»Wir lassen nicht locker«

Hamburgs Verkehrssenator Dr. Anjes Tjarks über den neuen Mobilitätsmix in Hamburg

© Illustration: Tobias Hahn; HafenCity Zeitung
© Illustration: Tobias Hahn; HafenCity Zeitung

Was für ein Jahr 2020. Ein Jahr, das vielen von Ihnen und auch mir in Erinnerung bleiben wird – beruflich wie privat. Mit der Corona-Pandemie sind wir alle mit einer großen Herausforderung konfrontiert, die wir nur gemeinsam als Gesellschaft lösen können, indem wir weiterhin diszipliniert bleiben, uns solidarisch verhalten. Aber auch einmal innehalten und uns an das erinnern, was wirklich wichtig ist im Leben: die Gesundheit, die Familie und das Miteinander.
Foto oben: Anjes Tjarks, Senator für Verkehr und Mobilitätswende: „Auf die HafenCity blicken wir als modernen, zukunftsträchtigen Stadtteil mit viel Potenzial. Mit der U4 wagen wir den großen Sprung über die Elbe. Dazu haben wir die Pläne kürzlich vorgestellt, inklusive einer neuen modernen U-Bahnstation am Moldauhafen.“ @ picture alliance / dpa | Christian Charisius

Aber natürlich machen andere große gesellschaftliche Herausforderungen auch während der Corona-Pandemie keine Pause: die Klimakrise ebenso wenig wie die Herausforderung, Hamburg mobil und lebenswert für alle Hamburgerinnen und Hamburger zu halten. Beides ist untrennbar verbunden, deshalb haben wir im Sommer die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende in Hamburg gegründet – die erste Behörde deutschlandweit, die ihren Auftrag im Namen trägt. Darauf bin ich besonders stolz. Denn wir wollen Mobilität nicht nur anders denken, sondern anders machen!

Autonom fahren mit Heat: „Wir wollen der Welt im auf dem ITS-Weltkongress als guter Gastgeber zeigen, dass Hamburg Vorreiter in Sachen digitaler moderner Mobilität ist. © Wolfgang Timpe
Autonom fahren mit Heat: „Wir wollen der Welt im auf dem ITS-Weltkongress als guter Gastgeber zeigen, dass Hamburg Vorreiter in Sachen digitaler moderner Mobilität ist. © Wolfgang Timpe

Noch stolzer macht es mich, wie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gemeinsam mit uns die Mobilitätswende in Hamburg mit Begeisterung ins Laufen gebracht haben. Zu meiner positiven Überraschung haben viele von ihnen die Ideen und Ansätze einer erfolgreichen Mobilitätswende bereits in sich gehabt, mitgedacht und gelebt.
Entsprechend haben wir gemeinsam mit unseren Partnern, den Verkehrsunternehmen, aber auch dem Landesbetrieb Verkehr und dem Landesbetrieb Straßen, Brücken und Gewässer bereits eine Menge im Sinne der Mobilitätswende bewegt. 

Wir wollen alle Chancen ­nutzen, die Stadt noch mobiler zu machen und gleichzeitig die klimaschädlichen Emissionen im Verkehrs­sektor zu reduzieren.« Dr. Anjes Tjarks, Präses der Behörde für Verkehr und Mobilitätswende

Das übergeordnete Ziel: Wir wollen die Stadt mobil halten und alle Chancen nutzen, um sie in vielen Bereichen noch mobiler zu machen und gleichzeitig die klimaschädlichen Emissionen im Verkehrssektor durch eine umfassende Mobilitätswende zu reduzieren. Wir arbeiten daran, die allgemeine Verkehrssituation zu verbessern und die gesellschaftliche Teilhabe durch individuelle Mobilität mit der Verbesserung der Lebensqualität in Hamburg in Einklang zu bringen. Dazu gehört es, viele Ansätze und Interessen zu bündeln, viele Anregungen und Ideen mit aufzunehmen und den Menschen Gehör zu schenken – um sie letztlich davon zu überzeugen, dass die Mobilitätswende eine Verbesserung für uns alle bringt. Das habe ich mit Begeisterung getan und werde es weiterhin tun. Und meine langjährige Erfahrung als Fraktionsvorsitzender sowie meine vielfältigen Kontakte in der Stadt waren dabei eine wertvolle Ressource.


