Pioniermodell. Die HafenCity Hamburg GmbH hat Ende September Richtfest für ihren eigenen, neuen und nachhaltigen Firmensitz gefeiert: das Null-Emissionshaus Am Dalmannkai/San-Francisco-Straße, das jetzt unter »Nova Zero« firmiert. Es steht für ein CO₂-freies Bauen, Energieeffizienz und eine komplette Materialwiederverwertung
Nach Jahren mit Verzögerungen und steigenden Kosten steht der Rohbau. Am Dalmannkai hat die HafenCity Hamburg GmbH Richtfest für »Nova Zero« gefeiert. Das bisher als Null-Emissionshaus bekannte Gebäude soll über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg vollständig CO₂-neutral sein („Cradle-to-Cradle“-Prinzip) und als „Energie-Plus-Haus“ im Betrieb sogar mehr Energie erzeugen, als es selbst verbraucht. Nicht nur der Energieverbrauch im späteren Betrieb zählt. Auch die Herstellung der Baustoffe, die Errichtung und ein späterer Rückbau fließen in die nachhaltige Gesamtbilanz ein.
Foto oben: Das künftige »Nova Zero«-Haus am Dalmannkai: keine Kfz-, sondern 150 Fahrradstellplätze und im Keller die Landstromanlage für das Cruise Center HafenCity. © Visualisierung: heinlewischer
»Wir brauchen mutige Investoren, die neue Dinge ausprobieren, die auf unsere Ziele einzahlen.«
Karen Pein
„Durchhalten ist die Devise“, sagte Stadtentwicklungssenatorin Karen Pein beim »Nova Zero«-Richtfest Ende September. Krisen hätten Bauzeit und Kosten des nachhaltigen Vorzeigeprojekts an der San-Francisco-Straße/Am Dalmannkai in direkter Nachbarschaft zum Westfield-Überseequartier erheblich beeinflusst. Trotzdem müsse Hamburg an solchen Projekten festhalten. „Wir brauchen auch mutige Investoren, die neue Dinge ausprobieren, die auf unsere Ziele einzahlen.“

HafenCity Hamburg GmbH, Christian Pelzeter, Gesellschafter des Architekturbüros heinlewischer, Karen Pein, Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen, Christina Geib, Geschäftsführerin der HafenCity Hamburg GmbH, Manuel Ueding, Geschäftsführer Ueding Modulbau, Karsten Blohm, Geschäftsführer Prisma Ingenieure, und Carl von Jagwitz, Projektleiter heinlewischer. © Miguel Ferraz
Dr. Andreas Kleinau, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH, ist nach den schwierigen Jahren vor allem erleichtert. „Ich fühle mich von der ersten Sekunde an hier komplett wohl“, sagt er im Gespräch mit der HafenCity Zeitung beim Richtfest. Auch die künftige Arbeitsplatzumgebung überzeugt ihn. „Ich empfinde die Räume als einen Wohlfühlort im Unterschied zu herkömmlichen Bürogebäuden. Deswegen freue ich mich wahnsinnig auf das neue »Nova Zero«-Gebäude.“
»Ich freue mich wahnsinnig auf dieses Gebäude!«
Andreas Kleinau
Dazu trägt vor allem ein Material bei, das im Inneren nicht zu übersehen ist: Holz! Ab dem ersten Obergeschoss besteht das Gebäude zu großen Teilen daraus. Viele Elemente wurden vorgefertigt und auf der Baustelle zusammengesetzt. Hinzu kommen Lehm und emissionsreduzierter Beton. Eine Besonderheit ist der Brandschutz. Obwohl große Teile des Hauses aus Holz bestehen, benötigt »Nova Zero« keine klassische Sprinkleranlage. Möglich macht das ein speziell auf das Gebäude abgestimmtes Konzept.

