Neue Köhlbrandbrücke: »Mich hat der Entwurf angefixt!«

Hafen. Im Jahr 2040 oder früher soll die neue Köhlbrandbrücke wieder das Wahrzeichen eines modernen Hamburgs sein – und ein stolzes nationales Seehafen-Symbol

Höher, weiter, eleganter. Die neue 73,5 Meter hohe und 3,8 Kilometer lange Köhlbrandbrücke (mit Strombrücke und ihren Rampen) soll „so schnell wie möglich“ fertiggestellt werden, sagt Wirtschaftssenatorin ­Dr. Melanie Leonhard zum Mitte Juni vorgestellten Siegerentwurf der Ingenieurs- und Architekten-Bietergemeinschaft aus GRASSL, sbp und WTM Engineers sowie gmp und PPL. „Wir drücken aufs Tempo“, so die Senatorin zum offiziellen Eröffnungstermin 2040 oder eben früher. Und Jens Meier, Hafenchef und CEO der HPA, der Hamburg Port Authority, klingt für seine sonst knochentrockene Sachlichkeit auf der Pressekonferenz euphorisiert: „Mich hat der Entwurf der Brücke, die Leichtigkeit des Bauwerks angefixt.“ Und Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing fasziniert die Funktionalität: „Der Entwurf überzeugt durch seine klare und elegante Form und eine konsequent durchdachte Konstruktion. Er nimmt die ikonische Gestalt der bestehenden Brücke auf und entwickelt sie sensibel weiter. So entsteht ein Bauwerk, das sich gleichermaßen funktional wie städtebaulich überzeugend in das Hafenbild einfügt. Die neue Köhlbrandbrücke wird wieder ein Hamburger Wahrzeichen werden!“
Foto oben: Mit 73,5 Meter Höhe ist die neue Köhlbrandbrücke vergleichbar mit modernen Brücken auf internationalen Seeschifffahrtswegen wie der El Qantara-Brücke über den Sueskanal und der Stonecutters’Bridge im Hafen von Hongkong. © GRassl, sbp, gmp, PPL | RenderingsGärtner + Christ

Präsentierten den Siegerentwurf der Köhlbrandbrücke (v. l.): Franz-Josef Höing, Hamburgs Oberbaudirektor,
Jens Meier, Geschäftsführer Hamburg Port Authority (HPA), und Dr. Melanie Leonhard, Senatorin für Wirtschaft, Arbeit und Innovation. © picture alliance/dpa | Georg Wendt

In einem mehrstufigen Wettbewerb konnte die Arbeitsgemeinschaft der Ingenieurbüros sbp, Grassl und WTM Engineers sowie der Architektenbüros gmp und PPL das 21-köpfige Jurygremium überzeugen. Insgesamt hatten sieben Bietergemeinschaften ihre Konzepte eingereicht. Senatorin Leonhard überzeugte der Siegerentwurf des Brückenneubaus nicht nur städtebaulich, sondern auch ökonomisch: Mit geplanten Kosten von 5,3 Milliarden Euro ist die Brücke im Vergleich zur lange geplanten Tunnelalternative um bis zu 1,9 Milliarden Euro preiswerter, wie die Drucksache 22/14809 ausweist, die der Bürgerschaft zur Erörterung und Abstimmung vorliegt. 

Und der Neubau ist, trotz der verkehrlichen und planerischen Komplexität im Hafen und den neuen Rampen mit Direktanschlüssen an die A7 deutlich zügiger zu realisieren. „Der Ersatzneubau der Köhlbrandbrücke hat eine herausragende Bedeutung für unsere Stadt und für den Wirtschaftsstandort Deutschland. Wir treiben dieses Schlüsselprojekt konsequent voran.“ Das Vorantreiben meint Tempo machen. So seien, ungewöhnlich für ein solches Verfahren, parallel zum Auswahlverfahren schon einzelne Planungsschritte auf den Weg gebracht und umgesetzt worden. „Die weiterhin beschleunigte Realisierung des Projekts hat für den Senat eine zentrale Bedeutung. Die Freie und Hansestadt Hamburg, die Hamburg Port Authority (HPA) und die mit der Realisierung beauftragte ReGe Hamburg arbeiten hierzu eng zusammen. Weitere Beschleunigungspotenziale sollen im Verlauf der anstehenden Planungsschritte identifiziert und umgesetzt werden“, so die Senatsmitteilung.

