»Neuer Treffpunkt in der Innenstadt«

Stadtplanung. Nach einem langen Werkstattverfahren steht der »Rahmenplan Domachse«, die eine grüne Flaniermeile vom Jungfernstieg bis in die HafenCity werden soll – und die Kreuzung Willy-Brandt-Straße?

Bestehende, am Autoverkehr orientierte Stadtteilverbindungen mit historischer Innenstadtarchitektur und verdichteten Plätzen in zeitgemäße urbane Stadtlandschaften zu entwickeln, braucht Zeit. Dass der Senat und die Behörden, die spätestens seit 2015 wussten, dass die HafenCity weiter wächst und das Westfield-Überseequartier kommt (seit April 2025 eröffnet), erst jetzt Pläne dafür vorlegt, ist kein Kavaliersdelikt, sondern Missmanagement. Was soll’s, nach vorne schauen ist immer wichtig. Zwischen Binnenalster und Elbe soll in den kommenden Jahren (!) eine Flaniermeile für die sogenannten Neue Mitte Hamburgs entstehen (siehe HafenCity Zeitung Mai 2026). Mit dem jetzt vorgestellten ­„Rahmenplan Domachse“ legen die Behörde für Stadtentwicklung und Wohnen (BSW) sowie die Behörde für Verkehr und Mobilitätswende (BVM) die Grundlage für eines der größten Innenstadtprojekte. Ziel ist eine durchgehende Promenade, die die historische Innenstadt und die HafenCity fußläufig und für Radfahrer:innen sowie den öffebtlichen Nahverkehr (ÖPNV) attraktiver verbindet und zugleich neue grünere Aufenthaltsqualitäten mit Außengastronomien schaffen soll.
Foto oben: Hammaburg-Platz mit Blick auf die Hauptkirche St. Petri. Durch 40 Prozent mehr Platz entstehen neue Spiel- und Bewegungsflächen.© Visualisierung: West 8

Herzstück der Domachsen-Planung ist der Hammaburg-Platz. Durch den Wegfall einer Fahrspur am Speersort wächst die Fläche um bis zu 40 Prozent und rückt näher an die St.-Petri-Kirche heran. Dort soll eine Parkanlage mit Bäumen sowie Spiel- und Bewegungsangeboten entstehen. Auch der Alte Fischmarkt und der Vorplatz von St. Petri werden aufgewertet. Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein: „Die Domachse zählt zu den wichtigsten Verbindungen zwischen der historischen Innenstadt und der HafenCity, und ihre Nutzungsfrequenz hat sich seit der Eröffnung des Westfield-Überseequartiers noch einmal deutlich erhöht. Der in einem intensiven Dialogprozess erarbeitete Rahmenplan zeigt, wie wir diese Wegeverbindung durch mehr Raum für Fußgängerinnen, Fußgänger und Radfahrende zu einer durchgehenden, von Bäumen gesäumten Promenade aufwerten können. Das absolute Highlight aber wird sicher der um bis zu 40 Prozent vergrößerte Hammaburg-Platz. Die historische Keimzelle Hamburgs wird zum neuen Treffpunkt in der Innenstadt.“ 

Hammaburg-Platz aus der Vogelperspektive. Der Rückbau des zweispurigen Speersort schafft Platz
für neue grüne Aufenthaltsqualität. © Visualisierung: West 8

Auch Oberbaudirektor Franz Josef Höing sieht großes Potenzial für die neu geplante Domachse: „Der Hammaburg-Platz wird zu einem neuen, großen und vielfältig nutzbaren Park in der historischen Mitte der Hamburger Innenstadt, und eine neue Promenade führt vom Jungfernstieg bis an den Magdeburger Hafen. Oft sind die einfachsten Ideen die besten.“ Verkehrs- und Mobilitätswendesenator Dr. Anjes Tjarks betont die Neuaufteilung des Straßenraums. „Viele Bereiche entlang der Domachse sind bisher stark durch den Kfz-Verkehr geprägt und wenig einladend. Wir teilen den Raum jetzt so auf, dass alle Verkehrsteilnehmenden gleichermaßen profitieren, und schaffen dadurch mehr Platz für den Rad- und Fußverkehr.“

