Jimmys Parkett. Der HCZ-Reporter über Events, People und Schnack aus dem Quartier
Jetzt sind wir Hotspot. Die HafenCity hat lange auf ihren großen Moment gewartet. Nicht die Elbphilharmonie, Westfield, Elbtower oder die neue Oper. Nein, jetzt ist er da und kommt überraschend charmant daher, als neues touristisches Highlight: die weiße »Bimmelbahn«. Was früher nach nüchterner Architekturführung klang, entwickelt sich plötzlich zu einer Attraktion mit echtem Hamburg-Gefühl. Zwischen Elbphilharmonie, Fleeten und den historischen Backsteinfassaden der Speicherstadt fährt nun eine Bahn, die zeigt, dass die HafenCity längst mehr ist als nur ein modernes Stadtviertel.
Foto oben: Das neue lateinamerikanische Restaurant »Elemente« im Westfield-Überseequartier – ab Sommer
mit Rooftopbar AirBar13. © Elemente Hamburg

braucht manchmal nicht mehr als ein bisschen Mut, ein paar Reifen aus Gummi und das Selbstbewusstsein,
sich selbst mit einem Lächeln zu präsentieren. © Jimmy Blum
Die Tour startet an der Kehrwiederspitze nahe der Elbphilharmonie und führt rund 25 Minuten durch die Speicherstadt und die HafenCity. Vorbei an den alten Lagerhäusern, kleinen Brücken und Wasserwegen, die Hamburg weltweit einzigartig machen. Wer darin sitzt und mitfährt, merkt schnell: Unsere schöne Stadt muss sich nicht verstecken. Sie kann Geschichte, Moderne und Hafenromantik gleichzeitig.
Ich freue mich ehrlich über diese neue Attraktion. Denn sie passt perfekt zur HafenCity. Hamburg war immer dann stark, wenn die Stadt stolz auf sich selbst war. Genau dieses Gefühl vermittelt die neue Bahn. Sie macht die HafenCity nahbar. Familien steigen ein, Touristen fotografieren begeistert aus den Open-Air-Fenstern, Kinder winken beim Vorbeifahren. Endlich entsteht dort die Leichtigkeit, die viele sich seit Jahren gewünscht haben.
Für mich ist klar, mit der weißen Bimmelbahn ist die HafenCity frisch aus ihrem Dornröschenschlaf mit den viel zu vielen roten und blauen Hop-on- und Hop-off-Bussen erwacht. Nicht durch gigantische Prestigeprojekte oder endlose Debatten über Architektur. Sondern durch eine sympathische Idee, die Menschen zusammenbringt und Lust auf Hamburg macht.
Die HafenCity war immer ein Versprechen auf die Zukunft dieser Stadt. Jetzt fühlt sie sich erstmals auch wirklich wie ein lebendiger Mittelpunkt Hamburgs an. Vielleicht braucht eine moderne Metropole manchmal nicht mehr als ein bisschen Mut, ein paar Reifen aus Gummi und das Selbstbewusstsein, sich selbst mit einem Lächeln zu präsentieren. bimmelbahn.sh

Die Elbe im Blick – und jedes Schiff erklärt: Wer am Strandkai wohnt, kennt das Schauspiel vor den Fenstern. Containerriesen ziehen vorbei, Schlepper drücken sich durch die Fahrrinne, Kreuzfahrtschiffe gleiten zu ihrem Liegeplatz. Oft bleibt nur die Frage: Was fährt da eigentlich gerade vorbei?
Joe Tonne wollte genau das wissen. Aus dieser Neugier heraus entstand die App „Schipp Kieker Strandkai“. Ein digitales Fernglas für die Elbe. Entwickelt direkt aus der HafenCity heraus. Die Idee kam Tonne in einer schlaflosen Zeit. Nach einer Schulter-OP lag er nachts oft wach. „Ich habe ständig auf die Elbe geguckt und mich gefragt, was das für ein Schiff ist“, erzählt er. Der Unternehmer ist selbst Freizeitkapitän und interessiert sich seit Jahren für die Schifffahrt. Also begann er zu tüfteln.
Heute zeigt die ApP live, welche Schiffe gerade vorbeifahren. Dazu gibt es eine Webcam mit Blick auf die Elbe, Echtzeitdaten aus dem AIS-Schiffsverkehr, den aktuellen Pegelstand von St. Pauli und kleine Fakten zu jedem Schiff: wie lang es ist, woher es kommt, wie viele Passagiere an Bord passen. Die Kamera am Strandkai ist laut Tonne bislang einzigartig. „Es gibt keine andere Webcam direkt vom Strandkai“, sagt er.
