»Klimaschutz können wir nicht allein durch Fahrradwege und Gründächer erreichen.«

Exklusiv im HCZ-Gespräch: Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher über die neue 2G-Regel in der Pandemie, die Wahlkampfkandidaten Olaf Scholz und Falko Droßmann sowie die Zukunft der HafenCity

Der Regierungschef (SPD) über die neue 2G-Regel, Kanzlerkandidat Olaf Scholz und Bezirkschef Falko Droßmann sowie die HafenCity. Treffpunkt Rathaus. Der Senatschef hat soeben die neuen Corona-Lockerungen für Geimpfte und Genesene in Hamburg verkündet, die Tourismus, Sport und Kultur sowie Gastronomie Musik- und Veranstaltungsindustrie helfen sollen. Er kommt erleichtert zum Gespräch mit der HafenCity Zeitung. Und ein wenig Grünen-Bashing darf auch sein: „Wir können als großer Industriestandort und Zentrum einer Metropolregion von fünf Millionen Menschen den Klimaschutz nicht allein durch Fahrradwege und Gründächer erreichen.“ Wumms. Lesen Sie mal!
Bild oben: Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher: „Wir können als großer Industriestandort und Zentrum einer Metropolregion von fünf Millionen Menschen den Klimaschutz nicht allein durch Fahrradwege und Gründächer erreichen. Die Anforderungen in der Industrie, der Logistik, im Verkehr und dem Gebäudesektor sind so groß, dass wir die Aufgaben nicht unterschätzen dürfen. Vor allem in der Industrie brauchen wir große technologische Fortschritte, zum Beispiel in den Kupfer-, Stahl- und Aluminiumwerken. Dort produziert man schon heute mit deutlichen weniger CO2-Emissionen als im weltweiten Durchschnitt. Das ist der Weg, den wir fortsetzen müssen. Wir wollen die Industrie durch technologischen Fortschritt wettbewerbsfähig und klimafreundlich machen.“ 

Der SPD-Politiker und Bürger Peter Tschentscher über den Kanzlerkandidaten Olaf Scholz: „Ich kenne Olaf Scholz seit über 20 Jahren und halte ihn für einen der besten Politiker Deutschlands. Seine Erfahrung, seine Ambitionen und Durchsetzungskraft machen sich jetzt im Wahlkampf bemerkbar. Er ist als Kanzlerkandidat sehr überzeugend. Er benennt nicht nur Ziele, sondern hat auch Pläne, um sie zu erreichen. Und da in Deutschland in den nächsten Jahren unglaublich viel zu tun ist, wächst von Tag zu Tag die Erkenntnis, dass Olaf Scholz eine sehr gute Wahl ist.“ © Catrin-Anja Eichinger
Der SPD-Politiker und Bürger Peter Tschentscher über den Kanzlerkandidaten Olaf Scholz: „Ich kenne Olaf Scholz seit über 20 Jahren und halte ihn für einen der besten Politiker Deutschlands. Seine Erfahrung, seine Ambitionen und Durchsetzungskraft machen sich jetzt im Wahlkampf bemerkbar. Er ist als Kanzlerkandidat sehr überzeugend. Er benennt nicht nur Ziele, sondern hat auch Pläne, um sie zu erreichen. Und da in Deutschland in den nächsten Jahren unglaublich viel zu tun ist, wächst von Tag zu Tag die Erkenntnis, dass Olaf Scholz eine sehr gute Wahl ist.“ © Catrin-Anja Eichinger

