Katharsis – die Elbphilharmonie erneuert sich

Die Elbphilharmonie schließt freiwillig bis 27. Januar ihre Türen. Ein Gespräch mit Elphilharmonie-Pressechef Tom R. Schulz

Alle Kultureinrichtungen hat es 2020 hart gebeutelt. Sie wurden zuerst in den Lockdown geschickt und durften zuletzt wieder öffnen. Die Elbphilharmonie machte da keine Ausnahme, obwohl sie ein gutes Hygienekonzept hat, an dem selbst Virologen wie Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut nichts zu bemängeln hatten. „Die Schließungen haben uns geschmerzt“, räumt Tom R. Schulz, Pressesprecher der Elbphilharmonie, ein.
Foto oben: Die große Elbphilharmonie-Orgel wird gereinigt; Pressesprecher Tom R. Schulz: „Wir hoffen aber, dass im Frühjahr und Sommer wieder europäische Orchester bei uns gastieren werden.“ © Peter Hundert | Elbphilharmonie

Auf der einen Seite blieben die Musik- oder Theatersäle leer, andererseits erledigten die Menschen in überfüllten Einkaufszentren ihre Weihnachtseinkäufe. Solche Bilder erweckten den Eindruck, dass da mit zweierlei Maß gemessen wurde. „Wieso ist ein Kirchenbesuch möglich gewesen, aber ein Konzerthausbesuch nicht?“, fragt Schulz. So richtig zürnt er denen, die den Kurs durch die Pandemie abstecken, allerdings nicht: „Die aktuelle Situation ist wahnsinnig schwer zu beherrschen. Ich möchte nicht in der Haut der Politiker stecken, die all diese Entscheidungen treffen müssen.“

Auf der einen Seite blieben die Musik- oder Theatersäle leer, andererseits erledigten die Menschen in überfüllten Einkaufszentren ihre Weihnachtseinkäufe. Solche Bilder erweckten den Eindruck, dass da mit zweierlei Maß gemessen wurde. „Wieso ist ein Kirchenbesuch möglich gewesen, aber ein Konzerthausbesuch nicht?“, fragt Elbphilharmonie-Pressesprecher Tom R. Schulz.© 5Rhythmentom.de | Tom R. Schulz
Auf der einen Seite blieben die Musik- oder Theatersäle leer, andererseits erledigten die Menschen in überfüllten Einkaufszentren ihre Weihnachtseinkäufe. Solche Bilder erweckten den Eindruck, dass da mit zweierlei Maß gemessen wurde. „Wieso ist ein Kirchenbesuch möglich gewesen, aber ein Konzerthausbesuch nicht?“, fragt Elbphilharmonie-Pressesprecher Tom R. Schulz.© 5Rhythmentom.de | Tom R. Schulz

Bis zum 10. Januar haben sie bekanntlich das gesamte Land wieder in einen harten Lockdown geschickt. Wie es danach weitergeht, steht noch in den Sternen. In Anbetracht dessen haben die für den Betrieb von Elbphilharmonie und Laeisz-halle verantwortlichen Gesellschaften – HamburgMusik GmbH sowie Elbphilharmonie und Laeiszhalle Betriebsgesellschaft (ELBG) – beschlossen, die entstehende Pause im Großen Saal der Elbphilharmonie bis zum 27. Januar zu verlängern. „Veranstalter, die den Saal in dieser Zeit gemietet hatten, haben bereits von sich aus einen Rückzieher gemacht“, sagt Schulz. „Im Moment sind eben alle vorsichtig.“ 

Diese Zurückhaltung nutzt die Elbphilharmonie nun, um aus der Not eine Tugend zu machen. Sie hat die ursprünglich für die Sommermonate geplante Generalreinigung der Orgel vorgezogen, durchgeführt wird sie von der Orgelbauwerkstatt Klais aus Bonn, die das Instrument auch gebaut hat. Diese früher als geplant angesetzte Aktion bringt einen ganz entscheidenden Vorteil mit sich: Die Sommerpause fällt nicht so lang wie sonst aus, sie geht lediglich vom 12. bis 25. Juli. „Die verkürzte Sommerpause“, so Schulz, „eröffnet manchen Veranstaltern die Chance, wenigstens einen Bruchteil der Konzerte, die seit März ausgefallen sind, nachzuholen.“

Welche Auftritte schlussendlich wirklich realisiert werden können, wird die Zukunft zeigen. „Ich rechne nicht damit, dass US-amerikanische Orchester zu uns kommen werden“, wagt Schulz eine Prognose. „Wir hoffen aber, dass im Frühjahr und Sommer wieder mehr europäische Orchester bei uns gastieren werden.“ Besonders „Ostern in der Elbphilharmonie“ mit dem Chor und Orchester des Bolschoi-Theaters einerseits und dem Chor und Orchester des Mariinski-Theaters andererseits würde er ungern ausfallen lassen: „Natürlich träumen wir davon, diese beiden rivalisierenden russischen Häuser bei uns zu haben.“

Der Jahreswechsel dagegen wird in der Elbphilharmonie nicht so bombastisch ausfallen. Es gibt keine Live-Veranstaltungen. Alternativ wird „Die Fledermaus“, mit der das Haus den Jahreswechsel 2018/19 feierte, am 31. Dezember gestreamt. Diese von Michael Sturminger inszenierte Produktion mit dem NDR Elbphilharmonie Orchester, Manfred Honeck am Pult und Solisten wie Katharina Konradi, Caroline Peters oder Bo Skovhus präsentiert eine unterhaltsame Version des Johann-Strauß-Klassikers. Sie steht anschließend sieben Tage als Video-on-Demand zur Verfügung. Dagmar Leischow

INFO http://www.elbphilharmonie.de

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