»Ein Autist«

Die Patriotische Gesellschaft startet öffentliche Debatte um den Elbtower

Elbtower ja oder nein – an dieser Frage scheiden sich die Geister. Deshalb hatte die Patriotische Gesellschaft im Juni zu einer Diskussionsrunde unter dem Motto „Elbtower – gut für Hamburg?! Hamburgs Zukunft und die Lehren aus der Pandemie“ eingeladen. „Die Debatte um den Elbtower hat noch gar nicht stattgefunden, jedenfalls nicht zivilgesellschaftlich“, sagt Olaf Bartels. Der Architekturjournalist moderiert den Abend. Er weist darauf hin, dass der 245 Meter hohe Elbtower, nach dem Fernsehturm das zweithöchste Bauwerk Hamburgs, die Verbindung zwischen der HafenCity und Rothenburgsort sein wird. Gerade daraus könnten Probleme resultieren, glaubt Dieter Läpple, Emeritus Stadtökonomie der HafenCity Universität. Ein Höhensprung, erläutert er, bedeute einen Anstieg der Mietpreise. Er geht von Verdopplung der Büromieten aus – damit der Elbtower wirklich profitabel sein kann. „Das wird einen Spin-off-Effekt auf die umliegenden Quartiere haben“, gibt er zu Bedenken. Seiner Ansicht nach werden die Mieten in Rothenburgsort oder auf der Veddel hochgehen.
Foto oben: Torben Vogelsang, Standortleiter der Elbtower Bauherrin Signa Real Estate Management GmbH, setzt auf Open Spaces bei den Hochhaus-Büroflächen: „1.000 Quadratmeter Mietfläche kann man teilen oder dritteln. Sie lässt sich in Coworking Spaces umwandeln.“  © SIGNA | Chipperfield

Auch Dirk Meyhöfer, Journalist, Kurator und Hochschullehrer, hat Vorbehalte gegen den Elbtower. Er sei keine hamburgische Marke, wettert er, sondern „ein Autist!“: „Was soll der Turm markieren? Welchen Sinn hat er?“
Dirk Meyhöfer, Journalist, Kurator und Hochschullehrer, hat Vorbehalte gegen den Elbtower. Er sei keine hamburgische Marke, wettert er, sondern „ein Autist!“: „Was soll der Turm markieren? Welchen Sinn hat er?“ © Hosoya Schäfer | SIGNA Chipperfield

Auch Dirk Meyhöfer, Journalist, Kurator und Hochschullehrer, hat Vorbehalte gegen den Elbtower. Er sei keine hamburgische Marke, wettert er, sondern „ein Autist!“: „Was soll der Turm markieren? Welchen Sinn hat er?“ Dirk Meyhöfer kann sich nicht vorstellen, dass der Elbtower der Stadt Hamburg irgendwelche Chancen bringt. Seine Forderung: eine Garantie, dass die Nutzungsflächen tatsächlich gebraucht werden. Für Torben Vogelgesang, Standortleiter Signa Real Estate Management GmbH, steht das außer Zweifel. Büros in über 65 Metern Höhe habe Hamburg bisher nicht zu bieten, erläutert er. Wenn die Pandemie wieder abebbe, hält er zudem Homeoffice nicht unbedingt für die perfekte Dauerlösung. 

„Der Elbtower ist eine ökologische Katastrophe.“ 

Alternativ offeriert sein Unternehmen mit dem Elbtower sogenannte Open Spaces, die wachsen und schrumpfen können: „1.000 Quadratmeter Mietfläche kann man teilen oder dritteln. Sie lässt sich in Coworking Spaces umwandeln.“ Was Torben Vogelgesang wichtig ist: Er will im Elbbrücken-Quartier Leben schaffen. Zum Beispiel mit dem Nobu Restaurant der gleichnamigen Hotelgruppe des Schauspielers Robert de Niro. Ein weiterer Mieter wird die Hamburg Commercial Bank sein. Theoretisch wäre der Elbtower sogar in der Lage, Wohnungen aufzunehmen. Da der Außendauerschallpegel 70 Dezibel erreichen würde, sei das allerdings nicht möglich.

Was Torben Vogelgesang, Standortleiter Signa Real Estate Management GmbH, wichtig ist: Er will im Elbbrücken-Quartier Leben schaffen. Zum Beispiel mit dem Nobu Restaurant der gleichnamigen Hotelgruppe des Schauspielers Robert de Niro – oder auch mit einer öffentlichen Aussichtsplattform. © HafenCity Hamburg GmbH | Chipperfield
Was Torben Vogelgesang, Standortleiter Signa Real Estate Management GmbH, wichtig ist: Er will im Elbbrücken-Quartier Leben schaffen. Zum Beispiel mit dem Nobu Restaurant der gleichnamigen Hotelgruppe des Schauspielers Robert de Niro – oder auch mit einer öffentlichen Aussichtsplattform. © HafenCity Hamburg GmbH | SIGNA Chipperfield

Ein weiteres Manko macht Dieter Läpple aus. In seinen Augen ist der Elbtower eine „ökologische Katastrophe“. Sicher verbrauchten Hochhäuser etwas mehr Energie als andere Gebäude, räumt Torben Vogelgesang ein. Auf der anderen Seite werde der Elbtower CO2-neutral betrieben und habe einen Anschluss an die Fernwärme der HafenCity. „Das Haus“, fährt er fort, „erkennt: Wo ist jemand? Wo ist keiner? Wenn niemand da ist, fährt es die Klimaanlage herunter.“ Auf ein weiteres Plus weist Jürgen Bruns-Berentelg, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH, hin: „Der Elbtower kumuliert Arbeitsplätze, die mit U- und S-Bahn gut erreichbar sind.“ Er preist das Gebäude, das 2025 fertig sein soll, als „ein Gelenk zwischen der HafenCity und dem Grasbrook“ und bezweifelt, dass der Elbtower die Mieten in den benachbarten Stadtteilen hochtreiben werde.                  Dagmar Leischow

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

− 3 = 2