Quartier. Der Nachbarschaftsverein Netzwerk HafenCity e. V. hat einen neuen Vorstand
Nach 25 Jahren eine Erfolgsgeschichte. Am 9. September 2026 führte das Netzwerk HafenCity e. V., der Nachbarschaftsverein von Hamburgs jüngstem Stadtteil, seine diesjährige Mitgliederversammlung durch. Der Vorstand informiert die Mitglieder regelmäßig über Newsletter, seine Website und die sozialen Medien über die Aktionen des Vereins. Und die Mitgliederversammlung ist die Gelegenheit, die Arbeit des Vorstands als geschlossenes Bild den Mitgliedern vorzustellen.
Foto oben: Neuer Vorstand im Nachbarschaftsverein Netzwerk HafenCity e. V. (v. l.): Marianne Wellerhoff, Erste Vorsitzende, Jonas Möhringer, IGH-Sprecher und AG Sport, Lutz Metterhausen, AG Verkehr, Anna Rubbert, AG Soziales und AG Kinder und Jugend, Noah Polat, Schatzmeister, zusammen mit Vater Güven Polat, beide AG Baakenhafen und Grasbrook, Iris Neitmann, AG Grün, und Gilg Frick, IGH-Sprecher und Kommunikationsdesign.© Elias Polat
So auch dieses Jahr. Der Vorstand präsentierte das Netzwerk als tätigen Akteur in der HafenCity, sowohl als Vertreter von Interessen der Anwohner:innen gegenüber Politik und Verwaltung als auch ganz praktisch in seinem Bemühen, die Nachbarinnen und Nachbarn im Quartier zusammenzubringen.
Zentrale Veranstaltung für das Zusammenbringen der Anwohner:innen wie auch der hier Arbeitenden ist das jährliche Sommerfest kurz vor den großen Ferien. Es ist seit Jahren das einzige Fest in der HafenCity, das von Nachbarn für Nachbarn organisiert wird. 2025 war es mit über 1.000 Besuchern das größte Fest überhaupt.
2026 fiel es buchstäblich ins Wasser – es regnete von Beginn des Aufbaus bis zum letzten Akt auf der Bühne am Abend. Auch wenn es der übersichtlich kleinen, wetterfesten Feiergemeinde wie immer viel Spaß gemacht hat, war es doch insgesamt eine große Enttäuschung für die vielen ehrenamtlich Aktiven vor und hinter der Bühne. Schade vor allem auch deshalb, weil nie zuvor so viele Initiativen und Organisationen aus dem Stadtteil zum Mitmachen dabei waren – und auch dem Regen trotzten. Sie alle hätten trockenes Wetter und größeren Zuspruch aus dem Quartier verdient gehabt.
Zwischenruf
Die 17 Jahre Netzwerk HafenCity e. V. sind eine ehrenamtliche, nachbarschaftliche Erfolgsgeschichte. Jetzt sollte man die Chance im weiter wachsenden Stadtteil zu einer frischen, jüngeren nachbarschaftlichen Identität nutzen – und auch neue Ehrenamtliche dazugewinnen. Die u. a. neu geführte Interessengemeinschaft Gewerbe HafenCity (IGH) hat dazu beste Voraussetzungen: Stunde null für attraktive Taten. Neue Besen kehren gut, und Transformation ist auch im Quartier ein notwendiger Prozess für einen Nachbarschaftsverein. Wolfgang Timpe
Was fand die vergangenen Monate statt? Die Arbeitsgemeinschaft Grün, die AG Grün des Netzwerks, hat ein Urban-Gardening-Projekt in direkter Nachbarschaft im Gebiet des Oberhafens in guter Zusammenarbeit mit den dortigen Akteuren, dem Nabu und dem Bezirk begonnen. Für ihre Arbeit zum Erhalt der sogenannten Drachenwiese an der Lippeltstraße konnte sich die AG Grün über Auszeichnungen in den Wettbewerben „Deutschland summt“ und „Coole Orte für Hamburg“ freuen.
Für das kommende Jahr hat sich die AG Grün als Community-Aktion die Pflanzung einheimischer, fruchttragender Sträucher am Spielplatzzaun im Lohsepark vorgenommen und dazu auch schon positives Feedback von den Entwerfern des Lohseparks, den Vogt Landschaftsarchitekten, und die mündliche Zusage der HafenCity Hamburg GmbH bekommen. Damit soll unter anderem die Haussperlings-Population, die in den letzten Jahren um 50 Prozent zurückgegangen ist, zumindest stabilisiert werden.
Die AG Verkehr konnte mit der Zustimmung der Bezirksversammlung und mit Unterstützung der Verkehrsbehörde zu Tempo 30 auf den Nebenstraßen, den sogenannten Bezirksstraßen der HafenCity, einen großen Erfolg verbuchen. Mittlerweile hat das zuständige Bezirksamt Hamburg-Mitte auch die Umsetzung angekündigt. Da die Ehrenamtlichen wie die Politik von der Langsamkeit und der Nichtumsetzung der Verwaltung frustriert sind, plant man kreative Schilderlösungen vor Ort.
Das Netzwerk begreift sich weiterhin als Nachbarschaftsverein für die ganze HafenCity.
