»Umsatzsteuer auf 7 % senken«

Christoph Strenger, Mitinhaber vom east-Hotel, Clouds, Coast by east und Störtebeker, über die Corona-Krise, fehlende Steuer-Gerechtigkeit und Lust auf Neues

Herr Strenger, Sie, Ihre Restaurant- und Mitarbeiterteams haben jetzt durch die Coronavirus-Beschlüsse von Bund und Land Hamburg seit rund zwei Wochen Kontaktverbot und geschlossene East-, Störtebeker- und Clouds-Locations. Wie geht es Ihnen als Gastro­nom und Hotelier von ganz unterschiedlichen Häusern und Konzepten in Covid-19-Zeiten mit Zwangs-Homeoffice? Wir müssen uns der Situation stellen. Die meisten unserer Mitarbeiter sind in Kurzarbeit, nur noch wenige wie die Finanz- und Personalbuchhaltung arbeiten. Und die Haustechniker nutzen die Zeit ohne Publikumsverkehr für Renovierungsarbeiten und Reparaturen. Es gibt zum Glück eine große Solidarität unter den Mitarbeitern, aber für uns alle ist das natürlich eine Katastrophe. Wir haben überhaupt keinen Umsatz, die monatlichen Kosten zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro laufen aber weiter. Bei einem Jahresumsatz von 65 Millionen Euro haben wir allein sieben bis neun Millionen Euro Mietkosten, dazu Personal- und Nebenkosten. Für unsere Mitarbeiter ist es besonders schlimm, weil viele von ihnen ja bis zu 700 Euro und mehr Trinkgeld im Monat haben, das bei Kurzarbeit aber nicht angerechnet wird.  Deshalb kommen die meisten nicht auf 60 Prozent ihres Nettogehalts, wie es bei Kurzarbeit der Fall ist, sondern nur auf 30 bis 40 Prozent. Noch einmal: Das ist eine Katastrophe!

Foto oben: Unternehmer Christoph Strenger: „Betriebe wie McDonalds, Burger King und Nordsee zahlen nur sieben Prozent Umsatzsteuer. Gastronomen wie wir, die mehr Service bieten, höheren Aufwand treiben und mehr Personaleinsatz haben, zahlen 19 Prozent. Das ist eine schreiende Ungerechtigkeit.“ © Privat

Restaurantterrasse mit Elphi-Blick im Coast by east: „In Deutschland kann man mit Gastronomie nicht wirklich reich werden.“	 © east Group
Restaurantterrasse mit Elphi-Blick im Coast by east: „In Deutschland kann man mit Gastronomie nicht wirklich reich werden.“ © east Group

Wie lange können Sie durchhalten? Wir können mit unseren Ersparnissen etwa zwei bis zweieinhalb Monate durchhalten, aber dann würden wir wie viele andere Unternehmen in unserer Gastronomie-Branche auch insolvent. Und selbst wenn es nach den Corona-Beschränkungen schnell wieder losgehen sollte, was ich persönlich nicht glaube, verlieren wir jetzt, wo das Rad komplett stillsteht, jeden Monat so viel Geld, dass wir das auch in zwei oder drei Jahren nicht mehr aufholen könnten. Das liegt auch daran, dass die Gewinnmargen in der Gastronomie mit etwa fünf bis acht Prozent vor Steuern ohnehin extrem niedrig sind. 

»Dass der Kapitalismus nach Corona menschlicher wird, glaube ich persönlich nicht, weil die Menschen gewinnorientiert sind. Im Gegenteil. Die Schere zwischen Arm und Reich geht weiter auseinander.“

Unternehmer Christoph Strenger, Gastro Consulting SKM GmbH

Nun hat Bundesfinanzminister Olaf Scholz einen Rettungsschirm gespannt. Hilft der? Uns hilft er nicht wirklich, weil wir auf der einen Seite nicht groß und auf der anderen Seite nicht klein genug sind. Wir fallen mit unserer Umsatzgröße von rund 65 Millionen Euro und 760 Mitarbeitern durchs Raster. Das Einzige, was wir mit unserem Unternehmensprofil als Systemgastronomie kriegen können, sind die sogenannten KfW-Darlehen. Das hilft uns aber auf Dauer nicht wirklich, weil es wieder nur Darlehen sind, die wir zurückzahlen müssen – wenn auch bei niedrigem Zinssatz. Am Ende stärkt es die Unternehmen nicht. 

