»Baumscheiben größer denken

Runder Tisch Der Workshop „Steigerung der Biodiversität in der HafenCity“ gab im April den Startschuss für neue Flora-und-Fauna-Projekte sowie für mehr Wasser-Biotope im Quartier HafenCity. Motto: Die Stadt braucht mehr Natur

Am 20. April trafen sich interessierte Anwohner:-innen und Politiker:innen sowie Vertreter:innen der HafenCity Hamburg GmbH und Mitglieder des Netzwerks HafenCity e.V. zu einem ersten Workshop unter dem Titel „Dialogformat: Steigerung der Biodiversität in der HafenCity“ im Cruise Center auf dem Baakenhöft. Die 30 Teilnehmer:innen teilten sich zu Beginn der Veranstaltung in drei Gruppen auf und erkundeten als Erstes in jeweils zweistündigen Mini-Exkursionen drei verschiedene Areale der HafenCity. Hier machten sich die Teilnehmer:innen ein Bild vom aktuellen Zustand der Biodiversität unter Führung von fachkundigen Landschaftsarchitekten. Die Touren führten durch die westliche HafenCity mit dem Schlusspunkt Elbphilharmonie, das Quartier Lohsepark/Oberhafen im Zentrum und durch die östliche HafenCity mit Baakenhafen/Elbbrückenquartier.
Foto oben: Wiederansiedlung von Bienen: Biodiversität im Oberhafen-Projekt „Grau trifft Grün“ von der Nutzer:innen-Initiative des Oberhafens. © Catrin-Anja Eichinger

Neben faktischen Bestandsaufnahmen sammelten die Teilnehmer:innen schon auf diesen Touren erste Vorschläge zur Verbesserung der Biodiversität. Die Landschaftsarchitekten klärten über bestehende und kommende Planungen und Projekte in der HafenCity auf. Beispielhaft sei hier das Projekt „Grau trifft Grün“ vom Oberhafengarten genannt, das Men-schen, die aufgrund einer psychischen Erkrankung erwerbsgemindert oder erwerbsunfähig sind, die Möglichkeit einer stundenweisen Beschäftigung bietet. Weitere Beispiele sind Baumscheibenpatenschaften, Nisthilfen, Obstanbau, Wildwiesen- und Uferpflanzen und viele Maßnahmen, die erst einmal nicht sofort als Biodiversität ins Auge fallen. 

„Eins möchte ich klarstellen: Es gibt keine Brachen in der HafenCity.“ Dr. Andreas Kleinau, HafenCity Hamburg GmbH

Biodiverses Sozialprojekt „Grau trifft Grün“ im Oberhafen: Die 30 Teilnehmer:innen des Workshops erkundeten in drei Gruppen als Erstes in jeweils zweistündigen Mini-Exkursionen drei verschiedene Areale der HafenCity. Hier machten sich die Teilnehmer:innen ein Bild vom aktuellen Zustand der Biodiversität unter Führung von fachkundigen Landschaftsarchitekten. © Catrin-Anja Eichinger
Biodiverses Sozialprojekt „Grau trifft Grün“ im Oberhafen: Die 30 Teilnehmer:innen des Workshops erkundeten in drei Gruppen als Erstes in jeweils zweistündigen Mini-Exkursionen drei verschiedene Areale der HafenCity. Hier machten sich die Teilnehmer:innen ein Bild vom aktuellen Zustand der Biodiversität unter Führung von fachkundigen Landschaftsarchitekten. © Catrin-Anja Eichinger

Zurück im Baakenhöft begrüßte Dr. Andreas Kleinau, Vorsitzender der HafenCity Hamburg GmbH, die Workshop-Teilnehmer:innen und freute sich auf „ergebnisoffene Resultate“ aus den kommenden Veranstaltungen. Ein Satz in der Begrüßungsansprache Kleinaus, der auch schon in anderen Zusammenhängen fiel, war: „Eins möchte ich klarstellen: Es gibt keine Brachen in der HafenCity.“ Gemeint sind unter anderem die kontrovers diskutierten Flächen Baakenhöft, für die noch keine Nutzung festgeschrieben ist, und auch das Gelände östlich des Lohseparks, wo einst Gruner+Jahr ein Verlagsgebäude bauen wollte und nun im Sommer als temporäre Nutzung das Sommerschulferienprojekt „Kinderstadt“ stattfinden wird. 

