»Speicherstadt für die nächsten 100 Jahre sichern!«

Fleete. Um den sicheren Untergrund des UNESCO-Welterbes Speicherstadt zu sichern, finden aktuell umfangreiche Sandaufspülungen und Kaimauerrenovierungen statt

Die Speicherstadt wird fit für die Zukunft gemacht. Mit umfangreichen Sandaufspülungen und weiteren Sanierungsmaßnahmen sichern die Freie und Hansestadt Hamburg, der Landesbetrieb Immobilienmanagement und Grundvermögen (LIG) sowie die ReGe Hamburg die Standsicherheit des UNESCO-Welterbes ­Speicherstadt. Damit wird das historische Herz der HafenCity langfristig gestärkt und für kommende Generationen erhalten.

Die Kaimauern der Speicherstadt prägen seit mehr als 100 Jahren das Bild des welweit größten zusammenhängenden Lagerhausensembles. Sie begrenzen die Fleete und bilden zugleich die Verlängerung der markanten Backsteinfassaden. Doch die Konstruktionen stehen zunehmend unter Druck. Ursache sind unter anderem die bakterielle Zersetzung der historischen Gründungspfähle aus Kiefernholz sowie Veränderungen im Gewässer. Hinzu kommen die frühere Vertiefung der Fleetsohlen und der vergrößerte Tidenhub.

„Unser gemeinsames Ziel ist es, die Speicherstadt auch für die nächsten Generationen zu erhalten“, betont ­Christof Otto, Geschäftsführer des Landesbetriebs Immobilienmanagement und Grundvermögen. Die praktische Umsetzung erfolgt durch die ReGe Hamburg Projekt-Realisierungsgesellschaft.

Ein zentrales Element der Sanierung ist die Anhebung der Fleetsohlen auf ihr historisches Niveau. Derzeit werden in mehreren Bereichen der Inneren Speicherstadt große Mengen Sand eingebracht. Betroffen sind unter anderem die Abschnitte bei den Speichern S, T und U sowie die Bereiche bei Speicher G, der Kaffeebörse und Speicher O. Die Fleetsohle wird dabei in der Mitte um bis zu einen Meter und an den Randbereichen um bis zu 1,5 Meter angehoben. Ziel ist eine dauerhafte Stabilisierung des Baugrunds vor den Kaimauern der Speicherstadt. Nach dem Einbringen des Sands werden neue sogenannte Rückverankerungen eingebaut und das historische Mauerwerk instandgesetzt. So können die Kaimauern heutigen Sicherheitsstandards entsprechen, ohne dass Sichtachsen oder historische Architektur verändert werden.
Foto oben: Sandaufspülungen im Brooksfleet. Die Fleetsohle wird dabei in der Mitte um bis zu einen Meter und an den Randbereichen um bis zu 1,5 Meter angehoben. © Jimmy Blum

Für die Baugrundverbesserung wurden zwei Verfahren getestet. Beim Bodenaustausch wird weicher Untergrund bis in eine Tiefe von 4,5 Metern entfernt und durch tragfähigen Sand ersetzt. Dafür entstehen vor den Kaimauern schmale Spundwandkästen, in denen abschnittsweise gearbeitet wird. 

Parallel dazu wurde die sogenannte Massenstabilisierung erprobt. Dabei wird unterhalb der Fleetsohle Zement in den vorhandenen Weichboden eingefräst. Eine Sandschicht verhindert weitgehend, dass Material ins Wasser gelangt. Begleitend werden Umweltparameter wie der pH-Wert überwacht. Die Untersuchungen zeigen, dass beide Verfahren langfristig einen stabilen Baugrund schaffen.

Brooksfleet Richtung Miniatur Wunderland. Auch die Kaimauern werden für die
Zukunft der Speicherstadt ertüchtigt. © Jimmy Blum

Bereits abgeschlossen sind mehrere vorgezogene Maßnahmen. So wurden die Kaimauern vor Speicher D6, am Zollamt 4 und am Brook bereits 2019 saniert. Weitere Arbeiten folgten am Speicher L, im Wand­rahmfleet sowie am Zollkanal vor Speicher P und am Kehrwiederplatz. Aktuell laufen zudem Sanierungsarbeiten an der Kehrwiederspitze. Dort entstehen neue, rückverankerte Bohrpfahlwände und tief gegründete Stahlbetonkonstruktionen. Auch diese Arbeiten erfolgen unter den strengen denkmalpflegerischen Vorgaben des UNESCO-Welterbes.

Die Sanierung ist ein Jahrhundertprojekt. Die ersten Kaimauern wurden zwischen 1880 und 1920 errichtet. Nach umfangreichen Untersuchungen begann 2017 die konkrete Planung. Der Abschluss der Arbeiten am Zollkanal zum Beispiel wird derzeit für 2030 erwartet, die Fertigstellung der Maßnahmen in der Inneren Speicherstadt für 2035. Anschließend sollen unter anderem eine neue Promenade am Zollkanal und weitere Verbesserungen der Erschließung folgen.

Mit den Sandaufspülungen und den begleitenden Sanierungsarbeiten wird die Speicherstadt nicht nur vor den Folgen der Verwitterungen der Zeit geschützt. Die Maßnahmen sichern dauerhaft das historische Herz der HafenCity und schaffen die Grundlage dafür, dass eines der bedeutendsten Wahrzeichen Hamburgs auch künftig erhalten und weiterhin von Büros, Gewerbe und Gastronomie genutzt werden kann. Robert Bockelmann

INFO Mehr Informationen unter: hamburger-speicherstadt.de

Nachrichten von der Hamburger Stadtküste

Abonnieren Sie unseren monatlichen Newsletter!

Das könnte Ihnen auch gefallen