Besonders ist auch, wie das Projekt entstanden ist. Joe Tonne ist kein Programmierer. Er betreibt seit 2012 eine Digitalagentur und berät Firmen bei Websites, E-Commerce und Wachstum. Früher brauchte er für neue Ideen Entwicklerteams. Diesmal lief vieles anders.
„Was man früher an Entwickler übergeben hat, kann man heute der KI sagen“, erklärt er. Mithilfe von Künstlicher Intelligenz ließ er sich den Programmcode direkt erzeugen. Genutzt hat er dafür vor allem das KI-System Claude von Anthropic. „In wenigen Minuten hat man den Code, für den früher ein Programmierer nötig war.“
Ganz ohne Fachwissen gehe das trotzdem nicht, sagt Tonne. Gerade Sicherheit und Servertechnik seien kompliziert. „Man muss schon wissen, was man tut.“ Die Technik hinter der App klingt nach Bastelkeller und Zukunft zugleich: Raspberry Pi, AIS-Empfänger, KI-generierte Schiffstexte – alles vom Balkon am Strandkai aufgebaut. Die App läuft stabil, ist werbefrei und bleibt ein privates Herzensprojekt.
Bei den Nachbarn kommt das gut an, denn die App macht sichtbar, was täglich vor der Haustür passiert. Oder wie Tonne es beschreibt: „Ich fand einfach interessant, was hier an Schiffen vorbeifährt.“ Die App „Schipp Kieker Strandkai“ läuft im Browser, kann aber auch wie eine normale App auf dem Smartphone installiert werden. strandkai.wacku.de

Frank Gerhard Schmidt (v.l.), SAGA-Vorstand Dr. Thomas Gryglewski, Hamburg-Mitte Bezirkschef Ralf Neubauer, Stadtentwicklungssenatorin Karen Reim und Finanzsenator Dr. Andreas Dressel. © Niels Fahrenkrog
Kiezkante statt Kieztraum: Zwölf Jahre nach dem Abriss der Esso-Häuser beginnt der Neubau an der Reeperbahn. Viele lange und schöne Nächte hatte ich in den ehemaligen Esso-Häusern auf dem Kiez verbracht. Der Supermarkt zur Tankstelle war einer der ersten mit 24/7-Öffnungszeit und die Waschstraße bei Autofans beliebt.
Jetzt, zwölf Jahre nach dem Abriss der Esso-Häuser, beginnt an der Reeperbahn der Neubau der sogenannten Kiezkante. Mit dem symbolischen Spatenstich endete eine lange Phase des Stillstands. Die frühere Planung unter dem Namen „Paloma-Viertel“ soll Wohnungen, Gewerbe, Kulturflächen, eine Kita und ein Hotel vereinen. Politik und Investoren sprechen von einem wichtigen Signal. Gleichzeitig wächst die Kritik aus dem Stadtteil.
„Wir beginnen einfach und starten durch“, sagt Quantum-Vorstand Frank Gerhard Schmidt. Für Hamburgs Finanzsenator Dr. Andreas Dressel steht das Projekt für einen gemeinsamen Kraftakt: „Wir kriegen gemeinsam Sachen hin, auch wenn sie zwischendurch mal auf einem schwierigen Weg waren.“ Die Schwierigkeiten waren erheblich. Steigende Baukosten, hohe Zinsen und wirtschaftliche Unsicherheit brachten das Projekt mehrfach ins Wanken. Zwischenzeitlich galt es sogar als nicht finanzierbar. Die Stadt verhandelte neu und reduzierte Anforderungen. Dressel sagt dazu: „Vielleicht manchmal ein bisschen weniger Chichi, damit auch Sachen in die Umsetzung kommen.“
Geplant sind nun 169 öffentlich geförderte Wohnungen. Hinzu kommen Gewerbeflächen, eine Kita sowie ein Hotel. Zusätzlich entsteht ein Kreativgebäude für die Kultur- und Kreativwirtschaft. Auch der Club Molotow soll dort neue Räume erhalten. Dafür stellt die Stadt laut Dressel fünf Millionen Euro bereit. Trotzdem bleibt der Widerstand groß. Während des Spatenstichs demonstrierten Aktivisten auf der gegenüberliegenden Straßenseite. Antonia Ivankovic von der Linken nennt das Projekt eine „Mogelpackung“: „Vom Kiez steckt da gar nichts mehr drin, sondern es sind vor allem Investoreninteressen.“ Die Kritik richtet sich vor allem gegen den Umgang mit der früheren Bürgerbeteiligung. Der „St. Pauli Code“ galt einst als Vorzeigeprojekt für Mitbestimmung. Viele Anwohner fühlen sich inzwischen ausgeschlossen. „Es gab keine Beteiligung mehr“, bilanziert Marinus Stehneier von der Linken. Kritiker bemängeln außerdem weniger Wohnraum, höhere Mieten und mehr Hotelnutzung als ursprünglich geplant. Die soziale Mischung im Viertel sei gefährdet. Die Stadt weist das zurück. Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein betont: „Wir haben hier 100 Prozent öffentlich geförderten Wohnraum.“
