»Rotkehlchen können nicht aus dem Fleet trinken!«

Biodiversität. Bei den »Weiter geht’s«-Aktionen des Netzwerks HafenCity e. V. geht es im Mai darum, die Artenvielfalt der HafenCity zu stabilisieren und die Stadtnatur wiederherzustellen

Aktions-Logo: © netzwerk-hafencity.de

Es ist ganz schön was los hier vor dem roten Pumpenhäuschen. Die Wand hat sich aufgeheizt an diesem Sonnentag, und nun sind die Wildbienen gekommen, um in die vorgewärmten Bambusröhrchen ihre Eier abzulegen – plus Nahrung für den Nachwuchs. Der Nachbarschaftsverein Netzwerk HafenCity e. V. hat gemeinsam mit dem Nabu das große Insektenhotel hier auf der Drachenwiese an der Lippeltstraße aufgehängt. Und offenbar kommt das Nistangebot gut an.
Foto oben: Ackerhummel, Bombus pascuorum, auf Drachenwiese:Im Kleinen wächst Nachhaltigkeit.
Die Natur ist immer noch das beste Insekten-Hotel. © Nabu

Blattwanzen, Schmetterlinge, Weidenkäfer, Hummeln, Marienkäfer – auf der 1.100 Quadratmeter großen ehemaligen Schuttabladefläche gegenüber vom Großmarkt hat sich seit Oktober 2024 einiges an Biodiversität entwickelt. Damals hatten Netzwerk HafenCity und Nabu vom Bezirk Hamburg-Mitte die nahe an der HafenCity gelegene Fläche als Grünpatenschaft übernommen. Was heute auf der Drachenwiese lebt, zeigen Nabu und Netzwerk HafenCity bei der Insektenführung »Das große Krabbeln« am 31. Mai um 14 Uhr.

Die Führung gehört zur Veranstaltungsreihe des Netzwerks HafenCity mit dem Titel »25 Jahre HafenCity – weiter geht’s«. Der Nachbarschaftsverein stellt in dem Programm die wichtigen Zukunftsfelder vor, zu denen auch die Stadtnatur gehört. Und füllt sie mit Aktivitäten, wie zum Beispiel der Insektensuche.

Kleiner Feuerfalter, Lycaena phlaeas, auf Drachenwiese: Statt Schuttabladefläche jetzt biodiverse Bienen- und Schmetterlings-Oase. © Nabu

Um die grüne HafenCity geht es auch am 8. Mai um 17 Uhr beim Spaziergang »Zwischen Pflaster & Baumkrone«, den das Forum StadtLandKunst gemeinsam mit dem Netzwerk HafenCity organisiert (Start im Lohsepark, Eingang Yokohamastraße/Am Lohsepark). Denn die Bäume im Quartier spenden Schatten, sind Lebensraum für Vögel und Insekten. Nahrung liefern diesen verschiedene alte Apfelsorten und Kirschen. Doch nicht allen Bäumen geht es gut, insbesondere sind viele Apfelbäume krank, haben zum Beispiel Pilze. Zu trocken ist es in vielen Jahren, für manche der Bäume auch zu warm. Einige mussten schon gefällt und ersetzt werden.

Beim »Zwischen Pflaster & Baumkrone«-Spaziergang ist deshalb auch die Baumschule ­Lorenz von Ehren dabei, die viele der Bäume im Quartier geliefert und gepflanzt hat. Sie erklärt, warum in der HafenCity vor allem nicht einheimische Arten wie der Japanische Schnurbaum oder der Amerikanische Lederbaum stehen, ob sie tatsächlich besser der zunehmenden Hitze trotzen und welche Arten sich als »Klimabäume« bewährt haben.

Außerdem gibt die Künstlerin Julia ­Nordholz mit ihrer Installation »Parlament der ­Bäume« den Bäumen eine Stimme. Antje Stokman, Professorin für Landschaftsarchitektur und Landschaftsplanung an der HCU, erläutert die als Reallabor konzipierte Entsiegelung und Begrünung neben dem Universitätsgebäude. Um grüne Vielfalt geht es auch im Oberhafen. Dort haben die Gärtnerinnen und Gärtner des Netzwerks HafenCity Ende April noch weitere Hochbeete aufgebaut, in denen Bio-Gemüse angebaut werden kann oder Stauden. Johannisbeere, Himbeere, Kartoffeln, Spinat, Salat, Erdbeeren, Estragon, Bohnen, ein kleiner Apfelbaum – es wächst schon so einiges auf den Europaletten-Beeten. Weitere Aktive können noch mitmachen (Anmeldung: buero@netzwerk-hafencity.de).

Um die Hälfte ist die Population der Haussperlinge in der HafenCity eingebrochen, auch der Bestand an Schwalben und Mauerseglern ist drastisch gesunken. Das hat im vergangenen Jahr eine Zählung des Nabu ergeben. Und Waldschnepfen fliegen gegen spiegelnde Scheiben und brechen sich das Genick. Deshalb gehört für das Netzwerk HafenCity zum Zukunftsfeld des grünen Quartiers auch, etwas für die Vögel zu tun: Beim Fest des Quartiersmanagements HafenCity e. V. im Baakenpark am 29. Mai bastelt das Netzwerk HafenCity deshalb mit Kindern Vogeltränken für Balkon oder Hinterhof.  

Vogeltränken in einem Stadtteil, der eigentlich eine Insel ist? Warum das? Weil Spatzen, Meisen und Rotkehlchen nicht aus dem Fleet trinken können! Julia Wagner

Info Weitere Informationen zur Drachenwiese unter: netzwerk-hafencity.de

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