Mein Vorschlag ist seit langem, den Steuersatz zumindest für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke auch bei uns auf sieben Prozent zu senken. Aber solche Vorschläge treffen bei Olaf Scholz auf taube Ohren. In dieser Krise fordere ich den Finanzminister auf, die Umsatzsteuer für Unternehmen wie unseres wenigstens für die nächsten fünf bis zehn Jahre auf sieben Prozent abzusenken. Sonst können wir es nicht schaffen. © east Group
„Mein Vorschlag ist seit langem, den Steuersatz zumindest
für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke auch bei uns auf sieben Prozent

zu senken. Aber solche Vorschläge treffen bei Olaf Scholz auf taube Ohren.
In dieser Krise fordere ich den Finanzminister auf, die Umsatzsteuer
für Unternehmen wie unseres wenigstens für die nächsten fünf bis zehn
Jahre auf sieben Prozent abzusenken. Sonst können wir es
nicht schaffen.“ © east Group

Was würde Ihnen denn helfen? Wenn Bundesfinanzminister Olaf Scholz uns endlich bei der Umsatzsteuer entgegenkommen würde. Viele Bürger wissen ja gar nicht, dass Betriebe wie McDonalds, Burger King und Nordsee – die das sogenannte Take-Away-Geschäft haben – nur sieben Prozent Umsatzsteuer zahlen. Andere Gastronomen wie wir, die viel mehr Service bieten und dementsprechend einen viel höheren Aufwand treiben müssen und mehr Personaleinsatz haben, zahlen 19 Prozent Umsatzsteuer. Das ist eine schreiende Ungerechtigkeit. Mein Vorschlag ist seit langem, den Steuersatz zumindest für Lebensmittel und alkoholfreie Getränke auch bei uns auf sieben Prozent zu senken. Aber solche Vorschläge treffen bei Olaf Scholz auf taube Ohren. In dieser Krise fordere ich den Finanzminister auf, die Umsatzsteuer für Unternehmen wie unseres wenigstens für die nächsten fünf bis zehn Jahre auf sieben Prozent abzusenken. Sonst können wir es nicht schaffen. 

Macht Ihnen die Corona-Zukunft als Unternehmer Angst? Nein, mit Angst bin ich nicht ausgestattet, weil ich grundsätzlich optimistisch bin und denke, man findet immer irgendeinen Weg. Aber ich fühle mich alleingelassen, wie viele meiner Kollegen in unserer Branche. Und das nicht erst seit Corona-Zeiten, sondern schon seit längerer Zeit. Herr Scholz hat für Gastronomie nichts übrig, obwohl das ein riesiger und wichtiger Unternehmenszweig für Deutschland ist. Nein, Angst haben wir nicht, weil wir alle Kämpfer sind. Aber eine Extremsituation wie diese hat wohl noch keiner erlebt. Vielleicht ist sie ein bisschen vergleichbar mit der Situation nach dem 11. September 2001. Aber damals hatten wir, wenn auch mit Einbußen von bis zu 25 Prozent, noch Umsatz. 

Wahlheinat und Winterdomizil Kapstadt: Retriever-Narren ­Christoph Strenger und Freundin Lisa-Marie Köster.	© Privat
Wahlheinat und Winterdomizil Kapstadt: Retriever-Narren ­Christoph Strenger
und Freundin Lisa-Marie Köster. © Privat

Wenn Sie sich als Unternehmer durch den Finanzminister nicht gut vertreten fühlen, fühlen Sie sich denn als Bürger durch die Kanzlerin gut geführt? Ich weiß es nicht. Ich kann mir zum jetzigen Zeitpunkt kein Urteil darüber erlauben, ob die Maßnahmen angemessen sind oder übertrieben, wie auch einige sagen. Wir müssen uns darauf verlassen, dass unsere Politiker, Wissenschaftler und Virologen das Richtige tun. 

Wie schützen Sie sich vor dem Virus? Ich mache das, was die Bundesregierung empfiehlt. Meine Freundin und ich haben zurzeit relativ wenig Kontakt zu anderen Leuten, wenn überhaupt mit Abstand. Wir haben immer ein Desinfektionsfläschchen dabei und waschen uns regelmäßig die Hände. Wir sind weder hysterisch noch unvorsichtig, aber wir respektieren die Vorgaben und nehmen sie ernst. 

