Magische Intimität

Das neue Zuhause von „Harry Potter und das verwunschene Kind“ im Mehr!Theater am Großmarkt
Plus: Interview mit Harry-Potter-Produzent Maik Klokow

Wenn am 15. März 2020 der Premierenvorhang zur deutschen Produktion von „Harry Potter und das verwunschene Kind“ im Mehr!Theater am Großmarkt gelüftet wird, ist das vor allem Maik Klokow zu verdanken. Ihm gelang der Coup, J.K. Rowlings Geschichte vom erwachsenen Harry Potter, die als Theaterstück bereits in London, New York, San Francisco und Melbourne Erfolge feiert, nach Deutschland und vor allem nach Hamburg zu holen. Klokow ist in Hamburg kein Unbekannter. Von April 2000 bis März 2008 war Maik Klokow Geschäftsführer der Stage Entertainment in Deutschland. Produktionen wie Holiday On Ice, Disney’s Der König der Löwen, Mamma Mia!, Dirty Dancing und Wicked gehen auf sein Konto.
Foto oben: Gute Laune beim Casting: Am 7. Februar 2020 beginnen die Voraufführungen von „Harry Potter und das verwunschene Kind“. © Hergen Schimpf

Im März 2015 eröffnete Klokow das in die Hamburger Großmarkthalle integrierte, neu gebaute Mehr! Theater. Seit Mai 2018 gehört die Mehr! Entertainment zur Ambassador Theatre Group (ATG) und firmiert seitdem als Mehr-BB Entertainment. Maik Klokow verantwortet seither das Kontinentaleuropa-Geschäft der britischen Theatergruppe und ist weiterhin als Geschäftsführer und Produzent tätig. 

In dieser Funktion realisiert Klokow im Frühjahr 2020 in Hamburg die deutschsprachige Uraufführung von „Harry Potter und das verwunschene Kind“ im Mehr! Theater am Großmarkt, das dafür gerade aufwändig umgebaut wird. Die Hamburger Großmarkt-Location scheint perfekt für die magischen Welten zu sein, in die auch die Zuschauer mit hineingezogen werden sollen. 

Dafür sorgt die Architektur des Innenraumes, die das Theater in einen einzigen Raum verwandelt, der mit der Bühne verschmilzt. Statt der bisherigen mehr als 3.000 Zuschauer finden im neuen Mehr!Theater nur noch 1.673 Besucher Platz. Das trägt zu einer intimen Atmosphäre bei und stärkt die Nähe zur Handlung, so dass Verwandlungen und Überraschungen im Zuschauerraum, die laut Klokow zu erwarten sind, fast selbstverständlich erscheinen.

Das Stück wird in zwei Teilen gezeigt, die jeweils zweieinhalb Stunden dauern. Wer mag, schaut sich das gesamte Programm an einem Tag an. Die komfortable Pause zwischen den Stücken kann man in einer eigens dafür geplanten Lounge verbringen, in der man es sich neben Essen und Trinken auch gemütlich machen kann.  Edda Teneyken

Info: Die Voraufführungen beginnen am 7. Februar 2020. Deutschlandpremiere ist am 15. März 2020. Tickets für „Harry Potter und das verwunschene Kind“ sind ausschließlich über die offizielle Website www.harry-potter-theater.de zu erhalten.

Interview mit Harry-Potter-Produzent Maik Klokow

Mit „Harry Potter und das verwunschene Kind“ im Mehr!Theater am Großmarkt sorgt Produzent Maik Klokow im Frühjahr für die deutschsprachige Uraufführung. © Rendering: Carmody Groarke
Mit „Harry Potter und das verwunschene Kind“
im Mehr!Theater am Großmarkt sorgt Produzent Maik Klokow im Frühjahr für die deutschsprachige Uraufführung. © Mehr! Theater

„Harry Potter wird junge Menschen
ins Theater locken“

Der Musical- und Theaterproduzent Maik Klokow über seinen
Harry-Potter-Show-Coup im Mehr! Theater

Im Moment wird das Mehr! Theater am Großmarkt für die Harry-Potter-Produktion umgebaut. Für Hamburg ist der Wegfall der Multifunktionshalle am Großmarkt ein Verlust, denn es gibt keinen anderen Standort für eine Veranstaltungshalle mit diesem Format. Wie sehen Sie die Situation? Maik Klokow: Wir würden so eine Halle gern bauen, wenn wir den Platz dazu hätten oder die Möglichkeit, ein bestehendes Gebäude umzubauen. Wir sind neutral genug, wie man gesehen hat, dass alle bei uns spielen können und sollen. Wir haben mit dem Mehr! Theater gezeigt, wie kompetent wir sind – etwa bei dem Thema Sicherheit und auch beim Niveau und der künstlerischen Qualität. Es war etwas Besonderes, dass Konzertbesucher zum Teil in gepolsterten Stühlen sitzen konnten, ausreichend Parkraum in unmittelbarer Nähe fanden und sich an großen Bars aufhalten konnten. Wann immer sich die Gelegenheit ergibt, würden wir so etwas gerne wieder bauen und betreiben. 

