Grüne Vorfahrt

Die Hauptverkehrsader Versmannstraße wird ab Sommer 2020 beruhigt und die Radfahrer bekommen ihre eigene Spur. Bericht und „3 Fragen an …“ Prof. Jürgen Bruns-Berentelg, Geschäftsführer HafenCity Hamburg GmbH

Die Erleichterung ist bei allen zu spüren. Die vierspurig geplante Versmannstraße, die ab Sommer 2020 die südliche Hauptverkehrsader von den Elbbrücken in die HafenCity hinein und heraus bildet, soll künftig in einer Testphase für fünf Jahre nur zwei- statt vierspurig geführt werden. Folge: Deutlich weniger Verkehr in der HafenCity, eine eigenständige Fahrradstraße und ein abgetrenneter Lkw-Verkehr zu den Baustellen im Baakenhafen- und Elbbrückenquartier.
(Illustration oben: ©Uwe C. Beyer / freihafen.de)

Prof. Jürgen Bruns-Berentelg: „Dass das Verkehrsaufkommen deutlich begrenzt und die Störung des fließenden Verkehrs durch Baustellenfahrzeuge wegfällt. Und der Fahrradverkehr hat absolute Vorfahrt auf seiner exklusiven Fahrradspur.“ ©Wolfgang Timpe
Prof. Jürgen Bruns-Berentelg, Geschäftsführer HafenCity Hamburg GmbH:
„Dass das Verkehrsaufkommen deutlich begrenzt und die Störung des
fließenden Verkehrs durch Baustellenfahrzeuge wegfällt. Und der Fahrradverkehr hat absolute Vorfahrt auf seiner exklusiven Fahrradspur.“ ©Wolfgang Timpe

Wolfgang Weber-Weisbrod, Vorstandsmitglied beim Ha-fen-City Netzwerk e.V. und Leiter der Verkehrs AG, ist froh, dass sich das dicke Bretter bohren gelohnt hat: „Wir sind zuversichtlich, dass diese Maßnahme zu einer Verkehrsberuhigung beitragen und zu weniger Lärm und weniger Schadstoffbelastung führen wird. Und trotzdem kann noch jeder, der will oder muss, seine Wohnung, seinen Arbeitsplatz oder seine Einkaufsstätte auch per Auto erreichen.“

„Wir sehen die Entscheidung der HCH, die Versmannstraße vorerst als ,Reallabor‘ zweispurig zu führen, auch als einen schönen Erfolg des nachbarschaftlichen Engagements.“ ©Wolfgang Timpe
Wolfgang Weisbrod-Weber, Vorstand im Netzwerk HafenCity e.V.:
„Wir sehen die Entscheidung der HCH, die Versmannstraße vorerst als ,Reallabor‘ zweispurig zu führen, auch als einen schönen Erfolg des nachbarschaftlichen
Engagements.“ ©Wolfgang Timpe

Entschieden hat die HafenCity Hamburg GmbH (HCH) in Abstimmung mit den zuständigen Stellen. Und ihr Geschäftsführer Jürgen Bruns-Berentelg findet, dass das „eine gute Nachricht für die HafenCity“ ist (siehe Interview u.). Bislang ging man bei Prognosen des Verkehrsplanungsbüros Argus von circa 50.000 Kfz/Tag aus. Jetzt kalkulieren die Verkehrshochrechner auf der zweispurigen Versmannstraße mit etwa 21.000 Kfz/Tag im Vergleich zu 36.500 Kfz/Tag bei einer vierspurigen Führung. Diese Verringerung ist auf den gesenkten Durchgangsverkehr zurückzuführen.

