stadtteil Grasbrook. 

Demnächst kommt offenbar die ökopolitische Forderung, dass jeder Neubau ein Solardach mit Photovoltaik erhalten muss. Ist das für Stadtplaner:innen eine Katastrophe, weil ihnen etwas vorgeschrieben wird, was sie nicht selbst in der Hand haben? Es ist eine Selbstverständlichkeit, dass auch wir als Stadtentwickler offensiv mit dem Thema Klimawandel umgehen und gemeinsam mit allen beteiligten Akteuren zukunftsgerichtete Lösungen entwickeln müssen. Und das werden wir, da bin ich nicht pessimistisch. Beispiel Photovoltaik, die übrigens einen abnehmenden Effekt haben wird: Je mehr regenerative Energieträger die fossile Energie verdrängen, desto geringer wird der Beitrag der Photovoltaik sein. Deshalb müssen grundsätzlich intensive Gedanken angestellt werden, wie das klimaneutrale Gesamtkonzept eines Gebäudes aussehen kann. Da sollte und muss man bei Neubauten mehr erwarten als nur Photovoltaik auf dem Dach. 

VITA Dr. Andreas Kleinau führt seit 1. November 2021 als Vorsitzender die Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH (HCH), zu der auch die neue Geschäftsführerin Theresa Twachtmann, seit 01.11.21 im Amt, und der langjährige Geschäftsführer Giselher Schultz-Berndt (geht Ende des Jahres in den Ruhestand) gehören. Andreas Kleinau (55) ist schon seit September 2020 als HCH-Geschäftsführer im Unternehmen. Zuvor hat er 2015 gemeinsam mit Partnern die internationale Immobilienberatungsgesellschaft Combine Consulting GmbH gegründet. Beratend begleitete er Entscheidungsprozesse zahlreicher Großprojekte, u.a. auch in der HafenCity wie etwa die neue Unternehmenszentrale des Spiegels oder New Works SE. Der gebürtige Hamburger Kleinau studierte Betriebswirtschaftslehre an der Uni Hamburg, absolvierte u.a. dort 1993 seine Promotion und begann seine berufliche Laufbahn bei dem Organisations- und Immobilienberater Quickborner Team. Andreas Kleinau hat zwei erwachsene Söhne aus erster Ehe und lebt mit seiner Lebensgefährtin und zwei noch minderjährigen Kindern in Hamburg-Hoheluft.

Neben den neuen HCH-Stadtentwicklungsvorhaben Science City Hamburg Bahrenfeld, dem Billebogen und dem Grasbrook bauen Sie vor allem die HafenCity bis in die 2030er Jahre fertig – u.a. auch das 245 Meter hohe Landmark Elbtower, das polarisierende Hochhaus-Projekt in der östlichen HafenCity am Hamburger Stadteingang Elbbrücken. Warum weckt das rund 700 Millionen Euro teure Gebäude so viele Emotionen? Das ist eine berechtigte Frage, die sich immer wieder stellt, weil die schiere Höhe des Elbtowers sehr ungewöhnlich und ungewohnt für Hamburg ist. Einige Hamburger fragen sich deshalb, ob oder warum die Stadt ein solch hohes neues Gebäude braucht. 

Zerstört der Elbtower die Hamburger Stadtsilhouette, wie Kritiker sagen? Nein, aber der Blick ist sicher ungewohnt. Ungeachtet dessen gibt es viele Befürworterinnen und Befürworter, die den Elbtower als Bereicherung der Stadtsilhouette feiern. Wir dürfen nicht vergessen, dass es auch bei der Elbphilharmonie anfangs viele Vorbehalte gab und es hieß, der markante Bau werde das Postkartenmotiv von Hamburg negativ prägen. Heute kann sich niemand mehr dieses Motiv wegdenken, die Elbphilharmonie ist zur Hamburg-DNA geworden. 