Innenhof-Lounge im east-Hotel: „1991 habe ich mit ,Headbangers’ Ballroom’ Hamburgs erste Heavy-Metal-Diskothek eröffnet.“ © east Group
Innenhof-Lounge im east-Hotel: „1991 habe ich mit ,Headbangers’ Ballroom’
Hamburgs erste Heavy-Metal-Diskothek eröffnet.“ © east Group

Was, glauben Sie, wird diese weltweite Krise für die Menschen und für die Unternehmer*innen verändern? Gute Frage. Ich glaube, dass die Krise das Bewusstsein vieler Menschen verändern wird und sie dann mehr zu schätzen wissen, auf was für einem tollen Planeten wir leben dürfen – und in einem Land mit wirtschaftlicher Sicherheit und vernünftiger Politik. Ich selbst muss nicht sonderlich viel verändern, weil ich heute schon zusammen mit meiner Freundin sehr naturverbunden bin und mir bewusst ist, dass es ein Privileg ist, in Europa, Deutschland und auch in Hamburg, einer der schönsten Städte dieser Welt, leben zu können.  

Mit Angst bin ich nicht ausgestattet, weil ich grundsätzlich optimistisch bin und denke, man findet immer irgendeinen Weg. Aber ich fühle mich allein­gelassen, wie viele in unserer Branche. “

Unternehmer Christoph Strenger, Gastro Consulting SKM GmbH

Wird der Kapitalismus nach Corona etwas menschlicher sein? Daran glaube ich persönlich nicht, weil die Menschen gewinnorientiert sind. Im Gegenteil, ich glaube, dass die Schere zwischen Arm und Reich noch weiter auseinander-gehen wird. All diejenigen, die schon immer viel Geld hatten, werden die Situation jetzt dafür nutzen, um billig Aktien oder Immobilien zu kaufen und so noch reicher zu werden. Die Armen müssen noch mehr um ihre Existenz fürchten.

Jedes Jahr einwöchige Auszeit in Wacken für Christoph Strenger und Lisa-Marie Köster: „Metal-Fans sind alle irgendwie gutherzig.“	 © Privat
Jedes Jahr einwöchige Auszeit in Wacken für Christoph Strenger und Lisa-Marie Köster:
„Metal-Fans sind alle irgendwie gutherzig.“ © Privat

Sehen Sie in der häuslichen Quarantäne #stayat­home einen gesunden Detox-Effekt für die rasende Globalisierungsgesellschaft? Das glaube ich nicht. Aber man wird sicherlich darüber nachdenken, ob es auf Dauer gutgehen kann, alles im Ausland produzieren zu lassen, weil es preiswerter ist, wenn man auf der anderen Seite mit Liefer-Engpässen rechnen muss.   

Wie behalten Sie Ihre gute Laune? Im Moment ist es für mich erste Bürgerpflicht, positiv zu sein, den Kopf nicht hängen zu lassen und das auch allen zu zeigen. Wissen Sie, ich bin schon öfter gefragt worden, woher ich den Mut genommen habe, dieses Unternehmen in dieser Größe aufzubauen. Aber Mut ist für mich die Überwindung von Angst, und wenn man keine Angst hat, braucht man auch keinen Mut. So sehe ich das. Ich kann eine Situation sehr schnell akzeptieren, um dann sofort nach vorn zu sehen und Lösungen zu suchen. Angst verstopft die Gedanken und die Kreativität. Angst habe ich eigentlich nur in wirklich lebensbedrohlichen Situationen. 

Mut ist für mich die Überwindung von Angst, und wenn man keine Angst hat, braucht man auch keinen Mut.“

Unternehmer Christoph Strenger, Gastro Consulting SKM GmbH

VITA
Christoph Strenger hat 1989 die Firma Gastro Consulting gegründet, 1990 die Bolero-Restaurants mit mexikanischer Küche gestartet und 1991 die erste Hamburger Heavy-Metal-Diskothek „Headbangers’ Ballroom“ gegründet. Inzwischen betreibt der 59-Jährige mit Partnern das erfolgreiche Designhotel East und das Bar-Restaurant Clouds auf St. Pauli, das Coast by East und den Chilli Club in der HafenCity sowie das Störtebeker in der Elbphilharmonie. 
Im Jahr 1994 steigt Roland Koch als Partner in die Geschäftsführung von Gastro Consulting mit ein und die beiden Unternehmer legen mit beharrlichem Einsatz den Grundstein für die erfolgreiche Geschäftsentwicklung in den folgenden Jahrzehnten. Getreu dem Motto „soviel Individualität wie möglich – soviel System wie nötig“ haben Christoph Strenger, Roland Koch und Michael Maier (seit 2003) die zum Portfolio gehörenden Marken Bolero (inzwischen verkauft), Paulaner’s, Herzblut St. Pauli, Chilli Club, das Hamburger east Hotel & Restaurant sowie das Störtebeker entwickelt, weiterentwickelt, reifen und wachsen lassen. 
Unter dem Dach der Gastro Consulting SKM GmbH vereinen sich ausgeprägte Umsetzungskraft und hohe Anpassungsfähigkeit mit der Kontinuität eines inhabergeführten Unternehmens mit 65 Millionen Euro Jahresumsatz. Zurzeit beschäftigt das Unternehmen 760 Mitarbeiter.

