Neue Exzellenzpolitik

Essay. Prof. Jörg Müller-Lietzkow, Präsident der HafenCity Uni, erwartet von Hamburg, dass man sich nach der -Bundestagswahl deutlicher als Zukunftsmotor positioniert

Am 26. September findet die Bundestagswahl 2021 statt. Diese eröffnet im wahrsten Sinne des Wortes viele neue Perspektiven – nicht nur im Rahmen der Koalitionsoptionen, sondern auch in der Ausrichtung der zukünftigen Spitzenpolitik. Natürlich sind einerseits die Kassen durch Corona und durch die Flutkatastrophe deutlich belastet und ambitionierte Vorhaben werden eventuell Abstriche in Kauf nehmen müssen. Andererseits: Wann, wenn nicht jetzt, besteht die Möglichkeit unser Land deutlich konturierter zu gestalten. 
Foto oben: Das Gute künftig noch besser machen, erhofft sich HCU-Präsident Prof. Jörg Müller-Lietzkow von den neuen Bundestagsabgeordneten aus Hamburg: Wenn deren Beiträge „die gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ziele, insbesondere die Nachhaltigkeit und den Klimaschutz, befördern, kann Hamburg in der Tat neben seiner großen Attraktivität als Stadt auch für unser Land zu einem weg­weisenden Zukunftsmotor werden“.  © Catrin-Anja Eichinger

Hamburg sollte sich dabei – noch mehr als bisher – als einer der wichtigsten Zukunftsmotoren positionieren. Die mittelfristige Transformation der Hafenwirtschaft, der Aufbau neuer Wirtschaftsfelder – insbesondere in den Bereichen Mobilität, neue Materia-lien, Digitaltechnologien und Wasserstoffnutzung – sind nur einige wesentliche Bausteine, um die Wirtschaftskraft des Standortes zu erhöhen und gleichzeitig auch – berücksichtigt man Nachhaltigkeitsziele – eine hohe Zukunftsfähigkeit herzustellen. 

Die beiden „K’s“ von Hamburg, Johannes Kahrs, SPD (li.), und Rüdiger Kruse, CDU: Der nächste Deutsche Bundestag braucht wieder so engagierte Mitglieder für Hamburg. © PRIVAT
Die beiden „K’s“ von Hamburg, Johannes Kahrs, SPD (li.), und Rüdiger Kruse, CDU: Der nächste Deutsche Bundestag braucht wieder so engagierte Mitglieder für Hamburg. © Privat

Gesellschaft muss gerade jetzt den Anspruch haben, wirklich alle bundespolitsch finanziell unterstützenden Maßnahmen immer auch vor dem Hintergrund möglicher Klimaschutzpotenziale zu bewerten und dementsprechend zu unterstützen, wenn diese entlastende Wirkung haben oder eben auch – sind diese zu wenig ambitioniert – intensiv auf die Notwendigkeiten hinzuweisen. Hamburg als aktiver Wissenschaftsstandort erforscht und arbeitet schon lange in diesem Bereich und hat höchste Transferpotenziale.

Gestaltung von Arbeits- und Wohnraum neu denken: Weder wird allein ein Fokus auf Homeoffice hilfreich sein, noch der verengte Blick auf die bisherigen reinen Arbeitsplatz-Konzepte. 

Nicht nur die angestrebte Mobilitätswende kann hier einen erheblichen Wertebeitrag liefern, sondern vor allem auch die Frage, wie wir morgen bauen und die Infrastruktur gestalten. Ein gutes Beispiel sind die wichtigen Überlegungen, wie zum Beispiel im Rahmen von Ansätzen zur Kreislaufwirtschaft die wichtigen Neugestaltungsvorhaben auf dem Grasbrook vonstattengehen. Die HafenCity Hamburg GmbH unter der Führung von Prof. Bruns-Berentelg zeigt hier, wie sich Gestaltung der Moderne und Nachhaltigkeit symbiotisch verbinden lassen. Neben dieser Gestaltung wird es auch eine Aufgabe sein, die Auswirkungen der Corona-Pandemie richtig zu lesen und sich Gedanken über die Gestaltung von Arbeits- und Wohnraum neu zu denken. Weder wird allein ein Fokus auf Home Office hilfreich sein, noch der verengte Blick auf die bisherigen reinen Arbeitsplatz-Konzepte. Wir als Gesellschaft sind gefordert, und eine Stadt am Wasser bietet großartige Optionen, einen hohen Wertbeitrag im Rahmen dieser Transformationsbemühungen mit frischen, hybriden Konzepten zu liefern. 

Anschubfinanzierungen vom Bund: Dazu braucht es Haushalts­experten, die jenseits ihrer parteipolitischen ­Interessen vor allem Hamburg in den Blick nehmen.

Doch wie immer gibt es einen Haken bei der Sache: Die Anschubfinanzierungen für diese wichtigen Anliegen kommen nicht selten aus dem Bund. Dazu braucht es Haushaltsexperten, die jenseits ihrer parteipolitischen Interessen vor allem Hamburg in den Blick nehmen. In der laufenden Periode (und auch schon zuvor)waren es die beiden schon legendären „K’s“ (Johannes Kahrs, SPD, und Rüdiger Kruse, CDU), die sich sehr verdient gemacht haben. Mit dem Ausscheiden innerhalb der Legislatur von Johannes Kahrs ist ein wichtiger Promotor für Hamburg von Bord gegangen. 

Völlig unabhängig vom Farbenspiel und der politischen Präferenz kann man nur hoffen, dass im nächsten deutschen Bundestag wieder so engagierte Mitglieder für Hamburg sitzen, die sich für die Ziele der Stadt einsetzen und sich im Haushaltsausschuss stark machen. Politik ist vielfach nach außen betrachtet ein Posten- und Ämterspiel. Zumindest aber ebenso wichtig ist es, dass es Fürsprecher gibt, die vielleicht leiser auftreten, aber große Hebelwirkung für unsere Stadt entwickeln. 

Ich hoffe daher sehr, dass sich alle politischen Kräfte jenseits der Ränder, die für Hamburg in den deutschen Bundestag einziehen werden, aufgefordert sehen, hier einen Beitrag zu leisten. Wenn dieser Beitrag dann die weiter oben beschriebenen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Ziele, insbesondere die Nachhaltigkeit und den Klimaschutz, befördern, kann Hamburg in der Tat neben seiner großen Attraktivität als Stadt auch für unser Land zu einem wegweisenden Zukunftsmotor werden. Es gilt daher, die demokratische Mitte zu stärken und Menschen zu wählen, denen das Wohl Hamburgs das größte Anliegen ist. Jörg Müller-Lietzkow

Prof. Dr. Jörg Müller-Lietzkow ist seit Juli 2019 Präsident der HafenCity Universität (HCU) und Professor für Ökonomie und Digitalisierung.

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