»Wir werden uns strukturell verändern, um damit die Voraussetzungen zu schaffen, noch wirksamer zu arbeiten. Das ist notwendig, weil die Anzahl der Projekte und die Komplexität der Aufgaben in den vergangenen Jahren derart gewachsen ist. Wir müssen deutlich arbeitsteiliger werden und mehr Eigenverantwortung ermöglichen.«

Der ehemalige Oberbaudirektor Jörn Walter sagt, die Erregung um den Elbtower sei unnötig, weil Hamburg seine Kirchen-Stadtsilhouette mit Elbphilharmonie behalte. Und blickachsentechnisch liege der Elbtower von der Alster aus gesehen hinter St. Georg und störe nicht. Hat er recht? Tatsächlich ist die Sichtbarkeit des Elbtowers und die Frage, ob er die Stadtsilhouette verändern wird, detailliert aus verschiedenen Perspektiven und Sichtachsen ausführlich untersucht worden. Dabei ist man mit der Höhe des Elbtowers nicht verschwenderisch umgegangen, sondern hat sehr fein darauf geachtet, dass die Proportionen des Gebäudes nach Innen hin zueinander passen und sich in das Stadtbild einfügen.  

Gerade ist für den Elbtower die erste Teilbaugenehmigung erteilt worden, im Herbst 2022 soll der erste Spatenstich erfolgen. Ist das Projekt unumkehrbar? Es haben vorbreitende Maßnahmen begonnen, die der Bauherr auf eigenes Risiko erbringt, was wir als deutliches Bekenntnis zu diesem Projekt verstehen. Das Vorhaben stellt insgesamt hohe Anforderungen an seine Realisierungssicherheit  und es gibt verschiedene Bedingungen, etwa eine Vorvermietungsquote und der Nachweis über die Gesamtfinanzierung, an die der letztendliche Übergang des Grundstücks gekoppelt ist. Wenn der Bauherr die Auflagen erfüllt, ist das Projekt unumkehrbar. 

Elbtowerblick von der Norderelbe zwischen Veddel/Peute und Rothenburgsort Richtung Elbbrücken, HafenCity und Hammerbrook. © Signa/Chipperfield/Sooii & Pure
Elbtowerblick von der Norderelbe zwischen Veddel/Peute und Rothenburgsort Richtung Elbbrücken, HafenCity und Hammerbrook. © Signa/Chipperfield/Sooii & Pure

Der erste Elbtower Büroflächenmieter mit 11.000 Quadratmeter, eine Voraussetzung für die erste Baugenehmigung, ist die Hamburg Commercial Bank, der privatisierte Zusammenschluss der früheren Landesbanken von Hamburg und Schleswig-Holstein. Ist das ein augenzwinkerndes Hamburger Geschäft, wo frühere Eigner selbst für den ersten Mieter mit gesorgt haben? Das müssen Sie die Hamburg Commercial Bank und ihre privaten Gesellschafter fragen, ob es stadtstaatlichen Einfluss gegeben habe. Ein „augenzwinkerndes Geschäft“, wie Sie es nennen, kann ich da nicht erkennen. Denn es ist ja nicht ungewöhnlich, dass Firmen innerhalb Hamburgs umziehen …

… wie etwa New Work SE (Ex-Xing) oder Vattenfall, die in die HafenCity kommen … weil sie sich offenbar an einem neuen Standort besser präsentieren können. Und wenn der Mietvertrag mit der Hamburg Commercial Bank, der uns als HafenCity Hamburg GmbH noch nicht vorliegt, hinreichend werthaltig ist, kann ich kein „Augenzwinkern“ erkennen. 

Auf einem 21.000 Quadratmeter-Grundstück (ca. 280 x 75 m) werden sogenannte Schlitzwände, u.a. zum Schutz vor Wassereinbruch, in bis zu 55 Meter Tiefe gerammt und zur Entsorgung von Grund und Bodens werden 130.000 Kubikmeter Erde ausgehoben. Zur Sicherung des Gebäudes sollen später 63 Pfähle mit zwei Meter Durchmesser und 75 Meter Länge beitragen. Ist das Bauwahn oder Bauleidenschaft für ein neues 
Wahrzeichen von Hamburg?
Was heißt Bauwahn? Wir reden über ein Hochhaus, das an dieser Stelle eine entsprechende Gründung erfahren muss. Mit Bauwahn hat das für mich nichts zu tun. Würden man die gleiche Nutzfläche flächig bauen, wären die genannten Zahlen deutlich eindrucksvoller. 

