Elbphilharmonie. Am 16. August findet im Großen Saal mit Igor Levit das Solidaritätskonzert »Gegen das Schweigen. Gegen Antisemitismus« statt. Alle Ticketerlöse werden gespendet
Es ist eine traurige Tatsache: Der Antisemitismus in Deutschland erstarkt wieder, Hass und Hetze sind auf dem Vormarsch. Eine Studie im Auftrag der Hamburger Wissenschaftsbehörde hat ergeben, dass 77 Prozent der befragten Jüdinnen und Juden 2023 antisemitische Vorfälle erlebt haben. „Wir wissen, wozu Menschen fähig sind. Deshalb muss uns das Ausmaß an antisemitischen Hetzkampagnen sehr beunruhigen“, mahnt Christoph Lieben-Seutter, Generalintendant der Elbphilharmonie.
Foto oben: Pianist und Konzertinitiator Igor Levit: „Weniges tut so gut wie das Wissen, nicht allein zu sein mit seinen Gefühlen, mit seinem Schmerz, seinen Ängsten, seinen Gedanken.“ © Felix Broede
Nicht anders sieht das Igor Levit, und so findet auf seine Initiative hin am 16. September im Großen Saal der Elbphilharmonie ein Solidaritätskonzert unter dem Titel „Gegen das Schweigen. Gegen Antisemitismus“ statt, das einen Appell an die Menschlichkeit richtet. Dabei stehen dem Pianisten einige Kolleg:innen zur Seite. Zum Beispiel der Tocotronic-Sänger Dirk von Lowtzow oder der Entertainer Olli Schulz. Und den in den Vereinigten Staaten als Sohn iranischer Eltern geborenen Musiker Malakoff Kowalski, der in Hamburg aufgewachsen ist, ins Boot zu holen, war für Igor Levit wahrscheinlich ein Muss. Immerhin komponierte der eigens für den Pianisten das Stück „August Rosenbrunnen“, das 2020 in Salzburg uraufgeführt wurde.

Mit dem Koch Tim Mälzer, dessen Restaurant Bullerei in den Schanzenhöfen kürzlich sein 15-jähriges Bestehen gefeiert hat, werden an diesem Abend auch die Aktivistin Düzen Tekkal und die Schriftstellerin Ronya Othmann auf der Bühne stehen, außerdem der Publizist Michel Friedman und die in Haifa als Tochter irakisch-jüdischer Einwander:innen geborene Jazzsängerin Efrat Alony. Was alle Beteiligten eint: Sie verzichten auf Gagen, und der Erlös aus den Ticketverkäufen geht an die OFEK e. V. Beratungsstelle, bei der antisemitische Gewalt und Diskriminierung gemeldet werden kann, sowie an die Stiftung Bornplatzsynagoge, deren Neubau im Grindelviertel ein starkes Signal für die Zukunft des jüdischen Lebens in Deutschland sendet. Zugleich soll das neue Bauwerk ein Mahnmal sein, das an die in der Pogromnacht geplünderte und zerstörte Originalsynagoge erinnert.
„Weniges hilft so sehr wie Mitgefühl“, sagt Igor Levit. „Weniges tut so gut wie das Wissen, nicht allein zu sein mit seinen Gefühlen, mit seinem Schmerz, seinen Ängsten, seinen Gedanken.“ Diese Überzeugung hatte der Pianist schon immer. Nachdem die Terrororganisation Hamas am 7. Oktober 2023 den Süden Israels überfallen, rund 1.200 Menschen getötet und weitere 250 als Geiseln in den Gazastreifen verschleppt hatte, ist seine Auffassung noch gestärkt geworden: „Das Drama und die Auswirkungen dieses Tages“, so Levit, „sind das größte Verbrechen seit der Shoah, sie sind bis heute omnipräsent. Der Schmerz dieses Tages hat kein Ende genommen – weder für mich noch für unzählige Menschen auf der ganzen Welt.“ Deshalb soll das Konzert ein kurzer Moment des Miteinanders werden. Mit Raum zum Trauern, zum Hoffen, zum Nachdenken, zum Mitfühlen. Dagmar Leischow
Info Das Solidaritätskonzert „Gegen das Schweigen. Gegen Antisemitismus“ findet am Montag, 16. September, 20 Uhr, im Großen Saal der Elbphilharmonie statt. Karten und weitere Informationen unter: www.elbphilharmonie.de