„Wir sind ein Speedboot“

Seit über 95 Jahren ist die Kommunikations- und Beratungsagentur Fromm erfolgreich. HCZ-Redakteur Wolfgang Timpe sprach mit den beiden Geschäftsführenden Gesellschaftern Yvonne Funcke und Ralf Brenner über Konfliktmanagement und Virtual Reality im Businesscoaching

Frau Funcke, Herr Brenner, Ihr Kommunikations- und Beratungsunternehmen Fromm besteht in 5. Generation seit über 95 Jahren. Ihr Firmenclaim lautet: Haltung, Wachstum, Wirkung. Was genau machen Sie?
Ralf Brenner: Das fragen wir uns auch (lachen beide). Im Ernst, wir sind in der 5. Generation tätig und sind kein Familienunternehmen, was man unterstellt, wenn man schon so lange am Markt ist. Wir haben jetzt über Jahrzehnte durch immer wiederkehrende Inhaberschaft immer jeweils neue, gravierende Impulse fürs Unternehmen bekommen. Der Gründer Charles Fromm hat als erste private Rhetorikschule in Deutschland begonnen. 
Yvonne Funcke: Der nächste Generationswechsel war nach dem 2. Weltkrieg mit Irma Hasenbank, die zusätzlich die Bereiche Etikette und Haltung in das Portfolio eingebracht hat. Sie glaubte, dass mit Etikette und Haltung ein Zusammenleben und Zusammenarbeiten gut geht und jeden im Geschäftsleben erfolgreicher macht.
Foto oben: Yvonne Funcke und Ralf Brenner, Geschäftsführende Gesellschafter der Kommunikations- und Beratungsagentur Fromm: „Eine Hafenstadt und ihre Unternehmen sind nur erfolgreich, wenn sie es schaffen, international zu kommunizieren und auf andere Menschen aus anderen Kulturkreisen einzugehen.“ ©Fromm / Verena Reinke

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Ralf Brenner: „Wir beide führen jetzt das Unternehmen in der 5. Generation in die Internationalisierung und Digitalisierung.“ ©Fromm / Verena Reinke

Yvonne Funcke (seit 2014) und Ralf Brenner (seit 2016)  sind Geschäftsführende Gesellschafter der Fromm Managementseminare & -beratung KG. Mehr unter: www.fromm-seminare.de

Also ein Businessknigge?
Ralf Brenner: Ja, absolut. Mit Inhaber Ortwin Klose, zu dem wir immer noch einen regen Kontakt haben, kam in den 70er Jahren in der 3. Generation der Aspekt der Persönlichkeitsentwicklung in die Fromm-Angebote, wo es über die Haltung hinaus wesentlich auch um die persönliche Wirkung ging. Und mit Sabine Fischer kam dann die Komponente der Beratung neu zum Leistungsan-gebot dazu. Und wir beide führen jetzt das Unternehmen in der 5. Generation in die Internationalisierung und Digitalisierung.

Was heißt Internationali­sie­rung und Digitalisierung für Sie?
Yvonne Funcke: Frau Fischer hat neu eingebracht, dass wir auf der Organisationsebene Führungskräfte und Teams beraten, wie die Organisation in Veränderungsprozessen zielorientiert erfolgreich sein kann. Mit Internationalisierung und Digitalisierung meinen wir, dass es etwas anderes im Umgang miteinander braucht. Unsere Kernkompetenz liegt darin, Menschen dabei zu beraten, wie sie sich ausdrücken, um sie fitter und erfolgreicher zu machen. Im internationalen Kontext brauche ich eine andere Kommunikation, weil Sprache alleine nicht wirkt. Da sind andere Ebenen des Miteinanders, vor allem eine einfache und verständliche Kommunikation gefragt. 
Ralf Brenner: Heute wird immer wichtiger, ein großes Verständnis für die Perspektive des anderen zu haben. Dazu sind dann international, auch im kulturellen Bereich, wieder Regeln und Höflichkeit wichtig, um gut miteinander umzugehen und nicht in Fettnäpfchen zu treten. Jeder gute Händler und Kaufmann, der international unterwegs ist, weiß das, aber nicht alle Führungskräfte und Mitarbeiter sind fit für diese Herausforderung. 