„Die zweispurig geführte Versmannstraße ist für uns als Bauherr auch ein Real-Labor, weil ab 2022 durch die Eröffnung des südlichen Überseequartiers die Verkehre noch deutlich zunehmen werden. Damit wird die zweispurige Lösung zwischen 2020 bis 2025 zum Testfall.“ ©Thomas Hampel
Prof. Jürgen Bruns-Berentelg: „Die zweispurig geführte Versmannstraße ist für uns als Bauherr auch ein Real-Labor, weil ab 2022 durch die Eröffnung des südlichen Überseequartiers die Verkehre noch deutlich zunehmen werden. Damit wird die zweispurige Lösung zwischen 2020 bis 2025 zum Testfall.“ ©Thomas Hampel

Zum Vergleich: Zur Zeit fahren über die Versmannstrassen-Umgehung etwa 14.000 Kfz/Tag. Es wird also mit der engültigen Öffnung zu den Elbbrücken und der zunehmenden Fertigstellung der HafenCity, vor allem des südlichen Überseequartiers, zu einer Zunahme des Verkehrs in und durch die zentrale HafenCity kommen. Doch ist mit einer deutlich geringeren Zunahme bei einer zweispurigen Versmannstraße zu rechnen. 

Wolfgang Weisbrod-Weber, Leiter der Verkehrs AG im Netzwerk HafenCity und Interessenvertreter der Anwohner: „Wir sehen die Entscheidung der HCH, die Versmannstraße vorerst als ,Reallabor‘ zweispurig zu führen, auch als einen schönen Erfolg des nachbarschaftlichen Engagements.“ Wolfgang Timpe

3 Fragen an…

Prof. Jürgen Bruns-Berentelg

über die Verkehrsführung der Versmannstraße

1 Herr Bruns-Berentelg, die Versmannstraße – die Hauptverkehrsader von den Elbbrücken in die HafenCity – soll ab Sommer 2020 zwei- statt vierspurig geführt werden. Warum? Im Sommer 2020 wird die Versmannstraße für den Verkehr frei gegeben. Die heutige Umgehung der Versmannstraße am Elbufer muss außer Betrieb genommen werden, da dort die Häuser schrittweise bezogen werden. Wir haben uns in Abstimmung mit der Verkehrsbehörde und der Polizei darauf geeinigt, die Versmannstraße für eine Versuchsperiode von fünf Jahren zwei- anstatt vierspurig zu organisieren. Die Verkehre werden künftig getrennt: Die heutigen zwei Fahrspuren der Versmannstraße entlang der Bahn werden ab Juni 2020 zweispurig im Gegenverkehr in die HafenCity hinein und heraus geführt. Die beiden südlichen  Spuren werden – voneinander abgegrenzt – jeweils exklusiv durch den Radverkehr sowie die Lkw-Baufahrzeuge und den Anliegerverkehr genutzt. 

2 Was bedeutet das für die HafenCity? Dass das Verkehrsaufkommen deutlich begrenzt und die Störung des fließenden Verkehrs durch Baustellenfahrzeuge wegfällt. Und der Fahrradverkehr hat absolute Vorfahrt auf seiner exklusiven Fahrradspur. Wir haben damit auch Vorschläge des Netzwerks HafenCity aufgegriffen, die diese u.a. im Rahmen eines von der HafenCity Hamburg GmbH organisierten Verkehrsworkshops entwickelt hatten.

3 Das neue Verkehrskonzept ist bis 2025 befristet. Warum? Weil bis 2025 im Baakenhafen- und Elbbrückenquartier gebaut wird. Und für dieses  Projekt, die technisch begründete Entkoppelung des Durchgangsverkehrs, wollen wir die Verkehrsströme mit belastbaren Zahlen abbilden. Die zweispurig geführte Versmannstraße ist für uns als Bauherr auch ein Real-Labor, weil ab 2022 durch die Eröffnung des südlichen Überseequartiers die Verkehre noch deutlich zunehmen werden. Damit wird die zweispurige Lösung zwischen 2020 bis 2025 zum Testfall. Wolfgang Timpe

Prof. Jürgen Bruns-Berentelg  ist seit 2003 Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH (HCH). 

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