Karen Pein, Stadtentwicklungssenatorin, SPD: „Die Wegeverbindung durch mehr Raum für Fußgänger­innen, Fußgänger
und Radfahrende zu einer durchgehenden, von Bäumen gesäumten Promenade aufwerten.“ © Catrin-Anja Eichinger

Entlang der neuen Domachse sollen durch schmalere Fahrbahnen rund 6.500 Quadratmeter zusätzliche Flächen für breite Gehwege, Radwege und Grün entstehen. Die Strecke bleibt für den Autoverkehr in Nord-Süd-Richtung befahrbar. Der Durchgangsverkehr soll jedoch nachhaltig reduziert werden. Nach Angaben des Senats bleiben die HafenCity, Ladezonen und Parkhäuser jedoch weiterhin gut erreichbar. Dem Projekt ging ein mehrjähriger Beteiligungsprozess voraus. Bereits 2023 begann ein Werkstattverfahren. Bürger:innen und Fachleute (Architekten, Freiraum- und Verkehrsplaner) konnten ihre Ideen bei Veranstaltungen und über die digitale Plattform DIPAS einbringen. Daraus entstand der jetzt vorgestellte Rahmenplan.

Auch Jimmy Blum, Bezirksabgeordneter der FDP, begleitete das Projekt seit den ersten Gesprächen. Er sagt: „Vor bummelig drei Jahren sind wir mit der Deutschland-Koalition aus SPD, CDU und FDP in dem Werkstattverfahren zur Domachse gestartet. Nun stehen wir hoffentlich bald vor der konkreten Umsetzung. Der Hammaburg-Platz soll künftig eine neue Parkfläche mit Bäumen bieten, die Schatten und Aufenthaltsqualität mitten in der City schaffen.“ Zustimmung zu den aktuellen Plänen kommen auch aus der CDU. Dr. Gunter Böttcher, Vorsitzender der CDU-Bezirksfraktion Hamburg-Mitte, begrüßt die Entwicklung: „Der Hammaburg-Platz als historische Keimzelle Hamburgs wird hoffentlich nun endlich als Ursprung Hamburgs wieder wahrnehmbar werden.“

Dr. Anke Frieling, CDU-Bürgerschaftsfraktion: „Es werden neue versiegelte Plätze und Wege geschaffen,
statt konsequent auf Entsiegelung und großflächige Begrünung zu setzen“. © Catrin-Anja Eichinger

Beim Verkehr äußert der CDU-Mann jedoch deutliche Bedenken. Böttcher warnt: „Die Reduzierung von Fahrbahnen für Autos wird unweigerlich zu massiven Staus, Ausweichverkehr in angrenzende Wohnquartiere und längeren Fahrzeiten für Handwerker, Lieferdienste und Pflegedienste führen. Eine lebendige Innenstadt braucht Attraktivität und Erreichbarkeit.“ Dafür fordert die CDU eine Ausweitung der Metrobus Linie 4 in die HafenCity. 

Auch die CDU-Bürgerschaftsfraktion sieht Nachbesserungsbedarf. Stadtentwicklungspolitikerin und Stellvertretende Fraktionschefin Dr. Anke ­Frieling kritisiert, dass der Rahmenplan am Ende der Brandstwiete an der Kornhausbrücke ende und keine überzeugende Gesamtperspektive für den Übergang in die Speicherstadt und weiter in die HafenCity biete. Zudem vermisst sie ein deutlich ambitionierteres Konzept zur Klimaanpassung: „Angesichts der anhaltenden Debatten über versiegelte Flächen, fehlenden Hitzeschutz und die Notwendigkeit echter klimaresilienter Stadträume ist kaum nachvollziehbar, warum der Senat neue versiegelte Plätze und Wege schafft, statt konsequent auf Entsiegelung und großflächige Begrünung zu setzen. Einzelne Baumreihen und ein etwas vergrößerter begrünter Domplatz“, so Frieling, „reichen nicht aus, um die Innenstadt spürbar klimaresilienter zu machen. Es bleibt zu hoffen, dass die nun folgende Feinplanung deutlich ambitionierter ausfällt und die Chance nutzt, die Domachse zu einem wirklich zukunftsfähigen Stadtraum zu entwickeln.“ 

