Tempo 30 in HafenCity

Auf dem 2. HafenCity Forum standen die Verkehrsführungen, die Umweltbelastung und die Kinder im Mittelpunkt
Plus: Interview mit HafenCity-Chef Prof. Jürgen Bruns-Berentelg

Immer mehr Autos auf den Straßen, nervenzehrender Lärm, Schadstoffgrenzwerte, die überschritten werden und gefährdete Fußgänger: Die Folgen des motorisierten Verkehrs sind in der HafenCity ein Topthema. Zum zweiten HafenCity Forum, der jungen Veranstaltungsreihe, bei der Bürger in den Dialog mit Politik und Verwaltung kommen können, kamen mehr als 100 Teilnehmer ins Ökumenische Forum. Die Verkehrsentwicklung im Stadtteil war Tagesordnungspunkt, als Experten saßen auf dem Podium: Wolfgang Weisbrod-Weber vom Netzwerk HafenCity e. V., Tina Wagner, zuständig für Verkehrsentwicklung in der Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) und Jürgen Bruns-Berentelg, Geschäftsführer der HafenCity Hamburg GmbH.
Foto oben: Das Netzwerk HafenCity e.V. fordert: Tempo-30-Zone u.a. in der Inneren HafenCity rund um das neue Überseequartier Süd. © Infografiken: Uwe C. Beyer / freihafen.de

Experten auf dem 2. HafenCity Forum: Wolfgang Weisbrod-Weber, Netzwerk HafenCity e.V.; Tina Wagner, Behörde für Wirtschaft, Verkehr und Innovation (BWVI) und Prof. Jürgen Bruns-Berentelg, Geschäftsführer der HafenCity Hamburg GmbH. v.l.n.r.). © Wolfgang Timpe
Experten auf dem 2. HafenCity Forum: Wolfgang Weisbrod-Weber,
Netzwerk HafenCity e.V.; Tina Wagner, Behörde für Wirtschaft, Verkehr
und Innovation (BWVI) und Prof. Jürgen Bruns-Berentelg, Geschäftsführer
der HafenCity Hamburg GmbH. v.l.n.r.). © Wolfgang Timpe

„Autofahrer werden über die Versmannstraße ausweichen.“ 
Wie kommt der Verkehr in die HafenCity? Die Lage und die Nähe zur Innenstadt seien Hauptursachen und an denen könne man nicht rütteln, erklärte Bruns-Berentelg. „Wir können nicht so tun, als hätten wir die innere Stadt nicht.“ Die Zuständigen in der Verkehrsbehörde rechnen sogar damit, dass der Verkehr zunehmen wird, wenn mit dem Grasbrook und neuen Wohnungen in Rothenburgsort mehr Menschen rund um die HafenCity wohnen. „Wir gehen nicht davon aus, dass sich der Verkehr auf den Elbbrücken verringern wird. Deswegen werden einige Autofahrer immer über die Versmannstraße ausweichen“, sagte Tina Wagner von der BWVI.

Doch mit diesen Argumenten waren die Forumsgäste ziemlich unzufrieden. „Ich höre immer wieder von Verantwortlichen: Wir können nichts machen, aber nie, wie zum Beispiel mit den überschrittenen Grenzwerten umgegangen werden soll“, sagte eine der Anwesenden ungeduldig. 

Ein Teilnehmer formulierte sein Unverständnis so: „Die Stadtplanung in der sonst so modernen HafenCity wirkt auf mich, als stamme sie aus den 50er-Jahren, als man für Autos die Ost-West-Straße gebaut hat und und hie und da eine kleine Fußgängerzone. Ich würde mir wünschen, dass die Parteien sich darüber Gedanken machen, wie Hamburgs Verkehrspolitik künftig dargestellt werden kann.“ Zahlreiche kritische Bemerkungen gab es zudem zur geplanten Verkehrsführung ins Überseequartier. Eine Zuhörerin bemerkte: „Niemand wagt, neue Ideen zu denken. Angesichts der großen Herausforderungen wie der Klimakrise wirkt es so kleinkariert.“ Mit Fakten untermauert trug Verkehrsexperte Weisbrod-Weber eine Forderung aus der AG Verkehr vor: Tempo 30 in der gesamten HafenCity. Es sei eine günstige Maßnahme, um „bis zu 15 Prozent weniger Stickoxide, weniger Lärm und mehr Sicherheit ins Viertel zu bringen.“ Und der HafenCity-Hamburg-Chef, signalisiert Zustimmun): „An vielen Stellen in der HafenCity kann eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h eingeführt werden“, sagt Jürgen Bruns-Berentelg.

