Kaispeicher B. Kreuzfahrten stehen nach wie vor hoch im Kurs. Doch wie mag sich das sanfte Gleiten über den Atlantik 1914 angefühlt haben? Das lässt der neue virtuelle Rundgang auf der »Vaterland« im Internationalen Maritimen Museum Hamburg (IMMH) erahnen
Sie war ein Schiff der Superlative: Als die »Vaterland« 1914 für die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (HAPAG) in Dienst gestellt wurde, war sie das größte Passagierschiff der Welt. Gebaut bei Blohm & Voss in Hamburg, maß sie fast 290 Meter, war mit 54.282 Bruttoregistertonnen vermessen und bot Platz für rund 3.900 Passagiere. Die vier Dampfturbinen wurden von bis zu 400 Heizern befeuert und leisteten insgesamt 100.000 PS.
Foto oben: 1914 das größte Passagierschiff der Welt: der Schnelldampfer »Vaterland«. © IMMH

Luxusliner digital erleben. © IMMH
Ihre Karriere unter deutscher Flagge war jedoch kurz. Nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs lag die »Vaterland« in New York auf. 1917 wurde sie von den USA beschlagnahmt – und als »Leviathan« zum Truppentransporter. Nach einem erneuten Umbau kehrte sie 1923 als Passagierschiff auf den Nordatlantik zurück. 1938 wurde sie abgewrackt.
Archivarbeit und PC-Power
Über 100 Jahre nach ihrem Stapellauf macht das Team aus Martian Schüttler und Paul Kemmerling sowie dem US-Amerikaner Colin Wilk die »Vaterland« in ihrer ursprünglichen Gestalt wieder erlebbar. Für die digitale Rekonstruktion nutzte Schüttler Quellen in den USA, wo das Schiff lange in Betrieb war, und besuchte Archive in ganz Deutschland. „Das IMMH hat uns großartig mit Fotos und Plänen zur ,Vaterland‘ unterstützt“, gibt er zu Protokoll.
Insgesamt kamen 760 historische Fotos des Schiffs zusammen. Das Team wertete diese Bilder sowie Baupläne, zeitgenössische Literatur und technische Quellen aus. Daraus entstanden eigene CAD-Pläne und in 2.500 Stunden vor dem Rechner ein detailreiches 3D-Modell. 360°-Panoramen erlauben es nun, sich in den unterschiedlichsten Bereichen des Schiffes umzusehen: an Deck unter blauem Himmel, auf der Brücke, im Erster-Klasse-Schwimmbad oder in einer Passagierkabine der vierten Klasse. Klickbare Infopunkte vermitteln Hintergrundwissen zur jeweiligen Ansicht. Das Projekt will wissenschaftlichen Ansprüchen gerecht werden.
Für das Museum ist es ein weiterer Schritt in Richtung Digitalisierung und ein attraktives Angebot für die Besucherinnen und Besucher. Ab sofort zu erleben auf Deck 6 im Internationalen Maritimen Museum Hamburg. Kai Winn
Info
„Maritime Geschichte erleben mit PLAYMOBIL“ ist noch bis 8.11.26 im IMMH zu sehen. Im Dezember folgt eine Sonderausstellung über den historischen Schiffbau in Shanghai. imm-hamburg.de