In einer wachsenden Stadt wie Hamburg steigen die Verkehrsleistung und die Personenkilometer ständig – aber die Verkehrsflächen wachsen natürlich nicht mit. Deshalb muss der Mobilitätsmix neu gedacht und der zur Verfügung stehende Verkehrsraum neu aufgeteilt werden: Bus, Bahn, Sharing-Angebote und das Fahrrad sollen die Hamburgerinnen und Hamburger immer komfortabler, einfacher und sicherer durch unsere Stadt bringen. Deshalb soll der Umweltverbund nachhaltig gestärkt werden, das heißt,  der Öffentliche Nahverkehr sowie der Rad- und Fußverkehr werden konsequent ausgebaut. Damit haben wir begonnen. Einiges ist bereits geschafft – und auf die HafenCity blicken wir als modernen, zukunftsträchtigen Stadtteil mit viel Potenzial: Mit der U4 wagen wir den großen Sprung über die Elbe. Dazu haben wir die Pläne kürzlich vorgestellt, inklusive einer neuen modernen U-Bahn-Station am Moldauhafen. 

„Bus, Bahn, Sharing-Angebote und das Fahrrad sollen die Hamburgerinnen und Hamburger immer komfortabler, einfacher und sicherer durch unsere Stadt bringen.“	@ BVM
„Bus, Bahn, Sharing-Angebote und das Fahrrad sollen die Hamburgerinnen und Hamburger immer komfortabler, einfacher und sicherer durch unsere Stadt bringen.“ @ BVM

Auf dem Grasbrook soll in den kommenden Jahren ein neuer autoarmer Stadtteil entstehen mit rund 3.000 Wohnungen und 16.000 Arbeitsplätzen, für den mit der Verlängerung der U4 bereits der Grundstein für ein nachhaltiges Mobilitätsangebot gelegt wird. Neben der U-Bahn werden auch von Beginn an Rad- und Fußverkehr mitgedacht und mitgeplant. Das zahlt in dreifacher Hinsicht auf den Klimaverbund ein und ist ein entscheidender Beitrag für die Mobilitätswende.

Ebenfalls ein wichtiges Puzzlestück für die Mobilitätswende wird die neue Brücke in Entenwerder sein. Die Pläne dafür haben wir im Oktober vorgestellt. Sie wird Menschen im wahrsten Sinne des Wortes verbinden und bietet gleichzeitig eine sinnvolle Anbindung an das bestehende und im Ausbau befindliche Radstreckennetz. Aber auch die unmittelbare Nähe zu der neuen U- und S-Bahnstation Elbbrücken stärkt den intermodalen Ansatz, den wir verfolgen. Wir wollen, dass der Umweltverbund zukünftig 80 Prozent der Wege abdeckt – 25 Prozent sollen auf den Radverkehr fallen. Genau dazu wird auch diese Brücke zwischen Rothenburgsort und der HafenCity beitragen.

Im Sinne der Veränderung des Modal Split zugunsten des ÖPNV und des Fahrrads sind weitere Projekte im kommenden Jahr geplant auf die ich mich freue – eines davon betrifft auch die HafenCity: Nachdem wir in diesem Jahr bereits an der Max-Brauer-Allee und Hoheluft zwei Pop-Up-Bikelanes erfolgreich eingerichtet haben, wird im Frühjahr eine weitere am Sandtorkai folgen. Das haben wir bereits im Koalitionsvertrag angekündigt und setzen es folgerichtig um.

Mit Freude und Hoffnung, dass er in der geplanten Form stattfinden kann, blicke ich auch auf den ITS-Weltkongress im kommenden Jahr. Wir wollen der Welt im Oktober 2021 als guter Gastgeber zeigen, dass Hamburg Vorreiter in Sachen digitaler moderner Mobilität ist. Nicht von ungefähr wurde die Hansestadt vom Branchenverband Bitcom kürzlich im Bereich der Mobilität zur smartesten Stadt Deutschlands gewählt. Das Potenzial ist riesig. 

Viele spannende ITS-Projekte befinden sich in den Startlöchern oder wurden schon erfolgreich erprobt. Mit vielen Partnern aus der Wissenschaft und Wirtschaft. Hierbei wird sich der Blick auch auf die HafenCity richten, etwa wenn der autonom fahrende Mini-Bus „Heat“ seine Fahrgäste bewegt. Es steht vieles an und wir lassen bei der Umsetzung der Mobilitätswende nicht locker – denn sie ist letztendlich kein Sprint, sondern ein Marathon, ein Projekt für die Zukunft. Und jeder, der mich kennt, weiß, dass ich ausdauernd bin. Anjes Tjarks

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