Das LED-Beleuchtungskonzept der neuen Köhlbrandbrücke. © GRassl, sbp, gmp, PPL | Renderings Gärtner + Christ

Für HPA-Chef Jens Meier ist wegen der wichtigen Infrastrukturbedeutung der neuen Köhlbrandbrücke für den Hafen und für Deutschland als einzigem Seehafen jeder Monat früher ein nachhaltiger Gewinn. „Die neue Köhlbrandbrücke ist für die Wettbewerbsfähigkeit des Hafens von zentraler Bedeutung. Wir treiben die Planungen gemeinsam mit unseren Partnern zielstrebig weiter voran.“ Und so heißt es in der Senatsdrucksache optimistisch zum offiziellen Bauziel 2040: „Ziel ist die Verkehrsfreigabe der neuen Köhlbrandbrücke bis Ende der 2030er-Jahre.“

Für Dennis Thering, den CDU-Oppositionschef in der Hamburgischen Bürgerschaft, ist „Tempo weiterhin Fehlanzeige“. Ihm geht es alles nicht schnell genug: „Auf Entwürfen kann man nicht fahren. Es ist höchste Zeit, dass endlich Tempo in die Realisierung kommt. Wenn der rot-grüne Senat weiter so trödelt, droht eine Komplettsperrung, bevor der Neubau fertig ist. Das wäre das endgültige Desaster für Hafen und Stadt.“ Immerhin hat Wirtschaftssenatorin Leonhard nach ihrem Amtsantritt dafür gesorgt, dass in einem transparenten Verfahren die teure und langwierige Untertunnelungs-Variante des Köhlbrands ad acta gelegt wurde. Der Opposition reicht das nicht. Kay Jäger, der hafenpolitische Sprecher der Linken-Fraktion, sieht es grundsätzlich: „Der Senat muss jetzt Nägel mit Köpfen machen. Die Sanierung der alten Brücke wurde über viele Jahre verschleppt, eine günstigere Lösung sehenden Auges unmöglich gemacht. Nun muss der Senat sicherstellen, dass die alte Brücke noch bis zur Eröffnung der neuen Brücke durchhält und für einen sauberen Übergang mit möglichst wenig Einschränkungen sorgen.“ Schwerlasttransporte über 44 Tonnen dürfen schon heute die Brücke nicht mehr nutzen. 

»Ziel ist die Verkehrsfreigabe« bis Ende der 2030er-Jahre. © GRassl, sbp, gmp, PPL | Renderings Gärtner + Christ

Unabhängig von den politischen Auseinandersetzungen knüpft der Siegerentwurf an die charakteristische heutige Brückenform mit zwei Pylonen und Schrägseilen an und überführt sie in eine moderne Form. Die neue Köhlbrandbrücke setzt technisch neue Maßstäbe, etwa durch einen reduzierten und effizienteren Einsatz CO₂-intensiver Materialien wie Stahl. Maren Wolf, Projektleiterin im Ingenieurbüro Grassl: „Unser Ziel war es, eine Brücke zu entwerfen, die technische Effizienz, Nachhaltigkeit und gestalterische Qualität in Einklang bringt. Der Entwurf zeigt, wie sich innovative Ingenieurlösungen und eine klare architektonische Haltung zu einem zukunftsfähigen Gesamtkonzept verbinden lassen.“ Für Oberbaudirektor Höing hat sich das eingelöst: „Es ist ein elegantes Brückenbauwerk und hat eine unglaubliche Filigranität.“ Wolfgang Timpe

Die neue Köhlbrandbrücke mit ihren markanten zwei Pylonen und den Schrägseilen fügt sich beim Blick vom Altonaer Balkon an der Elbe elegant in den Köhlbrand mit Waltershof-Containerumschlag ein. © GRassl, sbp, gmp, PPL | Renderings Gärtner + Christ

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