Herr Tschentscher, Sie haben sich in der Pandemie mit einer konsequent vorsichtigen Corona-Strategie profiliert. Jetzt gilt seit Ende August die „2G“-Öffnungsstrategie (geimpft und/oder genesen) bei einer schwankenden Inzidenzzahl zwischen 70 bis 90. Macht sich Hamburgs Erster Bürgermeister jetzt locker? Nein. Wir bleiben bei unserem konsequenten Kurs. Je nach Pandemielage unternehmen wir alle notwendigen Schritte, um eine Überlastung des Gesundheitswesens zu vermeiden und einen möglichst hohen Infektionsschutz zu erreichen – aber auch, um die Folgen für die Teilhabe, die Bildung und die Wirtschaft gering zu halten. Inzwischen haben wir eine hohe Impfquote. Zwei Drittel aller Hamburgerinnen und Hamburger haben mindestens eine Erstimpfung, der Großteil von ihnen ist schon vollständig geimpft. Mit der 2G-Option kann in vielen Bereichen auf bisherige Einschränkungen verzichtet werden, das ist auch aus rechtlicher Sicht geboten. Das Konzept bietet mehr Sicherheit und gibt Freiheiten zurück, die wir uns sehr gewünscht haben.

VITA: Dr. Peter Tschentscher ist seit 28. März 2018 Erster Bürgermeister der Freien und Hansestadt Hamburg. Er holte im Februar 2020 bei der Bürgerschaftswahl mit 39,2 Prozent für die SPD ein Spitzenergebnis und führt seit seiner Wiederwahl als Erster Bürgermeister am 10. Juni 2020 den rot-grünen Senat „Tschentscher II“. Neben seinem Wahlerfolg, den er als Landesvater, der „die ganze Stadt“ im Blick habe, erreichte, profilierte sich der Labormediziner bundesweit als Mitglied des Bundesrats und Hamburger Stimme in der Pandemie mit einer konsequenten Corona-Strategie, die die Bundeskanzlerin Angela Merkel respektierte. 
Der 55-jährige gebürtige Bremer machte am Gymnasium Eversten in Oldenburg sein Abitur, studierte an der Uni Hamburg Humanmedizin und Molekular­biologie, promovierte 1995 zum Dr. med. und habilitierte 2008 auf dem Gebiet der Klinischen Chemie und Laboratoriumsmedizin. Von 2011 bis 2018 war Peter Tschentscher unter seinem Vorgänger Olaf Scholz, aktuell Kanzlerkandidat der SPD für die am 26.09.21 stattfindende Bundestagswahl, Finanzsenator im Hamburger Senat. Tschentscher arbeitete ab 1994 als Assistenzarzt in der Laboratoriumsmedizin, Inneren Medizin, Transfusionsmedizin und Medizinischen Mikrobiologie und erhielt die Anerkennung als Klinischer Chemiker (2003) und Facharzt für Labor­medizin (2006). Peter Tschentscher lebt in Barmbek-Nord, ist verheiratet und hat einen erwachsenen Sohn.

Gastronomie und Hotellerie waren bislang Stiefkinder von Lockerungsmaßnahmen. Bekommen die jetzt mehr Beinfreiheit? Die 2G-Option bedeutet mehr Flexibilität und Normalität für viele Bereiche, auch für den Tourismus, den Sport mit Publikum, für Kinos und Musikveranstaltungen. Einschränkungen wie stark begrenzte Teilnehmerzahlen oder große Tischabstände sind dann nicht mehr notwendig. Bei einer Theatervorstellung zum Beispiel kann der Saal voll besetzt werden. Für Kulturveranstaltungen und das Musikleben gibt es neue Möglichkeiten, die deutlich besser sind als bisher.  

Hat Ihnen in der Pandemie Ihre Qualifikation als Labormediziner geholfen, sachlich und restriktiver zu bleiben als andere? Mir persönlich hat der medizinische Hintergrund sehr geholfen, weil er die Orientierung und die Einordnung von Sachverhalten erleichtert. Gleichwohl sind die politischen Fragen, die Abwägung und das Durchsetzen von Maßnahmen, für mich genauso komplex und schwierig wie für alle anderen.   