Schauen wir mal nach vorne fürs Geschäft. Sie starten demnächst, wann wissen auch Sie noch nicht so genau, im Restaurant Störtebeker in der Elbphilharmonie ein neues kulinarisches Konzept. Warum eine neue Kulinarik und was wird das sein? Das kulinarische Konzept kommt aus meiner zweiten Wahlheimat Kapstadt in Südafrika und stammt vom Gründer von Chefs Warehouse Liam Tomlin. Der ist gebürtiger Ire und hatte unter anderem in Sydney eines der besten Restaurants in Australien. Die Idee ist: Köche zaubern ein Acht-Gänge-Menü mit kleinen raffinierten Gerichten. Das Essen wird in die Mitte des Tisches zum Teilen serviert. Natürlich gibt es eine vegetarische Variante. Sobald die Krise überwunden ist, wollen wir loslegen und das Konzept so schnell wie möglich umsetzen.

Heaven’s Bar im Clouds an der Reeperbahn mit Blick auf den Michel: „Ich träume von nichts. ich bin zufrieden, glücklich und finde mein Leben schön, wie es ist.“ © east Group
Heaven’s Bar im Clouds an der Reeperbahn mit Blick auf den Michel: „Ich träume von nichts. ich bin zufrieden, glücklich und finde mein Leben schön, wie es ist.“ © east Group

Was hat Sie nach Ihrem BWL-Studium auf den Unternehmer-Trip gebracht? Mit meinem BWL-Studium hat das auf jeden Fall nichts zu tun. Das ist ein Studium für alle, die noch nicht genau wissen, was sie machen wollen. Das kann nicht schaden. Unternehmer in der Gastronomie zu sein macht aus meiner Sicht unheimlich viel Spaß, weil es so vielseitig ist: Man hat Mitarbeiterverantwortung, kann kreativ sein, neue Läden gestalten und aufbauen. Ich kann mir keinen besseren Beruf vorstellen, auch wenn man in Deutschland mit Gastronomie nicht wirklich reich werden kann.  

Wie finden Sie Ihre Ideen und wie machen Sie daraus Gastronomie-Konzepte? Ich reise um die Welt, aber auch auf Instagram und anderen Plattformen im Internet bin ich unterwegs und informiere mich. Das Eindrücklichste bleibt natürlich das persönliche Erlebnis. Das kommt wieder, wenn Reisen wieder möglich sein wird. Eine der innovativsten Städte in Sachen Gastronomie ist New York, aber auch europäische Städte wie Kopenhagen, Lissabon oder auch Hamburg sind gastronomisch interessant. Hamburg ist für mich in Deutschland die Nummer eins noch vor Berlin. 

Enoteca im Coast by east: Ich wusste, ich muss früh präsent sein und habe von Anfang an an die HafenCity geglaubt. Aber es war schwer am Anfang, wir haben viel da reingebuttert. © east group
Enoteca im Coast by east: Ich wusste, ich muss früh präsent sein
und habe von Anfang an an die HafenCity geglaubt. Aber es war schwer am Anfang, wir haben viel da reingebuttert. © east group

Welche Eigenschaft von Ihnen hat zu Ihrem fortgesetzten Erfolg geführt? Vielleicht hat es mit meiner Herkunft zu tun. Als gebürtiger Ostwestfale bin ich bodenständig und immer auf dem Teppich geblieben. Es spricht ja für sich, dass Ostwestfalen die Region mit dem höchsten Bruttosozialprodukt in Deutschland ist. Wichtig ist aber auch zu erkennen, dass der Erfolg eines Unternehmens von den Mitarbeitern abhängt. Wir versuchen, respektvoll und wertschätzend mit unseren Mitarbeitern umzugehen, ein bisschen wie eine Familie zu sein. Und als Unternehmer sollte man immer offen sein für Neues. Gut geklaut ist besser als schlecht selbstgemacht.