Andreas Kleinau: „Ich empfinde die Räume als einen Wohlfühlort im Unterschied zu herkömmlichen Bürogebäuden.“ © Miguel Ferraz
Auch beim Sonnenschutz geht »Nova Zero« einen ungewöhnlichen Weg. Rund 450 Kletterpflanzen werden große Teile der Fassade begrünen, einen „vertikalen Garten“ nannte es Christian Pelzeter, Gesellschafter des Architekturbüros heinlewischer. Sie dienten nicht nur der Optik. Die Pflanzen sind Teil des Klimakonzepts und übernehmen eine konkrete Aufgabe. Sie verschatten die Fassade und den Lichteinfall in die Fenster und sollen so im Sommer die Temperatur unmittelbar vor der Fassade um rund fünf Grad senken. Deshalb kann weitgehend auf einen klassischen beweglichen äußeren Sonnenschutz verzichtet werden. Zugleich sorgt die Verdunstung der Pflanzen für zusätzliche Kühlung. Motto: Was die Natur übernimmt, muss nicht mit zusätzlicher Technik gelöst werden. Auch die Energieversorgung folgt diesem Prinzip. Fossile Energieträger kommen nicht zum Einsatz. Geothermie und Wärmepumpentechnik übernehmen die Versorgung, Photovoltaikanlagen erzeugen Strom.
Bei »Nova Zero« haben die Planer sogar einen möglichen Rückbau nach dem geplanten Lebenszyklus von 50 Jahren mitgedacht. Möglichst viele Materialien sollen später ausgebaut und erneut verwendet werden können. Dafür wird dokumentiert, welches Material an welcher Stelle verbaut wurde. „Wir wissen, was verbaut wird, und haben es dokumentiert. So wissen auch Generationen nach uns, wie man sie da wieder herauslösen kann“, erklärte Kleinau beim Richtfest. Einzelne Bauteile könnten damit eines Tages weiterverkauft und an anderer Stelle erneut eingesetzt werden, statt wie sonst bei einem möglichen Rückbau als Abfall zu enden.
»Wir brauchen mutige Investoren, die neue Dinge ausprobieren, die auf unsere Ziele einzahlen.«
Karen Pein
Der Anspruch hat die Planung und den Bau nicht einfacher gemacht. „Das ist hier kein Bau von der Stange“, sagte Kleinau. Neue Materialien und Bauweisen stellten Planer, Gutachter und Sachverständige immer wieder vor neue Aufgaben. Hinzu kamen schwierige Bodenverhältnisse, Lieferprobleme, Materialengpässe und massive Preis- und Zinssteigerungen sowie die neu dazugekommene Landstromanlage für das Cruise Center HafenCity und die Kreuzfahrtschiffe im Keller von »Nova Zero«.
Das alles schlägt sich halt, so Kleinau, bei den Kosten nieder. Das Gebäude soll, so die Kalkulation, am Ende 63,21 Millionen Euro kosten, rund 50 Prozent mehr als ursprünglich mal geplant. Die längere Bauzeit sei dabei jedoch nur ein Faktor. Das Projekt sei mitten in mehrere Krisen geraten. Gleichzeitig seien die Preise auf dem gesamten Baumarkt erheblich gestiegen. Kleinau hält die Investition trotzdem weiterhin für wirtschaftlich: „Gott sei Dank sind auch gleichzeitig die Mieten gestiegen, sodass wir in der Lage sind, immer noch von einer rentierlichen Investition zu sprechen.“
Neben den zwei Etagen, die die HafenCity Hamburg GmbH mit ihren rund 100 Mitarbeiter:innen im eigenen Haus als Teil des sogenannten Sondervermögens „Stadt und Hafen“ belegen wird, müssen 7.000 Quadratmeter Gewerbe- und Büroflächen vermietet werden. Die Vermarktung der Flächen des »Nova Zero« hat durch das auf Gewerbeimmobilien spezialisierte Unternehmen Cushman & Wakefield bereits begonnen. Eine besondere Herausforderung stellen die Gewerbeflächen im Erdgeschoss dar. Denn nicht jede Nutzung passt zum Konzept des Hauses. Auch die künftigen Mieter müssen die Anforderungen von »Nova Zero« erfüllen. Ihr Betrieb darf das Emissionskonzept des Gebäudes nicht aushebeln.

als Symbol für den fertigen Rohbau steht ein Richtbaum mit bunten Schleifen für das Projekt. Der
Apfelbaum wird vorerst in einem Urban-Gardening-Projekt im Oberhafen angepflanzt, ehe er
später seinen Platz in »Nova Zero« bekommt. © Visualisierung: heinlewischer
Damit fallen bestimmte Nutzungen aus. Eine klassische Gastronomie, die zum Beispiel Fettabscheider und entsprechende technische Anlagen nutzt, kommt für diese Flächen nicht infrage. Gesucht werden deshalb Konzepte, die auch langfristig zu den Vorgaben des Hauses passen, wie im Bereich Food zum Beispiel Deli-Konzepte. Gerade hier zeigt sich, wie konsequent anspruchsvoll »Nova Zero« konzipiert ist. Der Anspruch endet nicht bei Holz, Wärmepumpe und Pflanzenfassade. Auch die Nutzungen müssen zum Gebäude passen.
Selbst beim Richtfest wurde die Tradition neu interpretiert. Statt eines klassischen Richtkranzes als Symbol für den fertigen Rohbau steht ein Richtbaum mit bunten Schleifen für das Projekt. Der Apfelbaum wird vorerst in einem Urban-Gardening-Projekt im Oberhafen angepflanzt, ehe er später seinen Platz in »Nova Zero« bekommt.
Es bleibt noch einiges zu tun. Der Innenausbau läuft, die Pflanzenfassade muss gedeihen und die Vermarktung gelingen. Ende 2027 ist die Eröffnung und der Umzug der HafenCity Hamburg GmbH von der Osakaallee ins eigene »Nova Zero«-Haus geplant. Für den HafenCity-Chef Andreas Kleinau nach all den Jahren im Krisenmodus ohnehin längst kein gewöhnliches Bauprojekt mehr: „Ich liebe unser Gebäude.“ Jimmy Blum
Info
Weitere Informationen über das »Nova Zero«-Haus unter: nova-zero.de



