„Unterm Dach bitte Skaterbahnen“

Sechs Architekten- und Landschaftsplaner-Büros aus Europa entwickeln in drei Teams gemeinsam mit Bürgerbeteiligung den neuen Stadtteil Grasbrook

Moldauhafen, Saalehafen, Veddelhöft – so heißen derzeit die Hotspots der Architekten- und Landschaftsplanerszene in ganz Europa. Wo diese Orte liegen, wissen auch immer mehr Hamburger: auf dem Grasbrook, Hamburgs jüngstem Stadtteil, der gerade aus der Taufe gehoben wird. Bis April läuft die zweite Phase im „Wettbewerblichen Dialog“, einem neuen Planungsverfahren, das viel Bürgerbeteiligung beinhaltet – auch deshalb blicken Fachleute gespannt auf das, was in Hamburg passiert. Außerdem sind Landschaftsplaner von Beginn an mit im Boot, auch ein Novum in der Stadtplanung. 

Bild oben: Voraussichtlich ein Herzstück des neuen Stadtteils Grasbrook: Das 500 Meter lange Dach des heutigen Überseezentrums am Moldauhafen in einer Vision als öffentlicher Raum von den Stockholmer Architekten von Mandaworks AB. © Visualisierung: Mandaworks AB

Zu einer Zwischenpräsentation der Entwürfe hatten die HafenCity Hamburg GmbH und die Stadtentwicklungsbehörde Ende Januar geladen, bevor das Verfahren jetzt bis April auf die Zielgerade geht. Trotz Kälte und früher Stunde waren an einem Samstag über 200 Besucher ins Cruise Center HafenCity gekommen. Stadtentwicklungssenatorin Dorothee Stapelfeldt freute sich in ihrer Begrüßungsrede über die rege Bürgerbeteiligung, denn schon im Vorfeld hatten seit 2017 interessierte Nachbarn vor Ort als auch Online-Nutzer viele Möglichkeiten sich einzubringen. „Wir haben durchweg konstruktive Anregungen bekommen“, sagte die Senatorin und forderte die Besucher auf: „Diskutieren Sie heute wieder mit.“ 

Die Anforderungen an den Grasbrook sind hoch. Der Architekt und Jury-Vorsitzende Prof. Matthias Sauerbruch erläuterte die Kriterien, nach denen sie die planerischen Entwürfe beurteilt haben und weiter bewerten werden. Dazu gehöre, ob der benachbarte Stadtteil Veddel gut angebunden werde, ob Bestehendes wie die denkmalgeschützte Lagerhalle G am Dessauer Ufer, einstmals Außenlager des KZs Neuengamme, in die Bebauung integriert sei, und ob bauliche Strukturen wie das Dach des Überseezentrums am Moldauhafen neu weitergedacht würden. 

Dass die Interaktion zwischen Planungsteams und Bürgern funktioniert, zeigte sich bei der anschließenden Präsentation der überarbeiteten Entwürfe. Während der Erstentwurf der Architekten Herzog & de Meuron für den Städtebau einen mächtigen Gebäuderiegel gegenüber der Veddel vorgesehen hatte, an dem es Kritik von Bürgern und Jury gab, haben die Planer nun in der Teamarbeit mit VOGT Landschaftsarchitekten aus Zürich eine Lösung mit flacheren, dafür tieferen Häusern gefunden. 

Info Seit 2017 laufen die Planungen für den Grasbrook. Dort wird in den kommenden 20 Jahren ein Stadtteil mit rund 3.000 Wohnungen, 16.000 Arbeitsplätzen, sozialer und kultureller Infrastruktur entstehen, u.a. eine Schule und das Deutsche Hafenmuseum. Mehr als die Hälfte der Fläche bleibt in Hafennutzung. Zurzeit arbeiten drei Zweierteams mit je einem Architektur- und Landschaftsplanungsbüro ihre finalen Entwürfe aus, die am 2. April vorgestellt werden. Am 3. April ermittelt die Jury die Gewinner aus den Bereichen Städtebau sowie Freiraum.

Das Team ADEPT ApS aus Kopenhagen mit den Landschaftsplanern von Studio Vulkan aus Zürich zeigte direkt auf, wie Anregungen aus dem Beteiligungsprozess in ihre Arbeit einfließen. Die Architekten von Mandaworks AB mit Karres en Brands RB aus Hilversum, das dritte Team, drehte den Spieß um und fragte ins Publikum, was die Bürger für den Grasbrook tun wollten und nicht, was sie als Planer für den Grasbrook tun sollen. 

An Gelegenheiten sich einzumischen, fehlte es für die Besucher auch diesmal nicht. Bei jedem der sechs Entwürfe für das künftige Viertel Hamburgs konnten sie Kärtchen beschriften und mit Ideen oder Kritik an Stellwände pinnen. „Der Sprung zur Veddel ist noch nicht ausreichend“, war dort zu lesen. Zu einer futuristischen Dachkon-struktion beim heutigen Überseezentrum schrieb ein Mädchen: „Unterm Dach bitte Skaterbahnen.“ Katrin Wienefeld

www.grasbrook.de

Tipp Der Grasbrook mit seinen verwilderten und industriellen Seiten lässt sich gut mit dem Rad erkunden. Für einen Ausflug eignet sich ein Wochenende, wenn weniger Lastwagen unterwegs sind. Start und Ziel ist der U- und S-Bahnhof Elbbrücken.

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