Kultur. Die 34. Open Art-Ausstellung auf dem Überseeboulevard zeigt bis 22. April 2027 mit »Kunst vor Anker« vergangene, bestehende und zukünftige Kulturorte – und Toparchitektur
Ist die HafenCity inzwischen so selbstbewusst, dass sie sich selbst zur Ausstellung macht? Kultursenator Dr. Carsten Brosda hat darauf eine klare Antwort. „Die HafenCity zeigt, was sie hat. Und ich finde, wer was zu zeigen hat, der darf das auch zeigen.“ Genau das passiert noch bis zum 22. April 2027 auf dem Überseeboulevard im Zentrum des Quartiers. Die 34. Open Art-Ausstellung trägt den Titel »Kunst vor Anker« und zeigt, wie sich die HafenCity in den vergangenen zwei Jahrzehnten auch kulturell entwickelt hat. 50 großformatige Fototafeln mit detaillierten Erläuterungen führen in der Open-Air-Ausstellung von der Elbphilharmonie über den Oberhafen und die „MS Stubnitz“ bis zu Kulturprojekten, die erst in den kommenden Jahren entstehen werden, wie zum Beispiel die neue Oper auf dem Baakenhöft.
Foto oben: Die Elbphilharmonie mit ihrem wellenförmigen Dach nach dem Entwurf von Herzog & de Meuron ist eine architektonische Hamburg-Ikone am Wasser und zugleich ein Konzerthaus von Weltrang. ©Thies Rätzke
Als Teil des früheren Freihafens war das Gebiet der heutigen HafenCity lange vom städtischen Leben ausgeschlossen. Umso wichtiger war es der HafenCity Hamburg GmbH als städtische Entwicklungsgesellschaft, das Gebiet erlebbar zu machen. Künstlerinnen und Künstler, Partner und Förderer begründen seit mehr als 20 Jahren eine außerordentliche Vielfalt kultureller Nutzungen, die heute Menschen aus aller Welt anspricht.
Die Ausstellung „Kunst vor Anker“ macht diese Entwicklung erlebbar. Sie erinnert an temporäre Projekte, die heute nicht mehr zu sehen sind, dokumentiert Bestehendes und weckt die Vorfreude auf künftige Vorhaben. Die Fotos stammen überwiegend von Hamburger Fotografinnen und Fotografen, die seit Jahren die Entwicklung der HafenCity begleiten, darunter insbesondere Thomas Hampel, Miguel Ferraz Araújo und Stefan Groenveld.

der Kibbelsteg-Brücke mit seinem optimistischen Smiley in der HafenCity – als Aufbruchzeichen des
weiter wachsenden Stadtteils und der optimistischen Stimmung im Quartier. © Miguel Ferraz
Zu sehen sind bekannte Kulturorte, kleine Initiativen, temporäre Projekte und Kunst im öffentlichen Raum. „Kultur ist ein großer Teil der Antwort“, sagt Dr. Andreas Kleinau, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH, auf die Frage, was einen neuen Stadtteil lebendig macht. Künstler seien deshalb schon früh als Pioniere in die HafenCity eingeladen worden. Dabei gehe es nicht nur um große Häuser. Kultur entstehe auch „spontan, in privaten Räumen oder dort, wo Menschen selbst Ideen entwickeln“.
Ein wichtiger Blick der Ausstellung richtet sich deshalb nach vorn. Dazu gehört vor allem die geplante neue Oper am Baakenhöft. Dr. Jörg Dräger, Vizepräsident der Kühne-Stiftung, betont im Gespräch mit der HafenCity Zeitung, dass sie weit mehr als ein klassisches Opernhaus werden soll. Das Dach soll öffentlich begehbar sein, rund um das Gebäude entsteht ein Park. „Die Oper ist ja viel mehr als eine Oper“, sagt Dräger. Wann sie tatsächlich eröffnet, steht noch nicht fest. Dräger nennt die erste Hälfte der 2030er-Jahre als Ziel. Im Herbst 2027 soll die endgültige Entscheidung zwischen der Stadt und der Kühne-Stiftung über die Realisierung fallen.
Dräger persönlich, er war von 2001 bis 2008 als parteiloser Senator für Wissenschaft und Forschung im Ole-von-Beust-Senat für die HafenCity mitverantwortlich, und der Kühne-Stiftung liegt das Internationale des Quartiers am Herzen: „Die Kühne-Stiftung ist mit der HafenCity seit ihren Anfängen eng verbunden. Von der langjährigen Förderung der Elbphilharmonie bis zur neuen Oper verfolgen wir das Ziel, die HafenCity als Kulturstandort von internationaler Ausstrahlung weiterzuentwickeln.“

Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH, Dr. Carsten Brosda, Senator für Kultur
und Medien, sowie Dr. Jörg Dräger, Vizepräsident der Kühne-Stiftung. © Thomas Hampel
Auch Brosda sieht gerade in der Offenheit des neuen Operngebäudes einen zentralen Gedanken. Sie solle kein „abgeschotteter Kulturtempel“ werden. Menschen sollen „das Gebäude erleben können, auch ohne eine Vorstellung zu besuchen“. Seine Hoffnung ist, dass Neugier entsteht und Besucher irgendwann auch den Weg in den Saal finden.
„Die HafenCity hat sich auch dank ihrer stetig wachsenden kulturellen Vielfalt“, so Brosda, „von einem ehemaligen Hafengebiet zu einem lebendigen Stadtteil mit hoher Lebensqualität und großer Strahlkraft entwickelt. Die Ausstellung ‚Kunst vor Anker‘ zeigt, wie hier von der Elbphilharmonie bis zum Oberhafen ganz unterschiedliche Orte entstanden sind, die diesen Stadtteil lebendig machen und Räume öffnen für Austausch und Verständigung.“

der Kreativgesellschaft Hamburg und der HafenCity Hamburg GmbH, hat sich als einzigartiger Veranstaltungsort etabliert. © Stefan Groenveld
Für den Kultursenator gehört dazu ausdrücklich auch die Off-Kultur. „Kunst hat die Aufgabe, Chaos in die Ordnung zu bringen“, sagte er bei der Ausstellungseröffnung mit Verweis auf den Philosophen Theodor W. Adorno. Eine Stadt brauche Räume, in denen Neues entstehen könne und nicht alles bereits vorgegeben sei. So zeige die Ausstellung neben den großen Kulturprojekten viele kleinere Orte, die den Stadtteil prägen. Hochkultur, Subkultur und freie Szene stehen für Brosda dabei nicht gegeneinander. Im Gegenteil, sie würden mit- und nebeneinander für Spannung sorgen. Reibung sei für den Kultursenator erwünscht. „Aus der Reibung Energie zu erzeugen, finde ich ganz wunderbar.“
Die Open-Air-Bilder-Galerie ist eine kleine Zeitreise durch einen Stadtteil, der vor gut 20 Jahren noch Baustelle war, und animiert dazu, die gezeigten Orte selbst zu entdecken. Jimmy Blum
Info
Die 34. Open-Art-Ausstellung „Kunst vor Anker – Kultur in der HafenCity“ findet noch bis 22. April 2027 statt – rund um die Uhr, 24/7, auf dem Überseeboulevard. Mehr Informationen finden Sie unter:
überseequartier-nord.de oder auf Social Media unter: @ueberseeboulevard_hafencity oder facebook.com/ueber seeboulevard