Der Tempo-30-Vorschlag bei Nacht wurde von der Behörde nicht abgelehnt.
Weisbrod-Weber schilderte die abstruse Situation vor den drei Kitas am Lohsepark. Dort gilt wie in ganz Hamburg die Tempo-30-Verordnung vor sozialen Einrichtungen. Doch die wird an der Postadresse umgesetzt, die tatsächliche Situation aber wird nicht erfasst, nämlich dass die Eingänge an der Shanghaiallee liegen. Und so müssen die Kitakinder der HafenCity über vielspurige, temporeich befahrene Straßen laufen.

„Tempo 30 ist keine planerische, sondern eine politische Entscheidung. Aber diese Frage wird in Hamburg nicht diskutiert“, erwiderte Bruns-Berentelg und wies damit Verantwortung von der HafenCity GmbH. Weisbrod-Weber konterte mit einem weiteren Vorschlag: Tempo 30 bei Nacht. Eine Idee, die von Behördenvertreterin Tina Wagner zumindest nicht abgelehnt wurde. Eines hat dieser Abend gezeigt: Die Anwohner der HafenCity nutzen gerne Foren wie das HafenCity Forum, um sich einzubringen. Katrin Wienefeld
Info: Das 3. HafenCity Forum wird Ende März 2020 stattfinden. 

3 Fragen an …
Prof. Jürgen Bruns-Berentelg
über Tempo 30, 2-spurige Verkehrsführung und Feinstaubbelastung in der HafenCity

Prof. Jürgen Bruns-Berentelg. Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH © Jonas Wölk
Prof. Jürgen Bruns-Berentelg. Vorsitzender der Geschäftsführung
der HafenCity Hamburg GmbH: „An vielen Stellen in der HafenCity kann eine Geschwindigkeits-begrenzung auf 30 km/h eingeführt und damit
auch der Lärm für die Bewohner und Besucher reduziert werden.“ © Jonas Wölk

1

Herr Bruns-Berentelg, auf dem 2. HafenCity Forum Ende November hat das Netzwerk HafenCity e.V. durch sein Vorstandsmitglied Wolfgang Weisbrod-Weber gefordert, die gesamte HafenCity zur Tempo-30-Zone zu erklären, um die Lärm- und Schadstoff-belastungen zu senken. Was sagen Sie dazu?
An vielen Stellen in der HafenCity kann eine Geschwindigkeits-begrenzung auf 30 km/h eingeführt und damit auch der Lärm für die Bewohner und Besucher reduziert werden. Ob das überall möglich ist, muss noch eingehend analysiert werden. Zudem ist die Frage des LKW-Verkehrs (außer mit Ausnahmegenehmigung) eine weitere Thematik der Lärmreduktion.

2

Nicht neu, aber noch einmal wurde nachdrücklich gefordert – und vom Publikum mit viel Beifall unterstützt –, dass „alle“ 4-spurigen-Straßen der HafenCity in 2-spurige zurückgebaut werden sollen, um die Lärm- und Schadstoffbelastungen zu senken. Wie es in der Versmannstraße für fünf Jahre als Test kommen wird. Realistisch oder träumerische Utopie?
Mit dem auf fünf Jahre angelegten Experiment der zweispurigen Versmannstraße hat man auch eine verkehrliche Setzung für die nachfolgenden Straßen vorgenommen, so dass die positiven Effekte z.B. auch den Bewohnern der Shanghaiallee zugutekommen. Die Bewohner müssen sich für alle darüber hinaus gehenden Fragen in der weiteren Konsensbildung beteiligen. Wir müssen abwägen, wieviel Verkehr wir in der inneren Stadt wollen und dabei gleichzeitig die Erreichbarkeit sichern.

