»Immer besser werden«

Die HafenCity Zeitung traf Popstar Sting: Der Singer-Songwriter über sein neues Album „The Bridge“ und seine indirekten Corona-Kompositionen

Pünktlichkeit ist für Sting eine Selbstverständlichkeit. Bereits einige Minuten vor der vereinbarten Zeit betritt der britische Musiker die Interviewsuite im Hotel Hyatt. Er ist ganz in Schwarz gekleidet. Höflich begrüßt er alle Anwesenden: die Mitarbeiterinnen seiner Plattenfirma, seine Assistentin, die Journalistin. Nach einer Nacht im Tourbus bittet er um einen Cappuccino. Danach ist der 70-Jährige bereit für ein Gespräch über sein 14. Album „The Bridge“, das sich dem geschmeidig arrangierten Pop verschreibt. Teilweise mit Folk- oder Rockeinflüssen.
Foto oben: Singer-Songwriter Sting: „Gegenwärtig ist jeder von uns auf der Suche nach einer Brücke in eine bessere Zukunft.“ © Eric Ryan Anderson

Sting, wie hat sich Ihr erster Auftritt nach dem Lockdown angefühlt? Großartig. Ich gab bei einem Jazzfestival in Frankreich in einem alten Amphitheater ein Konzert. Im Publikum saßen 7.000 Menschen, allerdings mit viel Abstand voneinander. Das war nicht nur für mich und meine Band ein schöner Moment, sondern auch für das Publikum. Ich spürte, wie gut es den Leuten tat, endlich wieder Musik genießen zu können.

Wie sind Sie vor der Show mit all den Einschränkungen, die die Corona-Krise mit sich gebracht hat, zurechtgekommen? Eigentlich nicht schlecht. Ich verbrachte die Lockdowns in meinem Haus in England, wo ich ein eigenes Studio habe. Dorthin zog ich mich gleich morgens zurück. Bis zum Abendessen schaute ich einfach, was passierte. Denn Kreativität kann man nicht erzwingen.

n Corona-Zeiten geschrieben und produziert: Sting-Album „The Bridge“. © Intershop Records
In Corona-Zeiten geschrieben und produziert: Sting-Album „The Bridge“. © Intershop Records

Wie sehr haben Sie während dieser Phase das Reisen vermisst? Ich fand es gar nicht so schlecht, mal jede Nacht im selben Bett schlafen zu können. Außerdem konnte ich mehr Zeit als sonst mit meiner Frau verbringen, das habe ich extrem genossen. Oder ich bin einfach mit meinem Hund im Garten spazieren gegangen. Sie sehen: Ich kann mich nicht beklagen. Doch ich weiß natürlich, dass nicht jeder in so einer komfortablen Situation wie ich war. Wenn jemand mit drei Kindern und einem Goldfisch in einem Hochhaus festsaß, war das sicher kein Vergnügen. Ich habe mit diesen Menschen gefühlt, die in so einer misslichen Lage waren. Tatsache ist: Wir haben noch lange nicht all die Probleme hinter uns gelassen, die die Pandemie mit sich gebracht hat.

Wie viel Einfluss hatte dieses Wissen auf Ihre neuen Lieder? Keinen bewussten. Ich habe mir nie vorgenommen, Corona-Stücke zu schreiben. Erst hinterher habe ich realisiert, was alle Charaktere in meinen Songs verbindet: Sie sind in einer Übergangsphase. Zwischen zwei Lieben. Zwischen Leben und Tod. Zwischen Krankheit und Gesundheit. Ich denke, gegenwärtig ist jeder von uns auf der Suche nach einer Brücke in eine bessere Zukunft. Raus aus der Pandemie, aus dem Klimawandel, aus der Flüchtlingskrise – das hängt doch alles irgendwie zusammen.

Heißt Ihr Album deshalb „The Bridge“? Ja. Den gleichnamigen Song habe ich erst am Schluss geschrieben. Natürlich habe auch ich keine Lösung für all die Probleme parat, die ich eben aufgezeigt habe. Aber ich weiß: Ohne Empathie wird man sie nicht überwinden können. Darum schwingt in meinen Nummern Mitgefühl mit. Es ist immer hilfreich, sich in die Situation eines anderen Menschen hineinzuversetzen.

Galt das auch, als Sie Liebeslieder wie „For her Love“ oder „It it’s Love“ geschrieben haben? In gewisser Weise schon. Ich mag keine „Ich liebe dich, du liebst mich“-Titel. Sie langweilen mich bloß! Wesentlich spannender ist es für mich als Songschreiber, diese „Ich liebe dich, aber du liebst einen anderen“-Konstellation zu erkunden. Auf diesem Gebiet kenne ich mich altersbedingt aus, schließlich kann ich auf einige Erfahrungen in Sachen Liebe zurückblicken. Ich habe mich verliebt, ich habe mich entliebt. Ich bin mit dem gesamten Spektrum an Gefühlen vertraut – von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt. Heute haben meine Liebeslieder Authentizität, weil ich nicht mehr so unerfahren wie ein Teenager bin.

Hätten Sie sich als 20-Jähriger vorstellen können, dass Sie mit 70 immer noch Musik machen würden? Als junger Mann hatte ich den Ehrgeiz, Musiker zu werden. Von einem Aufstieg zum Popstar habe ich gar nicht geträumt. Das hat sich eher zufällig ergeben. Heute ist es mein Ziel, mich weiterhin als Musiker zu behaupten und in meinem Job immer besser zu werden. Ich kann mir beim besten Willen nicht vorstellen, die Musik plötzlich an den Nagel zu hängen – dafür liebe ich sie einfach zu sehr. Interview: Dagmar Leischow

INFO KONZERTE Sting tritt Mittwoch, 30. März, 20 Uhr, in der Barclays Arena und am Samstag, 25. Juni, 20 Uhr, im Stadtpark auf. Tickets: www.ticketmaster.de

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

− 1 = 2