Peter Tschentscher, der an den Erfolg des Überseequartiers glaubt, im Sandtorhafen der HafenCity: „Mit der HafenCity verfolgen wir ein zukunftsfähiges und ­modernes Stadtentwicklungskonzept. Die schon fertiggestellten Quartiere werden gut angenommen, mit attraktivem Wohnraum, Einzelhandel, Grünanlagen und vielen Arbeitsplätzen. Hinzu kommen Sport-, Kultur- und Bildungsangebote. Das Überseequartier ist ein wichtiger Baustein für die HafenCity.“ © Jan-Niklas Pries
Peter Tschentscher, der an den Erfolg des Überseequartiers glaubt, im Sandtorhafen der HafenCity: „Mit der HafenCity verfolgen wir ein zukunftsfähiges und ­modernes Stadtentwicklungskonzept. Die schon fertiggestellten Quartiere werden gut angenommen, mit attraktivem Wohnraum, Einzelhandel, Grünanlagen und vielen Arbeitsplätzen. Hinzu kommen Sport-, Kultur- und Bildungsangebote. Das Überseequartier ist ein wichtiger Baustein für die HafenCity.“ © Jan-Niklas Pries

Glauben Sie an die Herden­immunität, werden wir sie erreichen? Das ist keine Glaubensfrage. Es geht darum, dass wir vor den pandemischen Auswirkungen des Coronavirus geschützt sind. Dazu müssen nicht alle, aber die meisten geimpft sein. Und da der Impfstoff nun für alle ab 12 Jahren zur Verfügung steht, setze ich darauf, dass wir mit dem Impfen auch den Ausweg aus der Pandemie finden. 

Was hat sich durch Corona für Sie persönlich verändert? Für mich hat sich das Leben in der Pandemie genau so verändert wie für alle anderen. Ich habe mich jetzt impfen lassen – wie ich es auch anderen empfehle. Der Schutz vor einer Infektion und einer schweren Erkrankung, die insbesondere im höheren Alter gefährlich ist, macht das Leben wieder leichter.   

Inzwischen haben wir eine hohe Impfquote. Zwei Drittel aller Hamburgerinnen und Hamburger haben mindestens eine Erst-impfung, der Großteil von ihnen ist schon vollständig geimpft. Mit der 2G-Option kann in vielen Bereichen auf bisherige Einschränkungen verzichtet werden, das ist auch aus rechtlicher Sicht geboten. Das Konzept bietet mehr Sicherheit und gibt Freiheiten zurück, die wir uns sehr gewünscht haben.«
Peter Tschentscher zur neuen 2G-Corona-Regel

Wann haben Sie das letzte Mal wo Urlaub gemacht? Zuletzt waren wir an der Ostsee und eine Woche in Österreich, als die Regionen jeweils keine Risikogebiete mehr waren. Man kann durch sein Reiseverhalten dazu beitragen, die Infektionslage nicht noch zu verschlechtern. Meine Empfehlung an alle lautet, nicht in Risikogebiete zu reisen. Die Mobilität zwischen einem Risikogebiet und Hamburg war ein starker Faktor in der Pandemie – sowohl im Herbst des vergangenen Jahres als auch in diesem Sommer. 

Sie wurden im März 2018 überraschend Nachfolger von Olaf Scholz als Erster Bürgermeister. Was hat sich seitdem für Sie am stärksten positiv wie negativ verändert? Viele Veränderungen haben zugleich positive und negative Seiten. Wenn man ein solches Amt übernimmt, muss man wissen, dass das öffentliche Interesse an der Person hoch ist. Ich werde auf der Straße erkannt und beobachtet, deshalb hat sich das praktische Leben schon ein bisschen geändert. Das Amt des Ersten Bürgermeisters bietet dafür viele Gestaltungsmöglichkeiten und ist sehr interessant, weil Hamburg so interessant und vielfältig ist. Ich lebe auch persönlich sehr gerne hier. So verbindet sich das Interesse an der Stadt mit meiner politischen Tätigkeit. 