Bequem sitzen, sich in einer Lounge aufhalten und entspannt einen Drink nehmen, kann man auch in den Astor Film Lounges von Kinobetreiber Hans-Joachim Flebbe. Wird das bei der Harry-Potter-Produktion ähnlich sein, dass es nicht nur um die Darbietung geht, sondern der ganze Veranstaltungsbesuch zum Event wird? Ja, genau das kreieren auch wir mit unserem Theater, aber auch mit dem Loungebereich, in dem man exklusiv mit maximal 50 Leuten versorgt wird. Es wird dort eigene Bedienung, einen eigenen Empfang und einen eigenen Toilettenbereich geben. Das Gleiche bietet der Theaterpavillon vor dem Theater. Wir möchten den Menschen mehr Möglichkeiten bieten, neben dem reinen Theaterbesuch auch kulinarisch verwöhnt zu werden oder einfach nur ein Buch in unserer Leseecke zu lesen. 

Hamburg soll neben London der einzige europäische Standort für Harry Potter sein. Rechnen Sie also mit Touristen aus dem benachbarten Ausland? Die Produktion ist so groß und teuer, dass sie auf absehbare Zeit wahrscheinlich nicht in einem unserer Nachbarländer gezeigt wird. Aber ich will nicht ausschließen, dass die Show eventuell auch nach Paris kommt. 

Das heißt, Sie haben mit Hamburg Tourismus und den Hamburger Hoteliers ein Netzwerk geknüpft, da Hamburg sich auf jede Menge zusätzlicher Touristen einstellen muss? Absolut. Wir kooperieren mit Hamburg Tourismus und die Reiseveranstalter stehen alle bereit und warten jetzt auf den ersten Vorstellungstag und auf das berühmte „Word of Mouth“, die Mundpropaganda.

Was bedeutet Harry Potter für Hamburgs Kulturprofil mit den vielen Musicals? Harry Potter wird genauso eine tolle Bereicherung sein wie die Elbphilharmonie. Man bekommt ein anderes Publikum, das auch überregional anreist. Unser aktueller Vorverkauf zeigt uns, dass rund 30 Prozent der zu erwartenden Besucher aus Hamburg kommen, die anderen kommen von außerhalb. Wir bieten etwas an, dass es bisher noch nicht gegeben hat, nämlich ein Schauspiel auf kommerzielle Art und Weise mit einem Brand, einer globalen Marke, die weltweit hunderte Millionen von Büchern verkauft und Millionen Zuschauer hat. Es ist eine tolle Bereicherung für die Entertainment- und Theaterstadt Hamburg. 

Kino ist Kino und Schauspiel ist Schauspiel. Einzelne Teile dauern zweieinhalb Stunden. Wie finden junge Menschen, die an schnelle Harry-Potter-Filmschnitte gewöhnt sind, doch eher „langsames“ Theater? Wir sagen, man sollte mindestens 10 Jahre alt sein, weil die Geschichte doch teilweise sehr dunkle Stellen hat, die sehr emotional und sehr tiefgehend sind. Aber ich kann auch den jungen Zuschauern versprechen: Sie werden mit offenem Mund hier stehen und nicht glauben, was sie da auf der Bühne sehen und was alles in der theatralen Welt möglich ist. Und es gibt auch Musik in dem Stück, so dass Emotionen auch von der Musik getragen werden. Außerdem gibt es eine Bewegungschoreographie, die manchmal an andere bekannte Shows erinnert. Wir bieten eine breite Palette von interessanten Aspekten des Theaters und ich glaube, wir kriegen ganz viele junge Menschen dazu, sich mit dem Thema Theater zu beschäftigen, wenn sie unsere Show gesehen haben. 

Sie wollen also Jugendliche und junge Zuschauer mit kulturellem Anspruch ins Theater locken? Es kommt immer auf das Stück an, der Inhalt ist das Entscheidende und ich glaube, dass der Inhalt „Harry Potter und das verwunschene Kind“ genau der richtige Anlass sein kann, erstmalig ins Theater zu gehen. Das Gespräch führte Edda Teneyken

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