Masterplan soll gelten

Das Stichwort „Masterplan“ nannte Kleinau, an den man sich halten wolle und von dem die HafenCity Hamburg GmbH nicht abweichen möchte. Der Masterplan HafenCity, der inzwischen kräftig in die Jahre gekommen ist und noch unter den früheren Vorzeichen einer Auto-orientierten Verkehrspolitik mit vierspurigen Ein- und Ausfallstraßen stand, sehen Initiativen wie auch Stadtplanungsexperten unter Klima- und Lebensqualitätsaspekten als nachhaltig optimierbar an. Iris Neitmann vom Vorstand des Netzwerks HafenCity e.V. in ihrem Vortrag: „Der Druck auf die Grünflächen im Quartier ist bereits jetzt groß.“ Neitmann berief sich auf den Hamburger Klimaplan, der vorsieht, „mehr für Artenvielfalt mittels Biodiversität, für CO2-Bindung und die Entwicklung von Grünflächen zu tun.“

W ie stolze prächtige Baumkörper schmiegen sich die blühenden Stelen an die Sportnetze des Ballsportplatzes im neu angelegten Sport- und Biotop-Areal Oberhafen. Nein, Sie sehen keine Gitter, sondern unscharfe Fangnetze im Vordergrund, die die Bälle der Kicker im Oberhafen-Bolzplatz und die Basketbälle der Werfer aufhalten und die blühende Pracht der Bäume schützen sollen. Basketballer Berry findet den Natur-Spielort der neuen Freizeitplätze im Oberhafen mit ihrem Biodiversitätsprojekt „Grau trifft Grün“ der Oberhafennutzer:innen „klasse!“. Ja, der Stadtteil HafenCity und sein einzigartiges Quartier Oberhafen wachsen immer stärker zu einer diversen Stadtteilkultur zusammen, in der Outdoorsport und grüne Lebensqualität an Fleeten mit Industriearchitektur Strahlkraft und individiuelle und kollektive Nutzung ermöglichen. Blühende Spielzeiten in urbaner Natur.
Blühende Spielzeit: Wie stolze prächtige Baumkörper schmiegen sich die blühenden Stelen an die Sportnetze des Ballsportplatzes im neu angelegten Sport- und Biotop-Areal Oberhafen. Nein, Sie sehen keine Gitter, sondern unscharfe Fangnetze im Vordergrund, die die Bälle der Kicker im Oberhafen-Bolzplatz und die Basketbälle der Werfer aufhalten und die blühende Pracht der Bäume schützen sollen. Basketballer Berry findet den Natur-Spielort der neuen Freizeitplätze im Oberhafen mit ihrem Biodiversitätsprojekt „Grau trifft Grün“ der Oberhafennutzer:innen „klasse!“. Ja, der Stadtteil HafenCity und sein einzigartiges Quartier Oberhafen wachsen immer stärker zu einer diversen Stadtteilkultur zusammen, in der Outdoorsport und grüne Lebensqualität an Fleeten mit Industriearchitektur Strahlkraft und individiuelle und kollektive Nutzung ermöglichen. Blühende Spielzeiten in urbaner Natur. © Catrin-Anja Eichinger

Biodiversität erklärt

In einem anschließenden Dialog zwischen dem Moderator des Abends, Klaus Overmeyer von „Urban Catalyst“, und Antje Stokman, Professorin für Architektur und Landschaft an der HafenCity Universität (HCU), erklärten die Fachleute Begrifflichkeiten der Biodiversität. „Wir müssen Baumscheiben größer denken“, war eine Forderung von Antje Stokman (siehe Interview rechts). Die Expertin klärte die Anwesenden über die Bandbreite städtischer Biodiversität auf und sagte: „Wir brauchen neue Bilder von der Stadtnatur.“ Iris Neitmann und Hendrik Moritz stellten in Kurzform die Ergebnisse des Online-Ideenfindungsworkshops des Netzwerks HafenCity e.V. aus dem Februar vor, dessen gesamte Dokumentation auf der Homepage des Vereins abrufbar ist (www.netzwerk-hafencity.de). Auf 64 Seiten sind dort viele Ideen gesammelt, die nun in den Bewertungsprozess des Workshops einfließen sollen.

Weiterer Prozess

Wie genau und in welchen zeitlichen Schritten der Prozess hin zu mehr Grün in der HafenCity nun ausgestaltet werden soll, erklärte Klaus Overmeyer en detail. „Urban Catalyst“, die auch schon die Workshops zum neuen Stadtteil Grasbrook gegenüber der HafenCity geplant und moderiert haben, begleiten „in Absprache mit allen Beteiligten“ die kommenden Termine und bieten ihre Unterstützung an. Ziel ist es, einen Maßnahmenkatalog

„Laut Klimaplan mehr für die ­Entwicklung von Grünflächen tun.“ Iris Neitmann, Netzwerk HafenCity e.V.

für die HafenCity Hamburg GmbH zu entwickeln. Er soll das Stadtklima, die öffentlichen Aufenthaltsqualitäten und Möglichkeitsräume für Aktivitäten und Mitgestaltung der Bewohner:innen verbessern. Einen besonderen Prüfauftrag beinhaltet die Fläche auf dem Baakenhöft. Der nächste Workshop-Tag ist für den 14. Mai ganztägig ebenfalls im Cruise Center Baakenhöft angesetzt. Bis dahin soll die Ideen-fin-dung abgeschlossen sein und eine vierwöchige Phase der Bewertung beginnen, die in einer Zusamenfassung am 14. Juni präsentiert werden soll. Dann geht es in die Umsetzungsphase, die, wenn alles reibungslos verläuft und die Bürgerschaft ihre Zustimmung zum Maßnahmenkatalog gegeben hat, noch im Sommer 2022 starten kann. Matthias Schinck

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