Trendsetter

Foodboom aus Rothenburgsort kreiert seit 2015 coole Rezepte für Menschen mit wenig Zeit zum Kochen. Ergebnis: Millionenumsätze und 70 Mitarbeiter:innen

Wer von der Billstraße in Hamburg-Rothenburgsort in eine kleine Seitenstraße einbiegt, gelangt zu einem von außen eher unspektakulären Gewerbehof. Dort residiert Foodboom – derzeit auf 2.000 Quadratmetern, bald kommen noch einmal 1.500 Quadratmeter dazu. „Wir wollen weiter wachsen“, sagt Sebastian Heinz. Der 38-Jährige, der erst eine Ausbildung zum Koch machte und dann Medienwissenschaften studierte, gründete das Start-up mit dem Koch Hannes Arendholz, 38, vor gut sechs Jahren.
Foto oben: 1,5 Millionen Follower auf Social Media setzen auf die Koch- und Rezeptkünste des Ex-Blogger-Start-ups Foodboom. © Foodboom

Foodboom-Gründer und Koch Hannes Arndholz: Statt Fastfood ist bei jungen Familien gesunde Ernährung angesagt.© Foodboom
Foodboom-Gründer und Koch Hannes Arndholz: Statt Fastfood ist bei jungen Familien gesunde Ernährung angesagt.© Foodboom

Die beiden hatten sich bei einer Food-Messe kennengelernt, 2014 mieteten sie auf dem Gelände, wo ihre Firma bis heute sitzt, in einer heruntergekommenen Halle ohne Strom-, Gas- und Wasseranschluss eine Fläche an, 2015 hoben sie Foodboom aus der Taufe. Ihre Idee war es, Kochfans mit hochwertigen Inhalten zu versorgen. Auf ihrer Website und in ihren Social-Media-Kanälen bieten sie Rezepte zum Nachkochen an – als Video- und als Bildcontent. Inzwischen haben sie mehr als 1,5 Millionen Follower, sie machen Millionenumsätze und beschäftigen rund 70 Mitarbeiter:innen, darunter Profiköch:innen, Foodstylist:innen und auch Fotograf:innen.

Fingerfood für Picknick wird ein neuer Trend wie gesunde Ernährung, Nachhaltigkeit und pflanzliche Proteine.

Kaum zu glauben, dass Sebastian Heinz und Hannes Arend-holz den Grundstein für ihr Unternehmen einst zu zweit mit einem Campingkocher legten. Sie traten mit der Philosophie an, coole Gerichte für Menschen zu entwickeln, die wenig Zeit zum Kochen haben. Was das Duo von Anfang an anders machte als die meisten klassischen Start-ups: Es holte Investoren wie den Finanz- und Foodexperten Dr. Peter Dill, Medienrechtler Dr. Hans-Martin Gutsch oder den Werber Holger Jung (Jung von Matt) ins Boot. Das garantierte ihnen nicht nur zusätzliche finanzielle Mittel, sondern vor allem Know-how. Hinzu kommt, dass sich die beiden Foodboom-Gründer perfekt ergänzen, so sieht es jedenfalls Sebastian Heinz. „Hannes ist ein kreativer Freigeist“, erzählt er. „Ich bin ein strategischer Zahlenmensch, der plant und organisiert.“ Gemeinsam schmieden sie ständig neue Pläne. „Wir wollen noch viele Ideen umsetzen“, schwärmt Sebastian Heinz. „Zum Beispiel könnten wir uns vorstellen, ein Restaurant zu eröffnen oder eigene Foodboom-Produkte auf den Markt zu bringen.“

Foodboom-Gründer, Koch und Medienwissenschaftler Sebastian Heinz: „Ich bin ein strategischer Zahlenmensch.“ © Foodboom
Foodboom-Gründer, Koch und Medienwissenschaftler Sebastian Heinz: „Ich bin ein strategischer Zahlenmensch.“ © Foodboom

Längst setzt Foodboom nicht bloß allein aufs Bloggen, das Unternehmen erstellt Content für Zeitschriften, es arbeitet mit der Lebensmittelindustrie zusammen. All das erfordert eine langfristige Planung, abhängig von der jeweiligen Saison. Während der Spargelzeit sind natürlich Spargelrezepte gefragt, im Sommer haben Eis und kühle Drinks Hochkonjunktur. Ein klarer Fokus soll in den kommenden Monaten auf Fingerfood für Picknick liegen. „Weil die Leute nicht verreisen können“, prognostiziert Sebastian Heinz, „werden sie häufiger draußen im Freien sein.“

