Geld macht Musik

Sting lieferte Weltglanz beim Opening des Reeperbahn-Festivals 2021und Motown-Stimme Joy Denalane verzauberte die Gäste

Nicht etwa Alexander Schulz, Gründer und Geschäftsführer des Reeperbahn Festivals, hält bei der von Hadnet Tesfai souverän moderierten Eröffnungsveranstaltung des 16. Reeperbahn Festivals im Operettenhaus die erste Ansprache, sondern Bürgermeister Peter Tschentscher. Er weist auf Englisch darauf hin, dass das Reeperbahn Festival von Anfang an eine Erfolgsstory gewesen ist. Es sei für Musik das, was die Berlinale für den Film sei, konstatiert er. Seiner Ansicht nach hat gerade die Pandemie gezeigt, wie wichtig es ist, Musik live zu erleben.
Foto oben: Sting eröffnete mit seiner neuen Single „Rushing Water“ seines 14. Albums „The Bridge“, das am 18. November erscheinen soll. © Niklas Heinecke

Nachdenkliches zur Eröffnung von Kulturstaatsministerin Monika grütters: „Geld ist nicht alles“, sagt sie, „aber es eröffnet Möglichkeiten.“ © Niklas heinecke
Nachdenkliches zur Eröffnung von Kulturstaatsministerin Monika grütters: „Geld ist nicht alles“, sagt sie, „aber es eröffnet Möglichkeiten.“ © Niklas Heinecke

Seine Worte reißen das Auditorium nicht unbedingt mit. Kein Wunder: Im Publikum sitzen hauptsächlich Vertreter:innen der Musik- und Veranstaltungsbranche. Sie hätte sich vom Bürgermeister eher eine Aussicht auf Zukunftsperspektiven gewünscht. Substanzieller ist das, was Kulturstaatsministerin Monika Grütters sagt. Sie redet einfach auf Deutsch und lässt für die internationalen Gäste eine englische Übersetzung auf eine Leinwand projizieren. Das gibt ihr die Möglichkeit, mehr Inhalt zu vermitteln. Sie berichtet, dass das Reeperbahn Festival zu 80 Prozent vom Bund finanziert wird. Es sei ein Leuchtturm für den Musikstandort Deutschland.

Die K-Pop-Band Drippin, die das Schwerpunktland Korea repräsentiert, muss sich auf einen virtuellen Auftritt beschränken. © Niklas Heinecke
Die K-Pop-Band Drippin, die das Schwerpunktland Korea repräsentiert, muss sich auf einen virtuellen Auftritt beschränken. © Niklas Heinecke

Auch auf die pandemiebedingten Turbulenzen in der Musikbranche geht Monika Grütters ein. Sie stellt in ihrem Grußwort die erhebliche Verstärkung der Fördermittel für populäre Musik heraus, die der Bund in den vergangenen 18 Monaten auf den Weg gebracht hat. „Geld ist nicht alles“, sagt sie. „Aber es eröffnet Möglichkeiten.“ Auch auf dem Gebiet der Diversität und der Chancengleichheit für Frauen. Auf diesem Gebiet hat die Sparte Musik laut Monika Grütters „erheblichen Nachholbedarf“. Deshalb förderte der Bund eine Studie zur Geschlechtervielfalt in der Musikwirtschaft und zur Musiknutzung in Deutschland – sie wurde von der Initiative Keychange, die unterrepräsentierte Geschlechter mit Schulungen oder Mentoring unterstützt, und der von der Schauspielerin Maria Furtwängler und ihrer Tochter Elisabeth gegründeten MaLisa Stiftung in Auftrag gegeben. Das Ergebnis belegt: Frauen und Männer nehmen die Situation recht unterschiedlich wahr. Während jede dritte Frau denkt, sie selbst verdient weniger als Männer in der gleichen Position, sehen Männer die Einkommen eher ausgeglichen. Aus den Umfragen haben sich vor allem drei zentrale Kritikpunkte ergeben: Aufgrund einer fehlenden Risikobereitschaft werden selten mutige Entscheidungen zur Förderung von Künstlerinnen getroffen. Es gibt immer noch Stereotypisierungen, das heißt, Frauen gelten eher als schwach. Zudem behindern männliche Netzwerke die Entwicklung von Frauen. Dennoch spricht sich nur jede zweite Frau für eine Quotenregelung aus. Einfach weil sie im Job mit ihrer Leistung überzeugen will, statt eine Position dank ihres Geschlechts zu bekommen.

Die Sängerin Joy Denalane interpretiert beim Opening einen Song, danach bestreitet sie das Eröffnungskonzert im Operettenhaus. Mit vielen Stücken ihres aktuellen Albums „Let yourself be loved“. © Finn Freund
Die Sängerin Joy Denalane interpretiert beim Opening einen Song, danach bestreitet sie das Eröffnungskonzert im Operettenhaus. Mit vielen Stücken ihres aktuellen Albums „Let yourself be loved“. © Fynn Freund

Nach diesen theoretischen Ausführungen leitet Sting den musikalischen Part der Auftakt-Gala mit seiner neuen Single „Rushing Water“ ein. Sie ist ein Vorbote seines 14. Albums „The Bridge“, das am 18. November erscheint. Der Plattentitel kommt nicht von ungefähr. „Wir suchen alle Brücken heraus aus der Pandemie oder aus dem Klimawandel“, sagt der Brite, der ganz am Schluss noch den Police-Klassiker „Every Breath you take“ singt. Auch die Newcomerin Griff – sie wurde bei den diesjährigen Brit Awards mit dem „Rising Star Award“ ausgezeichnet – darf sich live präsentieren. Die K-Pop-Band Drippin, die das Schwerpunktland Korea repräsentiert, muss sich auf einen virtuellen Auftritt beschränken. Live vor Ort ist dagegen das Duo Ätna, es gewann 2020 den Anchor Award.

Die sechs Kandidat:innen, die in diesem Jahr nominiert sind, stellt die Jury um den Musikproduzenten Tony Visconti vor. Neben ihm entscheiden die Sänger:innen Emeli Sandé, Yvonne Catterfeld, Tayla Parx, Tom Odell und Jacob Banks, wer den Preis bekommt. Um diese Auszeichnung buhlen Florence Arman, Oska, May the Muse, Yard Act, PVA und Lie Ning.

Die Sängerin Joy Denalane gehört dagegen längst zu den etablierten. Beim Opening interpretiert sie einen Song, danach bestreitet sie das Eröffnungskonzert im Operettenhaus. Mit vielen Stücken ihres aktuellen Albums „Let yourself be loved“. Es ist bei Motown erschienen. Damit ist die Berlinerin die erste deutsche Künstlerin, die eine Platte bei diesem legendären Label veröffentlicht hat. Dass sie das nicht zuletzt ihrer großartigen Stimme verdankt, beweist sie an diesem Abend einmal mehr. Dagmar Leischow

INFO Das Reeperbahn Festival läuft noch bis zum 25. September. Weitere Informationen unter www.reeperbahnfestival.com

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