Auch der breitere rote Fahrradstreifen auf der Magdeburger Brücke hat seinen Ursprung in den langjährigen Bemühungen der AG Verkehr. Die AG kümmert sich darüber hinaus auch um das Problem der Luftbelastung vor allem durch Kreuzfahrtschiffe, die das Landstromangebot der HPA und ihrer Kreuzfahrttochter Cruise Gate Hamburg (CGA) am Cruise Center HafenCity im Westfield-Quartier kaum nutzen und ihre Schweröl-Dieselaggregate am Kreuzfahrtterminal weiterlaufen lassen. Die zentrale Forderung des Netzwerks ist, dass Schiffe, die keinen Landstrom annehmen, in Steinwerder anlegen sollten, wo es keine Wohnbebauung gibt.
Zusätzlich zu den sichtbaren Themenfeldern Verkehr und Grün ist das Netzwerk auch mit der AG Soziales und der AG Kinder und Jugend aktiv. Es bringt die sechs verschiedenen sozialen Träger des Stadtteils, von der Alsterdorf Assistenz West im Baakenhafen bis zum inklusiven Wohnprojekt Leben mit Behinderung in der Shanghaiallee, regelmäßig zusammen und setzt sich, zusammen mit Jugendlichen und Eltern, für mehr Begegnungs- und Aktivitätsorte für Jugendliche ein.
Gewerbetreibende haben sich im Netzwerk HafenCity e. V. in der Interessengemeinschaft Gewerbe HafenCity (IGH) zusammengeschlossen und in diesem Jahr auch wieder regelmässig zum Austausch und Netzwerken getroffen. Auf der Mitgliederversammlung wurde angekündigt, daß das derzeitige Sprecherteam zurückgetreten ist und mit einem neuen Team ein Neuanfang nötig ist.
Und schließlich hat die AG Baakenhafen auch Bewohner des jüngsten Viertels der HafenCity mit ihren besonderen Interessen, zum Beispiel bessere Busanbindungen, in das Netzwerk eingebracht. So kann sich das Netzwerk weiterhin als Nachbarschaftsverein für die ganze HafenCity begreifen.
Alle AGs und das Netzwerk insgesamt können natürlich nur so stark sein wie ihre Mitglieder. Deshalb wurde auf der Mitgliederversammlung auch immer wieder um zusätzliche Mitstreiter:innen geworben. Die meisten AGs haben feste Zeiten und Orte für ihre Treffen, die Interessierte auf der Website des Netzwerks finden können. Dort hat man nach einer Auffrischung die ehrenamtliche Arbeit nicht mehr als AGs aufgeführt, sondern präsentiert die unterschiedlichsten Projekte und die Kontakte, um sich unkompliziert zu informieren und Lust aufs Mitmachen zu bekommen.
Aus dem Bericht des Vorstands wurde klar, dass die Zeiten, in denen das Netzwerk praktisch der einzige zivilgesellschaftliche Akteur im Quartier war, vorbei sind. Neue Initiativen und vor allem das Quartiersmanagement HafenCity e. V. sind dazugekommen. Das Netzwerk, getreu seinem Namen und seiner ursprünglichen Intention, arbeitet darum immer mehr in Kooperation mit anderen Organisationen, sei es im Bereich Grün mit der Deutschen Wildtier Stiftung oder der Loki Schmidt Stiftung, die ihren Sitz in der HafenCity haben, sei es im Bereich Jugend mit dem Jungen Architekturzentrum Urbaneo oder im Baakenhafen mit dem Betahaus oder der Baugemeinschaft Amigos. Die großen Feste – Sommerfest im Lohsepark und Baakenhafenfest auf dem Amerigo-Vespucci-Platz – wurden vom Quartiersmanagement mit unterstützt. Und im politischen Bereich haben über die letzten Jahre der Bezirk und damit die Bezirksversammlung und das HafenCity Forum nachhaltig an Bedeutung für die HafenCity gewonnen. Sowohl die AG Verkehr als auch die AG Kinder und Jugend haben deshalb für ihre politischen Vorhaben öfter den Weg über das HafenCity Forum gewählt, das den Umsetzungsdruck auf Behörden und Verwaltung mit erhöht.
Es ist klar, dass die Veränderungen im Stadtteil, wie die neue nachbarschaftliche Rolle des Quartiersmanagements und die politische Rolle des Bezirks Hamburg-Mitte, das Netzwerk vor neue Herausforderungen stellen.
In der HafenCity ist Platz für einen eigenen Nachbarschaftsverein „von unten“. Wie dieser Platz aussieht, welche inhaltlichen Schwerpunkte gesetzt werden, muss der Vorstand mit den Mitgliedern in dem weiter wachsenden Quartier immer wieder neu erarbeiten. Dazu hat sich das Netzwerk mit einem neuen, vielfältig ergänzten Vorstand und einem neuen Sprecherteam der Interessengemeinschaft Gewerbe HafenCity im Netzwerk gut aufgestellt.
Das Netzwerk HafenCity e. V. ist ein anerkannter Gesprächspartner für Politik und Verwaltung und ein wichtiger Impulsgeber für die lokale Politik. Die Finanzen sind nicht üppig, aber solide. Der neue Vorstand, mit der wiedergewählten Ersten Vorsitzenden Marianne Wellershoff, vereint langjährige Erfahrung und lokales Wissen mit frischen Vorständen und ihren neuen Ideen und Impulsen.
Es besteht also aller Grund zur Erwartung, dass der Vorstand auch bei der Mitgliederversammlung 2027 hoffentlich über ein erfolgreiches Jahr für den Verein und das Viertel berichten kann.
Wolfgang Weisbrod-Weber
Info
Netzwerk HafenCity e. V., Am Lohsepark 16, 20457 Hamburg. Kontakt: netzwerk-hafencity.de