Hat die politische Tätigkeit für Sie etwas angenehm Praktisches und Vielfältiges gegenüber der Labor- und Medizinarbeit? Meine Berufstätigkeit als Arzt und Mediziner im UKE war auch sehr abwechslungsreich, doch die Politik ist noch einmal in einem größeren Rahmen vielfältig und spannend. Ich habe mich bewusst vor zehn Jahren entschieden, Mitglied des Senats zu werden. Diese Entscheidung habe ich nicht bereut, obwohl ich nach wie vor gerne in der Medizin zu Hause bin und mich mit früheren Kollegen austausche. Letztlich ist die Politik eine ganz andere Welt. Das ärztliche Denken – analysieren, die Ursachen ergründen und dann zu handeln – halte ich aber auch in der Politik für wichtig. Zugleich spielen in der Politik viele weitere Faktoren eine Rolle. Es ist ein sehr strittiges und durch unterschiedlichste Interessen geprägtes Feld.

Wir brauchen einen echten Politikwechsel. Und der geht nur mit einem neuen Regierungs­bündnis ohne die CDU und mit Olaf Scholz als Bundeskanzler.«
Peter Tschentscher zur Bundestagswahl

Hat Ihre erfolgreiche Wiederwahl im Februar 2020 das alles noch intensiviert? Was hat das mit Ihnen gemacht? Das war vor allem deswegen bemerkenswert, weil die Bürgerschaftswahl 2020 in einem Umfeld stattfand, in dem die SPD bundesweit sehr schlechte Umfragewerte hatte. Mittlerweile hat sich das gebessert, aber damals mussten wir uns gegen einen harten Bundestrend behaupten. Das war daher ein sehr gutes Ergebnis. Es hat mich und die gesamte  SPD in Hamburg motiviert hat, die Regierungsarbeit so ambitioniert weiterzuführen, wie wir sie 2011 mit dem Wahlsieg von Olaf Scholz begonnen haben. 

Wenn er jetzt als Kanzler­kandidat in der Bundestags­wahl wie Sie seinerzeit 39,2 Prozent erreichen könnte, würden die Champagnerkorken knallen. Das kann man nicht vergleichen. Die Bundespolitik folgt anderen Regeln als die Landespolitik. Keiner der jetzigen Ministerpräsidenten in Deutschland hat ein solches Wahlergebnis erzielt. Die Hamburgerinnen und Hamburger sind sehr zufrieden mit der Arbeit des Senats. Das ist eine große Bestätigung für unsere Politik und natürlich auch für mich, der die Richtlinien bestimmt und die Gesamtverantwortung trägt. 

Was hält der SPD-Politiker und Bürger Peter Tschentscher vom Kanzlerkandidaten Olaf Scholz? Sehr viel. Ich kenne Olaf Scholz seit über 20 Jahren und halte ihn für einen der besten Politiker Deutschlands. Seine Erfahrung, seine Ambitionen und Durchsetzungskraft machen sich jetzt im Wahlkampf bemerkbar. Er ist als Kanzlerkandidat sehr überzeugend. Er benennt nicht nur Ziele, sondern hat auch Pläne, um sie zu erreichen. Und da in Deutschland in den nächsten Jahren unglaublich viel zu tun ist, wächst von Tag zu Tag die Erkenntnis, dass Olaf Scholz eine sehr gute Wahl ist.

Kritiker sagen, ein Bundeskanzler Olaf Scholz sei die Fortsetzung der Angela-Merkel-Politik mit rotem SPD-Anstrich? Nein. Das ist nicht zu erwarten. Wir brauchen einen echten Politikwechsel. Und der geht nur mit einem neuen Regierungsbündnis ohne die CDU und mit Olaf Scholz als Bundeskanzler. 

