»Wir sind noch nicht fertig!«

Jubiläum. Im Jahr 2026 startet das NetzwerkHafenCity e. V. zu 25 Jahre erster ­Spatenstich in der HafenCity viele Aktionen zum Mitmachen für alle und besondere Events

25 Jahre HafenCity. Ein Stadtteil wächst – und mit ihm seine Gemeinschaft. Mit einem symbolischen Spatenstich begann 1999 ein Projekt, das Hamburg bis heute prägt. Auf ehemaligen Hafen- und Lagerflächen sollte ein neuer Stadtteil entstehen. Zwei Monate nach dem ersten Spatenstich folgte der Baubeginn für das damalige SAP-Gebäude, das erste „echte Haus“ der HafenCity. Heute befindet sich darin die Kühne Logistics University (KLU). Was als wirtschaftliches Modernisierungsprojekt gedacht war, entwickelte sich zu weit mehr. Die HafenCity ist ein Quartier, das Wohnen, Arbeiten, Kultur, Bildung und Freizeit miteinander verbindet und in dem über 8.000 Menschen wohnen und täglich rund 15.000 Menschen ihrer Arbeit nachgehen.
Foto oben: 25 Jahre erster Spatenstich HafenCity. Festrednerin Marianne Wellershoff, 1. Vorsitzende des Nachbarschaftsvereins Netzwerk HafenCity e. V.: „Das Netzwerk ist der Ort, an dem Wünsche aus dem Quartier zusammenkommen und gemeinsam umgesetzt werden.“ © Catrin-Anja Eichinger

„Ein Stadtteil besteht nicht nur aus Gebäuden“, erklärt Marianne Wellershoff, 1. Vorsitzende des Nachbarschaftsvereins Netzwerk HafenCity e. V. „Er wird mindestens so sehr von den Menschen geprägt, die hier leben.“ Dieser Gedanke zieht sich wie ein roter Faden durch die Entwicklung der HafenCity. Denn hier begann alles bei null. Niemand hatte im früheren Freihafen gelebt. Die ersten Bewohner:innen waren Pioniere.

Aus diesem Pioniergeist heraus entstand 2009 das Netzwerk ­HafenCity e. V. Unterstützt von der HafenCity Hamburg GmbH sollte es eine Stimme für die neue Nachbarschaft sein. Bis heute versteht sich das Netzwerk als Plattform für Ideen, Kritik und Engagement und ehrenamtliche Arbeit. „Das Netzwerk ist der Ort, an dem Wünsche aus dem Quartier zusammenkommen und gemeinsam umgesetzt werden“, sagt Marianne Wellershoff.

Das Jubiläumsprogramm des Netzwerks. © NWHC

Die Bilanz kann sich sehen lassen. Das Netzwerk organisiert das größte Nachbarschaftsfest im Lohsepark mit rund 1.000 Besucher:innen. Es schafft Räume für Begegnung, etwa durch Urban Gardening im Oberhafen. „Wir stellen die Hochbeete zur Verfügung. Daraus entsteht ein echtes Miteinander“, erklärt die Netzwerk-Vorsitzende.

Auch ökologische Projekte gehören zum Profil. Gemeinsam mit Partnern wurde eine ehemalige Schuttfläche am Großmarkt in ein Biotop verwandelt. „Wir wollen eine grünere HafenCity – und wir arbeiten aktiv daran“, betont Wellershoff . Gleichzeitig bringt das Netzwerk Menschen zusammen, beim inklusiven Weihnachtsmarkt, bei Sportangeboten, beim Kinderkino oder bei Kulturprojekten im öffentlichen Raum.

Ein zentraler Punkt ist der Dialog. Regelmäßig organisiert das Netzwerk Veranstaltungen zu Themen wie Verkehr, Stadtentwicklung oder Klima. „Wir bringen Bürger und Politik ins Gespräch“, so Wellershoff. Dabei gehe es nicht nur ums Reden, sondern um konkrete Veränderungen.

Ein Beispiel ist die Verkehrsführung in der HafenCity. Die Initiative, den Durchgangsverkehr in der Versmannstraße zu reduzieren, kam aus dem Netzwerk. „Mit viel Einsatz, Fachwissen und politischem Geschick konnten wir Tempo 30 auf Bezirksstraßen durchsetzen.“ Auch Fragen der Stadtgeschichte spielen eine Rolle. So setzt sich eine Arbeitsgruppe dafür ein, die koloniale Vergangenheit des Baakenhafens sichtbar zu machen.

Auftaktfeier im Gelben Gemeinschaftshaus im Grasbrookpark: Bewohner:innen, Netzwerkmitglieder, Vereine und Politik feierten das Spatenstich-Jubiläum. © Catrin-Anja Eichinger

Doch Engagement ist nicht immer einfach. „Hamburg zeigt sich oft als ,City of No‘“, beklagt Wellershoff. Sie meint, dass die Verwaltung die Projekte eher bremst als ermöglicht. Sie zieht einen Vergleich mit New York, dort spreche man von einer „City of Yes“. Trotzdem bleibt Hoffnung: „Engagement lohnt sich“, lautet ihr Fazit. Heute ist das Netzwerk HafenCity der größte Nachbarschaftsverein im Quartier. Viele Projekte wären ohne Ehrenamt nicht entstanden. Kein Sommerfest, weniger Grünflächen, weniger Initiativen für sichere Straßen – all das hätte gefehlt.

Zum 25-jährigen SpatenstichJubiläum richtet sich der Blick nach vorn. Unter dem Titel „25 Jahre HafenCity – ­weiter geht’s“ startet eine Veranstal­tungs- und Eventreihe. Themen sind Gemeinschaft, Verkehr, Natur, Klima, Gesundheit, Geschichte und Inklusion. „Das sind halt die Themen der Zukunft“, meint Wellershoff. Geplant sind unter anderem ein Baumspaziergang, eine Insektenführung und weitere Mitmachaktionen im Quartier. Das Ziel ist, nicht nur zu diskutieren, sondern zu handeln. „Wir wollen zeigen, wie wir die HafenCity zukunftsfähig gestalten können.“

Am Ende bleibt Marianne Wellershoff eine einfache Erkenntnis. Der Stadtteil lebt vom Einsatz: „Ein Verein kann nur so gut sein wie die Menschen, die sich engagieren“, sagt sie. Und genau darin liege die Stärke der HafenCity. Oder, wie es auf dem Jubiläum formuliert wurde: „Wir sind noch nicht fertig.“ Jimmy Blum

Info Das „Weiter geht’s“-Programm des Netzwerks HafenCity e. V. zu 25 Jahre HafenCity-Spatenstich unter: netzwerk-hafencity.de

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