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Yvonne Funcke: „Wir haben uns vom Einzel-Coaching zu einem Beratungsunternehmen entwickelt, weil es heute wichtig ist zu wissen, welche Rhetorik braucht man denn in einem bestimmten Umfeld oder in einem Unternehmen.“ ©Fromm / Verena Reinke

Kommen Ihre Kunden vorwiegend aus Hamburg?
Yvonne Funcke: Genau das ist uns wichtig, unsere Verbindung zu Hamburg und zum Hafen wie auch dem Bundesgebiet. Eine Hafenstadt und ihre Unternehmen sind nur erfolgreich, wenn sie es schaffen, international zu kommunizieren und auf andere Menschen aus anderen Kulturkreisen einzugehen. 

Der Begriff Coaching scheint zu schmal für Sie?
Ralf Brenner: Definitiv. Zumal er zurzeit vom Fitness- bis zum Lebenscoach überstrapaziert ist. Wir sind nur für den Bereich Businesscoaching zuständig.  Das heißt, wir haben einen Dreiecksvertrag zwischen dem Unternehmen, der Person, die zu uns zum Coaching kommt, und uns. Der Auftrag des Kundens ist eine klar abgegrenzte Zielstellung. 

Arbeiten Sie für den Auftraggeber oder den Mitarbeiter? 
Ralf Brenner: Die Unternehmen und die jeweilige Personalentwicklung sind unsere Ansprechpartner. Wir bewerben keine Trainings für Privatpersonen. Unsere Fokuszielgruppe sind Hamburger und deutschlandweite Unternehmen. 
Yvonne Funcke: Wir haben uns vom Einzel-Coaching zu einem Beratungsunternehmen entwickelt, weil es heute wichtig ist zu wissen, welche Rhetorik braucht man denn in einem bestimmten Umfeld oder in einem Unternehmen. Wenn Sie bei der Bundeswehr unterwegs sind, braucht es anderes als bei der Kirche oder bei einem Online-Handelsunternehmen. Beim Start-up sind andere Dinge gefordert als etwa bei der Förderbank KfW oder einer alteingesessenen Privatbank. Diese vielfältigen Spannungsfelder haben wir immer wieder. Wir wenden nicht bestimmte Methoden als Erfolgsversprechen einfach an, sondern wir gucken auf das Spannungsdreieck Unternehmenskultur, Mitarbeiter und Zielauftrag. 
Ralf Brenner: Wir versuchen nicht nur den zu coachenden Mitarbeitern Hilfe zur Selbsthilfe zu vermitteln, sondern auch den Unternehmen, damit die auch ohne uns erfolgreich agieren können. Das ist ein roter Faden unserer Arbeit.

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Ralf Brenner: „Wir versuchen nicht nur den zu coachenden Mitarbeitern
Hilfe zur Selbsthilfe zu vermitteln, sondern auch den Unternehmen, damit die auch ohne uns erfolgreich agieren können.“ ©Fromm / Verena Reinke

Also verlieren Sie bei Erfolg Ihre Kunden?
Yvonne Funcke: Ja und nein. Zum Glück dreht sich die Welt permanent immer schneller und die Unternehmen haben ständig neue Herausforderungen. Wir machen uns entbehrlich und setzen auf neue Themen.

Was können Sie, was Alexa und Selbstoptimierung im Internet nicht können?
Ralf Brenner: Digitalisierung wird wie eine Sau durchs Dorf getragen. Sie findet statt, wird zum Teil auch verschlafen, und spielt bei uns praktisch eine immer stärkere Rolle. Wir arbeiten zum Beispiel bei Seminaren und Trainings inzwischen immer öfter mit Virtual Reality-, mit VR-Programmen. Das VR-Medium eignet sich hervorragend, um ganz bestimmte Situationen von Menschen wie etwa in Meetings virtuell zu simulieren, in denen sie sich real mit ihrer VR-Brille bewegen können. Die Virtual Reality löst immer stärker klassische Rollenspiele ab. 

Sie produzieren digital Konfliktsituationen, um sie aufzuarbeiten?
Ralf Brenner: Ja. Das heißt nicht, dass wir nur damit arbeiten. Es ist ein zusätzliches Tool zum Beispiel in einem Zweitageseminar, wo man z. B. je zwei Stunden pro Tag mit VR arbeiten könnte.

Was unterscheidet Fromm von Roland Berger & Co.?
Yvonne Funcke: Wir sind ein Speedboot (lachen beide) und Prozesshelfer, damit unsere Kunden entdecken, wo die Lösungen liegen.
Ralf Brenner: Die kommen ins Unternehmen, analysieren, schneiden weg oder ergänzen. Wir wollen hingegen die Menschen befähigen, dass sie die Veränderungen, die sie brauchen, auch selbst managen können.

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