Insektenburger waren ein Hype mit mäßigem Erfolg. „Keine Küche ist bei den Deutschen so populär wie die italienische.“

Somit dürfte Fingerfood für Picknick ein neuer Trend werden, wie gesunde Ernährung, Nachhaltigkeit und pflanzliche Proteine. Man muss allerdings zwischen Trend und Hype unterscheiden, das ist Sebastian Heinz immens wichtig. Insektenburger, stellt er klar, seien lediglich ein Hype gewesen. Auch Foodboom postete ein Rezept – mit mäßigem Erfolg. Wesentlich gefragter ist der Special-Interest-Kanal „Oh My Italy“. „Keine andere internationale Küche“, weiß Sebastian Heinz, „ist bei Deutschen so populär wie die italienische.“

Dass die Foodboom-Follower da keine Ausnahme machen, versteht sich. Wer sind sie eigentlich? Überwiegend junge Menschen, primär kann man sie in drei Gruppen aufteilen. Zum einen gibt es diejenigen, die gerade erst daheim ausgezogen sind und nun plötzlich selber kochen müssen. Etwa Studenten. Andererseits nutzen junge Paare oder Singles Foodboom. Was sie eint: Sie stellen ziemlich hohe Ansprüche ans Essen. Junge Familien bilden eine weitere Kategorie. Mit der Geburt des ersten Kindes hat sich bei ihnen einiges geändert: Statt Fastfood ist auf einmal gesunde Ernährung angesagt, die Portionen müssen zwangsläufig größer werden. Im Laufe der Jahre ist sogar noch eine vierte Gruppierung hinzugekommen: die Empty Nesters, also Eltern, deren flügge gewordene Kinder das Zuhause just verlassen haben. „Um eine coole Mum zu sein“, hat Sebastian Heinz erkannt, „machen diese Mütter ihrem Nachwuchs gern mal ein Avocadotoast.“ Dagmar Leischow

INFO Weitere Informationen unter www.foodboom.de

HCZ-Rezept des Monats Mai: Spargelsalat mit Quinoa 

Gefragt ist auch der Special-Interest-Kanal „Oh My Italy“. „Keine andere internationale Küche“, weiß Sebastian Heinz, „ist bei Deutschen so populär wie die italienische.“ © Foodboom
Zubereitungszeit: ca. 10 Minuten, Wartezeit: ca. 2 Minuten, für 2 Personen. © Foodboom

Für den Salat: 8 Stangen grüner Spargel, ½ Bund Radieschen, 5 EL Quinoa, 1 EL Olivenöl, 2 EL Zucker, 50 g Saubohnen, 50 g Kichererbsen, 2 Stiele Petersilie, Salz.
Für das Dressing: 1 Schalotte, 1 Bio-Zitrone, 3 EL Honig, 3 EL Weißweinessig, 5 EL Olivenöl, Pfeffer, Salz.
Utensilien: Sparschäler, Messer, Brett, Topf, Herd, Pfanne, Schüsseln, Reibe, Saftpresse.
Zubereitung:
1  Spargel waschen und der Länge nach mit einem Sparschäler in dünne Scheiben schneiden. Radieschen waschen und vierteln. Wasser in einen Topf geben, Salz hinzufügen und zum Kochen bringen. Quinoa hinzugeben und nach Verpackungshinweis kochen. Olivenöl in einer Pfanne erhitzen, Radieschen scharf anbraten, Zucker hinzugeben und karamellisieren. Saubohnen und Kichererbsen waschen und trocken tupfen.

2  Für das Dressing die Schalotte schälen und in feine Würfel schneiden. Die Schale der Zitrone mit einer feinen Reibe abreiben, Zitrone halbieren und den Saft herauspressen. Schalottenwürfel, Zitronenabrieb und Zitronensaft in eine Schüssel geben. Honig, Essig und Olivenöl hinzugeben und vermengen. Das Dressing mit Salz und Pfeffer abschmecken. 

3  Dressing über den Salat geben und vermengen. Petersilie waschen und klein zupfen. Salat mit Petersilie anrichten und servieren. 

Tipp: Wenn bei dem grünen Spargel der untere Bereich weiß oder violett gefärbt ist, einfach wegschneiden, da der Bereich oft sehr holzig schmeckt.

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