Das Digital Art Museum ist ein faszinierendes Konzept der digitalen Kunst und des Erlebens der digitalen Welt. Solche besonderen Kultur- und Digital­angebote bereichern unsere Stadt.«  
Peter Tschentscher

Für Hamburg-Mitte tritt im Wahlkreis 18 der Bezirkschef Falko Droßmann für die SPD an. Warum sollen die Wähler:innen ihr Kreuz mit der Erststimme bei ihm machen? Weil er den Wahlkreis, den er in Berlin vertreten möchte, bestens kennt und weil er eine starke Stimme Hamburgs in Berlin sein wird. Falko Droßmann ist ein erfahrener Bezirksamtsleiter, er kennt die Quartiere und Problemlagen Hamburgs aus eigener praktischer Arbeit sehr gut und ist ein kluger Kopf. Er weiß, wie  man Probleme löst und Ziele erreicht. Diese Stärken und seine große Ambition, die er in die Wahlkreiskandidatur einbringt, machen ihn zu einem sehr guten Kandidaten. Deshalb unterstütze ich ihn und seinen Wahlkampf auch sehr gerne. 

Was hat Berlin, was Hamburg nicht hat? Das ist eine lange Liste an Punkten. Hamburg hat viele Eigenschaften, die weder Berlin noch andere Großstädte Deutschlands haben. Wir sind eine große, weltoffene, wirtschaftsstarke und solidarische Stadt. Hamburg wird seit 2011 gut regiert. Wir sind erfolgreich im Wohnungsbau, in der Bereitstellung kostenfreier Kitaplätze für alle Familien, bei der Ganztagsbetreuung an Schulen, in der Wissenschaftspolitik und auch im Klimaschutz. 

Und Berlin? Berlin ist eben Hauptstadt und das Zentrum der Bundespolitik. Wir brauchen im Bund jetzt eine ebenso weitsichtige und entschlossene Regierungsarbeit wie in Hamburg, das nach den schlimmen Jahren der schwarz-grünen Regierung bis 2010 nun wieder aufgelebt und zu einer Zukunftsstadt geworden ist. Die Menschen leben gerne in Hamburg, und wir stellen uns auf die Anforderungen der Zukunft ein: Beim Klimaschutz, beim Ausbau regenerativer Energien, beim Ausbau des Stromnetzes und des Schienennetzes. In der Bundesregierung wurde in den letzten Jahren in vielen Ressorts nicht das abgeliefert, was das Land benötigt.  

Sie haben jüngst den autonom fahrenden Kleinbus Heat in der HafenCity für Publikumsverkehr eingeweiht und setzen auch auf die neun Kilometer lange Teststrecke fürs autonome Pkw-Fahren mit E-Golf-Modellen von VW in der Innenstadt. Warum, was versprechen Sie sich davon? Wir können als großer Industriestandort und Zentrum einer Metropolregion von fünf Millionen Menschen den Klimaschutz nicht allein durch Fahrradwege und Gründächer erreichen. Die Anforderungen in der Industrie, der Logistik, im Verkehr und dem Gebäudesektor sind so groß, dass wir die Aufgaben nicht unterschätzen dürfen. Vor allem in der Industrie brauchen wir große technologische Fortschritte, zum Beispiel in den Kupfer-, Stahl- und Aluminiumwerken. Dort produziert man schon heute mit deutlichen weniger CO2-Emissionen als im weltweiten Durchschnitt. Das ist der Weg, den wir fortsetzen müssen. Wir wollen die Industrie durch technologischen Fortschritt wettbewerbsfähig und klimafreundlich machen.  

Und das häufig benutzte Totschlagargument der Arbeitsplätze? Mit unserer Strategie sichern wir gerade Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Wohlstand in Deutschland. Klimaschutz und Wirtschaft sind kein Widerspruch, wenn man es richtig angeht.

Sie sind oberster Kontrolleur der HafenCity Hamburg GmbH und Fan der HafenCity. Glauben Sie an den Erfolg des südlichen Überseequartiers Westfield? Ja, sonst hätten wir andere Entscheidungen getroffen. Mit der HafenCity verfolgen wir ein zukunftsfähiges und modernes Stadtentwicklungskonzept. Die schon fertiggestellten Quartiere werden gut angenommen, mit attraktivem Wohnraum, Einzelhandel, Grünanlagen und vielen Arbeitsplätzen. Hinzu kommen Sport-, Kultur- und Bildungsangebote. Das Überseequartier ist ein wichtiger Baustein für die HafenCity. 