Was war Ihr größter Fehler? Jeder Fehler ist auch eine Erfahrung, aus der man lernen kann. Deshalb spreche ich nicht gern von Fehlern. Aber aus einem Projekt in Alsterdorf, wo wir das ehemalige Krematorium umgebaut haben, habe ich gelernt, dass ich ein neues Projekt immer selbst verantworten und niemandem ganz überlassen sollte. Und es sollte immer in meiner Nähe sein, in einem Stadtteil, in dem ich mich auskenne und wo ich selbst gern bin. Alsterdorf war einfach zu weit weg, ich konnte mich nicht genug kümmern. 

Das Coast by East in der HafenCity ist fast immer ausgebucht. Die kleine Enoteca unten drunter mit Outdoorfläche und Sonnenuntergangsblick auf die Elbphilharmonie hat noch kein erfolgreiches Konzept gefunden. Können Orte bei aller unternehmerischer Kreativität das Scheitern in sich tragen? Nein, Orte des Scheiterns gibt es nicht. In diesem konkreten Fall ist es so, dass die Enoteca einen größeren Erfolg verdient hätte, weil die Mitarbeiter sich große Mühe geben und das Essen gut ist. Aber sie steht auch ein bisschen im Schatten des Coast by East mit der tollen Terrasse. Und man kann dort nur drei, vier Monate draußen sitzen in einem normalen Hamburger Sommer und innen gibt es keine Fenster. Aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Es ist eigentlich ein phantastischer Ort für die Hafencity-Locals, die da unter sich sein können. 

Warum haben Sie mit dem Chilli-Club als erster Gastronom voll auf die HafenCity gesetzt, die damals aus vier Wohn-Büro-Gebäuden am Sandtorkai bestand? Ich hatte schon früh eine Vision von der HafenCity, auch weil ich während meines Geografiestudiums eine Arbeit über die Speicherstadt geschrieben habe und mich dadurch automatisch auch mit der HafenCity beschäftigt habe. Hafengebiete urban zu machen, war ja damals ein weltweiter Trend. Ich wusste, ich muss früh präsent sein und habe von Anfang an die HafenCity geglaubt. Aber es war schwer am Anfang, wir haben viel da reingebuttert.

Sie leben in Hamburg und den Winter über in Kapstadt. Wo ist für sie Heimat? Ganz klar: Hamburg.

Sie gelten als Superfan von St. Pauli und dem HSV sowie dem Handball Sportverein Hamburg, deren Aufsichtsratsvorsitzender Sie sind. Wie geht das denn zusammen? Ich bin einfach Hamburger Sportfan. Ich gönne immer dem Verein die Punkte, der sie am meisten braucht. 

Sie haben als Unternehmer fast alles erreicht. Wovon träumt der 59-jährige Gastronom und Hotelier? Von nichts. Ich bin zufrieden, glücklich und finde mein Leben schön, wie es ist. Ich möchte weiterhin gern reisen, was von der Welt sehen, mit dem Wohnmobil nach Skandinavien oder durch Kanada fahren. Nein, aber Träume habe ich nicht, außer dass ich gesund bleiben möchte – as long as possible. 

Apropos Zukunft. Planen Sie eigentlich Ihren Ruhestand? Nein, ich plane nicht, irgendetwas zu verändern. Wenn wir die Corona-Krise überstanden haben, bin ich schon glücklich.

Ihre Armbänder verraten: Sie sind Heavy-Metal-Fan? Ja, ich habe ja 1991 die erste Heavy-Metal-Diskothek Hamburgs am Fischmarkt eröffnet und ich bin Rock- und Metal-Fan. In allererster Linie aber bin ich Wacken-Fan und Wacken-Veranstalter Holger Hübner ist ein guter Freud von mir. Ich bin jedes Jahr dabei, meistens eine ganze Woche. Da geht es nicht nur um die Musik. Metal-Fans sind alle irgendwie gutherzig. Wacken ist ein Friedensfestival mit harter Musik und Bier. 

Sie sind in Hamburg prominent und zugleich fast nie in der Öffentlichkeit zu sehen. Sind Sie scheu? Ich glaube nicht, dass ich prominent bin. Ich bin auch nicht scheu, habe aber einfach kein großes Interesse an roten Teppichen. Ich ziehe auch so ungern einen Anzug an.

Was ist die wichtigste gastronomische Idee 2020? Ich bin davon überzeugt, dass eine gesunde und bewusste Ernährung mit regionalen Lebensmitteln und wenig Fisch und Fleisch vielen Menschen immer wichtiger wird. Das wird die Zukunft aein und das geht auch nicht wirklich anders, weil der Planet sonst kollabiert.
Das Gespräch führte Wolfgang Timpe

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