E-Lifestyle. Der neue elektrische Mercedes GLC kombiniert das neue E-Look&Feel mit bewährten Images
Die Sonne des Südens taucht in der portugiesischen Küstenstadt Faro den knallroten Mercedes GLC in das sanfte Licht des Sonnenuntergangs. Romantische Täuschung, denn der ewige Zweikampf zwischen BMW und Mercedes geht in die nächste Runde – und wird diesmal auf ungewohntem Terrain ausgetragen.
Foto oben: Eindrucksvoll ist die Gelassenheit, die der Mercedes GLC auf jedem Meter ausstrahlt: dieses gediegene Gefühl, das von der Stille des Antriebs noch einmal potenziert wird. Dazu kommen ein rekordverdächtig geringer Luftwiederstand gegen das Rauschen und eine Luftfederung, die alle Unebenheiten wegschmatzt. © Mercedes-Benz
Denn kaum haben die Bayern den iX3 als erstes Modell ihrer neuen Klasse in den Handel gerollt, kontern die Schwaben mit dem elektrischen GLC, der jetzt für rund 67.700 Euro an den Start geht und später mal ab etwa 60.000 Euro zu haben sein soll. Beide stehen sie auf neuen Plattformen und repräsentieren den technisch jeweils neuesten Stand – und könnten trotzdem kaum unterschiedlicher sein. Denn während BMW die Revolution bis ins kleinste Detail trägt und dabei bisweilen auch übers Ziel hinausschießt, wirft Mercedes den Blick nach vorn auch in den Rückspiegel und setzt gegen die neue BMW-Klasse auf die alte Schule. Weithin sichtbar ist das am Comeback des Grills, den der GLC stolz wie einen Orden trägt und ihn auf Wunsch auch noch mit fast 1.000 LED gebührend in Szene setzt.
Musste beim EQC noch eine Verbrennerplattform als Basis herhalten, nutzt der neue GLC – „powered by EQ Technology“ – als Erster eine nagelneue Elektro-Architektur, die noch mal eine Liga über der MMA-Familie von Mercedes CLA & Co. spielt. Denn in der Klasse des GLC braucht es mehr Leistung für Antrieb und Akku, sagt Chief Engineer Drummond Jacoy. Erst recht, weil er den Kunden die Wahl je nach Sichtweise schwer oder leicht machen will: „Es darf keine Abstriche mehr geben. Unser Maßstab war der aktuelle GLC, den wir in allen Disziplinen erreichen oder sogar übertreffen wollten.“ Erst recht, weil Verbrenner und Plug-in-Hybride weiter im Programm bleiben und deshalb neben dem iX3, dem Porsche Macan, dem Audi Q6 und dem Volvo EX60 zum wichtigsten Wettbewerber des Hoffnungsträgers werden.

Keine Abstriche: Deshalb gibt es schon ohne AMG einen oder zwei Motoren mit zusammen bis zu 489 PS und dank des auf um acht Zentimeter auf 2,97 Meter gestreckten Radstandes Platz für Akkus mit bestenfalls 94,5 kWh. Die Reichweite des iX3 von über 800 Kilometern, der dafür einen 109-kWh-Akku bekommt, schafft der GLC zwar nicht. Aber 715 Kilometer sind auch nicht schlecht, wenn früher schon bei weniger als 500 Kilometern Schluss war. Und auch beim Laden legen die Schwaben nach. Jetzt endlich mit 800 Volt verdrahtet, kommt der GLC-Nachfolger auf eine Ladeleistung von 330 kW. Auch da ist der iX3 mit 400 kW vorne, doch sind das immerhin etwa dreimal so viel wie beim (un)seligen EQC und sollte zudem in zehn Minuten für gute 300 Kilometer reichen.
Los geht es mit dem GLC 400, der auf 490 PS kommt und auch auf der Straße Tempo macht. Denn auf Knopfdruck spannt er die Muskeln an, wird verbindlich und engagiert. Dann hilft die Hinterachslenkung nicht nur beim Rangieren in der Stadt, sondern auch bei der wilden Jagd um enge Kurven. Und das Zweiganggetriebe ermöglicht einerseits einen AMG-tauglichen Sprintwert von 4,3 Sekunden, erlaubt aber andererseits auch ein Spitzentempo von 210 km/h.
Aber – und da wäre sie dann wieder, die alte Schule – viel eindrucksvoller ist die Gelassenheit, die der Mercedes auf jedem Meter ausstrahlt: dieses gediegene Gefühl, das von der Stille des Antriebs noch einmal potenziert wird. Dazu Isolierverglasung ringsum und ein rekordverdächtig geringer Luftwiederstand gegen das Rauschen und eine Luftfederung, die alle Unebenheiten wegschmatzt. So fährt man wie in Watte gepackt und auf Wolken gebettet. Zum Beamen fehlt da nicht mehr viel, und das eigentlich höher positionierte SUV des EQE fühlt sich dagegen fast hölzern an und fremd.

„Keine Abstriche“ – das gilt bei einer Gesamtlänge von nun 4,85 Meter auch für das Platzangebot und die praktischen Fähigkeiten. Hinten sitzt man deshalb ebenfalls bequem und hat unter einem großen Panoramadach ein lichtes Raumgefühl. Der Kofferraum ist mit 570 bis 1.740 Litern vergleichsweise riesig und hat ein tiefes Souterrain, und in den Bug passen noch einmal 128 Liter – und ein halbes Dutzend BMW-Ingenieure, die mit ihren 58 Litern Frunk plötzlich ganz klein werden.
Dazu gibt es als Tribut an die Neuzeit den bis dato größten Bildschirm in einem Mercedes, der sich wieder quer durchs gesamte Cockpit spannt und natürlich noch mehr Apps und mehr KI für die Bedienung. Aber es gibt eben auch eine Bedienung nach der alten Schule und deshalb wieder Tasten auf der Mittelkonsole und die seligen Walzen am Lenkrad.
Das Duell zwischen iX3 und GLC ist zwar an Strahlkraft kaum zu überbieten, weil es hier wie dort um die Elektrifizierung des jeweils meistverkauften Modells geht. Doch lassen es die beiden Kontrahenten dabei nicht bewenden. Sondern die nächste Paarung läuft sich schon fürs nächste Duell warm. Gerade hat BMW-Chef Oliver Zipse in München das Tuch vom elektrischen Dreier i3 gezogen, und Mercedes-CEO Ola Källenius packt in Stuttgart bereits die Koffer für die Weltpremiere der elektrischen C-Klasse. Thomas Geiger
Info Weitere Informationen zum GLC unter: mercedes-benz.de