3

Sie haben beim 2. HafenCity Forum eingeräumt, dass das Quartier bei der Lärm- und Schadstoffbelastung auch vom Wasser, vom Hafen her unter EU- und Hamburger Klimazielen an Belastungsgrenzen heranreiche. Wie will die HafenCity Hamburg GmbH gegensteuern? Die HafenCity Hamburg GmbH kann als Gesellschaft leider relativ wenig dazu beitragen. Jedoch hat der Senat erst kürzlich einen Ausbau der Landstromversorgung für Schiffe beschlossen, wonach das Angebot auf alle Kreuzfahrtterminals ausgeweitet werden soll. Zudem ist vorgesehen, bis 2022 insgesamt acht Anschlusspunkte für Containerschiffe einzurichten. Auch die Elektrifizierung der HVV-Busflotte in den kommenden zehn Jahren sowie die Elektrifizierung des motorisierten Individualverkehrs insgesamt sind eindeutige Rahmensetzungen für die Umwelt der HafenCity. Wir tragen dazu beispielsweise durch die Ladeinfrastrukturen in den Gebäuden bei. Dadurch werden die Feinstaub- und Stickstoffdioxidbelastungen in der HafenCity nicht nur nicht weiter steigen, sondern tatsächlich sogar sinken können.                         Das Gespräch führte Wolfgang Timpe

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Prof. Jürgen Bruns-Berentelg ist Vorsitzender der -Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH.

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Herr Bruns-Berentelg, auf dem 2. HafenCity Forum Ende November hat das Netzwerk HafenCity e.V. durch sein Vorstandsmitglied Wolfgang Weisbrod-Weber gefordert, die gesamte HafenCity zur Tempo-30-Zone zu erklären, um die Lärm- und Schadstoffbelastungen zu senken. Was sagen Sie dazu? An vielen Stellen in der HafenCity kann eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 30 km/h eingeführt und damit auch der Lärm für die Bewohner und Besucher reduziert werden. Ob das überall möglich ist, muss noch eingehend analysiert werden. Zudem ist die Frage des LKW-Verkehrs (außer mit Ausnahmegenehmigung) eine weitere Thematik der Lärmreduktion.

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Nicht neu, aber noch einmal wurde nachdrücklich gefordert – und vom Publikum mit viel Beifall unterstützt –, dass „alle“ 4-spurigen-Straßen der HafenCity in 2-spurige zurückgebaut werden sollen, um die Lärm- und Schadstoffbelastungen zu senken. Wie es in der Versmannstraße für fünf Jahre als Test kommen wird. Realistisch oder träumerische Utopie? Mit dem auf fünf Jahre angelegten Experiment der zweispurigen Versmannstraße hat man auch eine verkehrliche Setzung für die nachfolgenden Straßen vorgenommen, so dass die positiven Effekte z.B. auch den Bewohnern der Shanghaiallee zugutekommen. Die Bewohner müssen sich für alle darüber hinaus gehenden Fragen in der weiteren Konsensbildung beteiligen. Wir müssen abwägen, wieviel Verkehr wir in der inneren Stadt wollen und dabei gleichzeitig die Erreichbarkeit sichern.

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Sie haben beim 2. HafenCity Forum eingeräumt, dass das Quartier bei der Lärm- und Schadstoffbelastung auch vom Wasser, vom Hafen her unter EU- und Hamburger Klimazielen an Belastungsgrenzen heranreiche. Wie will die HafenCity Hamburg GmbH gegensteuern? Die HafenCity Hamburg GmbH kann als Gesellschaft leider relativ wenig dazu beitragen. Jedoch hat der Senat erst kürzlich einen Ausbau der Landstromversorgung für Schiffe beschlossen, wonach das Angebot auf alle Kreuzfahrtterminals ausgeweitet werden soll. Zudem ist vorgesehen, bis 2022 insgesamt acht Anschlusspunkte für Containerschiffe einzurichten. Auch die Elektrifizierung der HVV-Busflotte in den kommenden zehn Jahren sowie die Elektrifizierung des motorisierten Individualverkehrs insgesamt sind eindeutige Rahmensetzungen für die Umwelt der HafenCity. Wir tragen dazu beispielsweise durch die Ladeinfrastrukturen in den Gebäuden bei. Dadurch werden die Feinstaub- und Stickstoffdioxidbelastungen in der HafenCity nicht nur nicht weiter steigen, sondern tatsächlich sogar sinken können.                         Wolfgang Timpe

Prof. Jürgen Bruns-Berentelg 

ist Vorsitzender der -Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH.


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