Alpen-Romantik und Kiez-Humor

Musical. Die Wintergaudi feiert mit »Hotel Skiverliebt« ihre Premiere im Schmidt Theater

Keyvisual des Winter­musicals „Hotel Skiverliebt“.
© Brinkhoff/Moegenburg | saalbach.com | Christian Woeckinger.

Skifahren auf St. Pauli? Was nach einer verrückten Idee klingt, wird im Schmidt Theater zur Musicalgeschichte. In »Hotel Skiverliebt« geht es um Liebe, Eifersucht, eine Ski-WM und die Frage, wer am Ende mit wem zusammenkommt. Dazu gibt es 20 neue Songs, vom Kaiserschmarrn-Walzer bis zum Après-Ski-Hit. Die Idee entstand in Österreich. Komponist Martin Lingnau wurde gefragt, ob er ein Musical für die Ski-Weltmeisterschaft 2025 in Saalbach-Hinterglemm schreiben wollte. Seine erste Reaktion fiel knapp aus. „Nein. Habe ich keine Lust“, erzählt er bei der Präsentation in Hamburg. Dann kam ihm ein anderer Gedanke. „Aber ich habe Lust, das erste Ski-Musical zu schreiben.“ Eines, das auch ohne Weltmeisterschaft funktioniert und später in Hamburg gespielt werden kann.
Foto oben: Das Musical-Team von »Hotel Skiverliebt«. Komponist Martin Lingnau: „Ich nenne das Musical immer liebevoll eine Mischung aus dem ,Weißen Rössl‘ und der ,Heißen Ecke‘.“ © Morris Mac Matzen

Im Februar 2025 wurde „Skiverliebt“ in Salzburg uraufgeführt. Das Salzburger Landestheater und die Hamburger Schmidt-Bühnen arbeiteten dafür zusammen. Für Hamburg wurde die Geschichte rund ein Jahr lang überarbeitet. Die Ski-WM bleibt Teil der Handlung, im Mittelpunkt stehen nun das Hotel und seine Gäste.

„Ich nenne das Musical immer liebevoll eine Mischung aus dem ,Weißen Rössl‘ und der ,Heißen Ecke‘“, sagt Lingnau. Gemeint sind zwei Welten. Die Operette liefert Herzschmerz und große Gefühle. Der Kiez steuert Tempo, Ironie und eine gute Portion Frechheit bei.

Im kleinen Familienhotel in den Alpen herrscht Hochbetrieb. Die Ski-WM steht bevor, alle Zimmer sind belegt. Wirtin Jessica und ihre Tochter Anna haben kaum Zeit zum Durchatmen. Anna ist zugleich eine begnadete Rennläuferin und gilt als Favoritin auf Gold. Doch ausgerechnet ihre schärfste Konkurrentin Camilla bringt sie aus dem Konzept. Zwischen beiden funkt es.

Schöpfer treffen Hauptdarstellerin (v. l.): Regisseur Dominik Flaschka, Komponist
Martin Lingnau, Hauptdarstellerin Tiziana Turano und Choreograf Benjamin Zobrys beim Pressetermin
zu „Hotel Skiverliebt“ in den Probenräumen des Schmidt Theaters. © Morris Mac Matzen

Das ist kompliziert. Denn Anna ist seit Jahren mit Franz zusammen, er trainiert sie und plant gerade einen Heiratsantrag. Während die Gefühle durcheinandergeraten, droht der WM ein ganz anderes Problem. Der Wetterbericht kündigt Tauwetter an. Umweltaktivistin Fiona will den Panoramahang sperren lassen. Bürgermeister und WM-Organisator Johann „Joe“ Oberbichler behauptet, alles im Griff zu haben. Vieles spricht dagegen.

Vier Paare verlieben sich, trennen sich oder finden neu zusammen. Wer schließlich mit wem glücklich wird, soll bis zum Ende offenbleiben. Regisseur Dominik Flaschka nennt das Stück eine Liebeskomödie mit mehreren Handlungssträngen. Klimawandel und die Folgen des Tourismus gehören ebenfalls dazu. Sie werden nicht als Vortrag abgehandelt, sondern treiben die Konflikte der Figuren an.

Flaschka hat unter anderem „Abenteuerland“ und „The Play That Goes Wrong“ inszeniert. Jetzt arbeitet der Schweizer erstmals am Schmidt. Lingnau kennt er schon lange. Beide wollten bereits früher zusammenarbeiten, doch nie passte es. Diesmal klappte es. Der Ort der Aufführung sorgte bei Flaschka zunächst für Verwunderung. „Ein Ski-Musical auf der Reeperbahn. So, das ist erst mal, da fragt man sich, aha, warum?“, erzählt er. Genau dieser Gegensatz gefalle ihm. Schließlich ist Hamburg nicht für seine Skipisten bekannt.

Flaschka wollte die Salzburger Fassung nicht einfach kopieren. Die Figuren und ihre Geschichten sollten sich verändern dürfen. Gemeinsam mit Michael Frowin, dem Intendanten des Hamburger Theaterschiffs, entstand die textliche Adaption für die neue Produktion. So wurde aus einem Stück mit starkem Bezug zur Ski-WM eine eigenständige Hamburger Fassung.

Auch musikalisch geht es quer durch die Genres. „Es gibt ganz viele verschiedene Arten von Musik in diesem Musical. Und ich habe trotzdem versucht, sie zusammenzuhalten“, sagt Lingnau. Große Balladen stehen neben österreichischem Pop und zünftigen Alpenklängen. Dazu kommen Walzer, ein wenig ­Après-Ski und Latin Pop. Letzterer passt zu Camilla, die aus Brasilien stammt.

Für Hamburg entstand außerdem eine neue Eröffnungsnummer. Darin lernt das Publikum die wichtigsten Figuren kennen. Flaschka spricht von einem Ohrwurm, den man mit nach Hause nehme. Lingnau nimmt das gelassen. Schließlich ist genau das die Aufgabe eines Komponisten.

Der Humor lebt von Übertreibungen und unerwarteten Wendungen. Zugleich sollen die Liebesgeschichten berühren. Das Hotel wird zum Treffpunkt ganz unterschiedlicher Menschen, die alle etwas suchen. Mal ist es die Goldmedaille, mal die große Liebe, mal nur die Rettung der nächsten Abfahrt.

Ob das ungewöhnliche Konzept aufgeht, entscheidet nun das Hamburger Publikum. Sicher ist, wenn die Liebeslawine auf der Bühne einmal ins Rollen kommt, bleibt kaum jemand unberührt. Jimmy Blum

Info

»Hotel Skiverliebt« startet am 4. November 2026 im Schmidt Theater. Mehr Infos und Tickets unter: tivoli.de

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