Dr. Andreas Kleinau zum Investorenprojekt Elbtower: „Das Vorhaben stellt insgesamt hohe Anforderungen an seine Realisierungssicherheit  und es gibt verschiedene Bedingungen, etwa eine Vorvermietungsquote und der Nachweis über die Gesamtfinanzierung, an die der letztendliche Übergang des Grundstücks gekoppelt ist. Wenn der Bauherr die Auflagen erfüllt, ist das Projekt unumkehrbar.“ © Hafencity Hamburg GmbH
Dr. Andreas Kleinau zum Investorenprojekt Elbtower: „Das Vorhaben stellt insgesamt hohe Anforderungen an seine Realisierungssicherheit  und es gibt verschiedene Bedingungen, etwa eine Vorvermietungsquote und der Nachweis über die Gesamtfinanzierung, an die der letztendliche Übergang des Grundstücks gekoppelt ist. Wenn der Bauherr die Auflagen erfüllt, ist das Projekt unumkehrbar.“ © Hafencity Hamburg GmbH

Wie finden Sie persönlich den Entwurf von David Chipperfield ­Architects Berlin? Faszinierend intelligent. Der Entwurf ist in seiner Schlichtheit und Eleganz eindrucksvoll. Wie sehr das Gebäude aus jeder Richtung andere und neue Blicke öffnet und überrascht, ist in den zwangsläufig zweidimensionalen Plan-Präsentationen noch gar nicht zu erfassen. Ich bewundere wirklich die Intelligenz des Entwurfs. 

Die Elbtower-Nutzung sieht – neben einer öffentlichen Aussichtsplattform und dem Hotel Nobu mit 191 Zimmern – sind 77.000 Quadratmeter Büro an diesem Standort der östlichen HafenCity vor. Hat das in Nach-Pandemie-Zeiten mit Homeoffice-Boom noch Zukunft? Es wird in einem Hochhaus dieser Art immer einen Markt, eine Nachfrage nach Büroflächen geben. Das ist mit anderen Büroflächen in Hamburg nicht zu vergleichen. Für den Elbtower interessieren sich internationale Firmen, die bislang noch keinen Standort, keine Büros in Hamburg haben. Mit dem Elbtower wird Hamburg neu gesehen und bewertet. So kann der Elbtower auch maßgeblich zu einem Element der Wirtschaftsförderung werden. 

Der Bauherr Signa Real Estate sagt, dass Flächen zunächst zwischen 6.000 und 10.000 Quadratmeter vermietet werden sollen. Ist das eine realistische Größenordnung für Hamburg oder eher US-like à la New York? Derzeit ist die durchschnittliche Größe angemieteter Büroflächen in Hamburg sicherlich kleiner. Das ist aber nicht entscheidend. Ein Gebäude wie der Elbtower bietet Unternehmen ganz andere Möglichkeiten der Repräsentation. Die Adress-Bildung, das Prestige der Adresse und die Identifikation mit dem Unternehmen werden immer wichtiger, wenn Firmen um Mitarbeiter konkurrieren. Dann spielen Art und Weise der Arbeitsmöglichkeiten künftig eine noch wichtigere Rolle. Der Elbtower punktet als Gesamtpaket, weil er mit seiner Einzigartigkeit auf die dort Arbeitenden abstrahlt, weil er infrastrukturell mit U- und S-Bahn sowie anderen Verkehrsträgern hervorragend angeschlossen ist – und er wird direkt mit der HafenCity, dem Grasbrook und bis in die Innenstadt hinein verbunden sein. Und noch etwas: Für die Unternehmen selbst bietet sich in einem Hochhaus viel mehr Flexibilität, was die Fläche betrifft. Sie können eher innerhalb des Gebäudes wachsen oder sich schlanker aufstellen. In solch einem Hochhaus wird es immer Flächenreserven geben. 

Gibt es für Sie einen Fahrplan für die ersten 100 Tage als HafenCity-Chef? Auf jeden Fall steht auf meiner Agenda, die geplanten Änderungen in der Organisation erfolgreich umzusetzen und die Kolleginnen und Kollegen auf diesem Weg mitzunehmen. Wir werden uns strukturell verändern, um damit die Voraussetzungen zu schaffen, noch wirksamer zu arbeiten. Das ist notwendig, weil die Anzahl der Projekte und die Komplexität der Aufgaben in den vergangenen Jahren derart gewachsen ist. Wir müssen deutlich arbeitsteiliger werden und mehr Eigenverantwortung ermöglichen. Das Gespräch führte Wolfgang Timpe

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