Anwohner:innen und Kritiker beklagen die zu erwartenden Lärm- und Schadstoffemissionen u.a. durch den Anlieferverkehr, sehen das südliche Überseequartier als Emissions-Spreader. Berechtigt? Nein. Die HafenCity ist ein Stadtteil, in dem wir nach modernsten Grundsätzen planen und bauen. Das bedeutet, dass wir auf gute Bus- und Bahnangebote achten, die E-Mobilität fördern, Radverkehrs- und Carsharing-Angebote schaffen. Das ist Teil unserer Strategie. Was nicht funktioniert ist, dass wir bestimmte Teile des Lebens, des Arbeitens und Wirtschaftens ausblenden. Wir brauchen eine integrierte Gesamtentwicklung, in der Wohnen, Leben und Arbeiten zusammenkommen.  

Die Innenstadt-Kaufleute beklagen die Einzelhandels-Konkurrenz durch das Überseequartier und die HafenCity-Einzelhändler stöhnen nach Jahren des ausbleibenden Publikumsverkehrs. Wie sehen Sie den künftigen Wettbewerb – ab Herbst 2023 mit dem südlichen Überseequartier? Die Innenstädte in Deutschland haben alle eine schwierige Entwicklung hinter sich und müssen sich auf die neuen Trends einstellen. Mit der Zunahme des Onlinehandels und einem veränderten Konsum- und Freizeitverhalten müssen in den Zentren neue Angebote und Konzepte entstehen. Unsere Innenstadt muss vielfältig und interessant sein, mit Angeboten, die über das klassische Shopping hinausreichen. Hamburg ist eine spannende Metropole und soll es auch im Zentrum bleiben, damit der Einzelhandel dort eine sichere Perspektive behält. 

Und was antworten Sie den zum Teil wegen der geringen Frequenz enttäuschten Einzelhändlern der HafenCity? Warum sollen sie durchhalten? Die Nachfrage wird nach der Corona-Krise und mit der weiteren Entwicklung der HafenCity zunehmen. Die neuen Quartiere werden schrittweise fertiggestellt und bezogen. Mittlerweile ist die HafenCity auch ein beliebtes Ausflugsziel für viele Hamburgerinnen und Hamburger sowie auswärtige Gäste. Mit der wachsenden Attraktivität der HafenCity, auch in den Bereichen, die heute noch Baustellen sind, werden Nachfrage und Kaufkraft noch zunehmen. Die Perspektiven sind gut. Jetzt geht es erstmal darum, dass alle gut die Coronakrise überstehen. 

Eines Ihrer Lieblingsprojekte ist das Digital Art Museum aus Tokio, dass der Xing-Gründer Lars Hinrichs für die Stadt in der HafenCity realisieren soll. Wann kommt es wo hin und was begeistert Sie daran? Ich habe mir das Projekt in Tokio selbst angesehen. Das Digital Art Museum ist ein faszinierendes Konzept der digitalen Kunst und des Erlebens der digitalen Welt. Solche besonderen Kultur- und Digitalangebote bereichern unsere Stadt. Die HafenCity ist ein sehr guter Standort für das Projekt, davon sind die Entwickler in Japan und ihre Hamburger Partner überzeugt. 

Was fehlt Ihnen in der HafenCity? Die HafenCity ist ein großer Erfolg unserer Stadtentwicklung, die wir über die ursprünglichen Planungen hinaus fortführen wollen. Mit einem Sprung über die Elbe auf den neuen Stadtteil Grasbrook und mit neuen attraktiven Quartiere für das Leben, Wohnen und Arbeiten im Billebogen und im Hamburger Osten. Das Gespräch führte Wolfgang Timpe

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