Fest steht: Viele ursprüngliche Ideen wurden gestrichen. Der Fokus liegt jetzt auf der Realisierung. Die Fertigstellung der Kiezkante ist für 2029 geplant. hamburg.de

Drinks und Cocktails mit Latin-Touch. © Elemente Hamburg
Wer mich sucht, ich bin in meiner neuen Kantine.“ Mit dem Elemente hat Hamburg ein neues Restaurant bekommen, das mich sehr beeindruckt hat. Schon beim Betreten des Lokals im Westfield-Überseequartier fällt der Blick auf die große offene Bar, die vielen Pflanzen und die warmen Farben. Das Interieur wirkt elegant, aber nicht abgehoben. Eher wie ein Ort, an dem man bleiben möchte. Beim Pressedinner zeigte sich schnell, hier geht es nicht nur um gutes Essen. Hier soll ein Erlebnis entstehen.
Das Konzept verbindet die Küche Lateinamerikas mit der Geschichte Hamburgs. „1827 war Hamburg die erste Stadt, die südamerikanische Länder als unabhängige Staaten anerkannt hat“, erklärt Restaurantchef Shahria Javaheri bei der Führung durch das Restaurant. Nach dem großen Hamburger Brand 1842, in dem rund ein Viertel der Stadt vernichtet wurde, hätten lateinamerikanische Länder auch beim Wiederaufbau geholfen. Daraus entstand die Idee für das Elemente.
Das Restaurant setzt auf Foodsharing. Viele Gerichte kommen in die Mitte des Tisches. Gäste sollen gemeinsam essen, reden und Zeit verbringen. „Hier kommt die Familie zusammen, hier kommen Freunde zusammen“, erklärt PB, das ist die Abkürzung für Pieter-Bas Jacobse. Er ist CEO der Mutterfirma Rhubarb Hospitality Collection aus London, die hinter dem Projekt steht. Das Unternehmen betreibt unter anderem Gastronomie in der Royal Albert Hall und in großen Arenen in England und Spanien. Rund fünf Millionen Euro wurden laut PB in das Elemente investiert. Besonders beeindruckend ist die Größe. Rund 250 Gäste finden im Restaurant Platz. Im Sommer soll zusätzlich die AirBar13 im 13. Stock eröffnen. Dort wartet ein 360-Grad-Blick über HafenCity, Elbe und Innenstadt. Schon jetzt lässt sich erahnen, wie spektakulär dieser Ort werden kann.
Auch kulinarisch überzeugte mich der Abend. Serviert wurden unter anderem frische Ceviche, würzige Empanadas und perfekt gegarter Fisch. Viele Gerichte waren fein abgeschmeckt, ohne überladen zu wirken. Besonders stark war die Kombination aus Säure, Schärfe und frischen Kräutern. Man merkt, dass hier mit hochwertigen Produkten gearbeitet wird. „Wir verkaufen nicht nur Essen und Trinken, sondern Erlebnisse“, sagte Diego Cardos. Er hat argentinische Wurzeln und verantwortet die strategische Ausrichtung der Küche und bringt die südamerikanische Grillkultur als tragende Säule des Konzepts mit ein.
Das Elemente bringt frischen Wind in die HafenCity. Hamburg und auch die HafenCity haben schon viele gute Restaurants. Diese neue Location hier im Quartier ist trotzdem etwas Besonderes. Der Abend endete mit langem Applaus für Küche und Service. Mich hat das Konzept so sehr begeistert, dass ich es schon zu meiner eigenen Kantine erklärt habe. elementerestaurant.com
Alles Gute, euer Jimmy
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Jimmy Blum ist Unternehmer und lebt in der HafenCity und in Nocera, Umbrien.