Ins gleiche Horn bläst auch die Bürgerschaftsfraktion der Linken. Ihr stadtentwicklungspolitischer Sprecher Marco Hosemann stimmt der Aufwertung der Domachse zu – und moniert: „Was wir aber kritisch sehen und als unzeitgemäß empfinden, ist der hohe Versiegelungsgrad in den Straßenräumen. Seit Jahren spricht der Senat davon, dass Hamburg zu einer ,Schwammstadt‘ umgebaut werden muss, und hat zuletzt einen Wettbewerb zum ,Abpflastern‘ initiiert, um unsere Stadt an die Folgen des Klimawandels anzupassen. Neben Bäumen brauchen wir da aber dann viel mehr unversiegelte Flächen, die Starkregenereignisse aufnehmen und wieder abgeben können und damit im Sommer auch eine kühlende Wirkung haben. Der Senat muss jetzt die Chance nutzen, diesen Stadtraum an ­Extremwetter anzupassen.“ 

Mathias Adler, Hrsg. „Hamburger Tagesjournal“: „Die Promenade endet ambitionslos an der Kornhaus­brücke,
wo sie zu einem 1,5 Meter breiten Nadelöhr in die HafenCity wird.“ © Catrin-Anja Eichinger

Einen weiteren neuralgischen Punkt benennt Mathias Adler, Herausgeber des digitalen Nachrichtenportals „Hamburger Tagesjournal“: „Das Hauptproblem der Achse bleibt jedoch die unattraktive Querung der Willy-Brandt-Straße, die bestehen bleiben wird. Die anschließende kurze Brandstwiete wird aufgehübscht, doch die Promenade endet dann ambitionslos an der Kornhausbrücke, wo sie zu einem 1,5 Meter breiten Nadelöhr des Zugangs zum Weltkulturerbe Speicherstadt und der modernen HafenCity wird.“ In der Tat ist enttäuschend, dass der Rahmenplan Domachse keine wirkliche Idee zur Neugestaltung der Querung der achtspurigen Willy-Brandt-Straße entwickelt hat, die der Verkehrsenator Tjarks aufgrund der neuen Domachse als „ein schönes Nadelöhr“ kommentierte. Doch was nützt eine geplante entspannte Flaniermeile Domachse drumherum, wenn man eine achtspurige Straße überqueren muss? Verkehrsplanerisch eher ein schwarzes Loch als ein „schönes Nadelöhr“. 

Hatte doch Hamburgs Erster Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher eine verkehrliche Prüfung zum Besseren empfohlen und unter anderem an die berühmte „Shibuya“-Kreuzung in Tokio erinnert, an der große Menschenströme auf extrem breiten Zebrastreifen geordnet eine Großkreuzung queren können. Oder die Idee des SPD-Bürgerschaftsfraktionschefs Dirk Kienscherf, der eine einfache, relativ kostenarme Holzbrücke für Fußgänger:innen und Radfahrer:innen mit grünen Aufenthaltsflächen über die Willy Brandt-Straße vorgeschlagen hat. Ihm fehlten den bisherigen Ideen zur Querung der Willy-Brandt-Straße die „Visionen“, wie er schon im Januar 2025 der HafenCity Zeitung sagte. Man verlöre sich zu sehr im smarten „Kleinklein“. 

Dirk Kienscherf, Chef der SPD-Bürgerschaftsfraktion: „Man muss auch mal mit Traditionen brechen. Für mich ist eine attraktive grüne Brückenversion über die Willy-Brandt-Straße nicht vom Tisch!“ © Catrin-Anja Eichinger

Und zur Holzbrücke sagte er damals: „Es gibt nach wie vor kein überzeugendes Konzept, wie die Überquerung der Willy-Brandt-Straße vom Kontorhausviertel hinüber in die Brandstwiete und durch das Nadelöhr der Korn­hausbrücke am Zollkanal in die Speicherstadt zum St. Annen Platz und zum Überseeboulevard in die HafenCity gelöst werden kann. Das gelingt nicht mit stadtplanerischen Standardprogrammen. Man muss sich dort sicher auch mal trauen, markant mit den städtebaulichen Gegebenheiten und Traditionen zu brechen. Für mich ist eine attraktive grüne Brückenversion über die Willy-Brandt-Straße nicht vom Tisch!“ Die Kienscherf-Analyse vom Januar 2025 stimmt auch heute noch – nach der aktullen Vorstellung des Rahmenplans Domachse. Wolfgang Timpe

Info Unter „Suche“ Domachse eingeben: hamburg.de

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