»Wir sind Betreiber von Flagship-Destinationen«

Nachgefragt II. Geschäftsführer Andreas Hohlmann von Unibail-Rodamco-Westfield über Stadtziele und den Eröffnungstermin

Andreas Hohlmann, Geschäftsführer Austria & Germany bei Unibail-Rodamco-Westfield, die im Westfield Hamburg-Überseequartier über eine Milliarde Euro investieren: „Wir kommen, um zu bleiben, und wollen am Ende ein lebendiger Teil der Stadt Hamburg sein.“ © URW

Herr Hohlmann, Sie konnten zu Ihrer Einzelhandelsmesse „The Retail Open House 2022“ im Internationalen Maritimen Museum den neuen Ankermieter Zara für das Westfield Hamburg-Überseequartier in der HafenCity bekanntgeben. Also doch keine Krise im Einzelhandel? Wir wissen, dass der Einzelhandel perspektivisch weniger Stores haben wird und dass zugleich die Flächen, die sie haben, groß und attraktiv sein müssen, um die komplette Markenvielfalt eines Händlers darstellen zu können – also Flagship-Stores. Am liebsten viele Flaggschiffe nebeneinander, um die Attraktivität des Standorts zu erhöhen. Wir bezeichnen uns ja selbst als Entwickler und Betreiber von Flagship-Destinationen. Und das Westfield Hamburg-Überseequartier ist eine der größten und weltweit herausragenden Destinationen in der Gruppe. Für uns ist es zentral, eine Symbiose verschiedener Nutzungen zu ermöglichen – klassischer Einzelhandel kombiniert mit viel Gastronomie, Freizeitangeboten, Wohnungen über den Stores in Kombination mit Arbeiten und dem Kreuzfahrtterminal. Wir bauen eine Stadt der kurzen Wege. 

Warum stöhnen viele Innenstadt-Einzelhändler, wenn Sie immer neue Großflächenmieter bekannt geben? Also erstens glaube ich, dass sich viele Dinge sehr stark ergänzen werden. Und zweitens fehlen doch in der Hamburger Innenstadt, und dafür kann die Innenstadt überhaupt nichts, die entsprechend großen Flächen, die Flagship-Stores nun einmal benötigen. Außerdem haben wir in der HafenCity mit unserer direkten Wasserlage nun einmal Lage, Lage, Lage. 

Die hat die City doch auch mit großen grünen Einkaufsmeilen wie etwa der Mönckebergstraße oder den Alsterlagen. Ja, aber noch einmal, das Angebot an sehr großen Flächen, die frei gestaltbar sind, ist einfach nicht da. Und da muss man fair bleiben: Wir haben den unschätzbaren Vorteil, dass wir die Flächen mit unseren Partnern nach deren Bedürfnissen und Kundenwünschen frei entwickeln können. Das macht uns im Verhältnis zum Einzelhandel als Partner so attraktiv. Man darf aber auch ruhig sagen, dass man in Innenstädten, auch in Hamburg, einiges besser managen könnte. 

Apropos Management: Schaffen Sie es, im Herbst 2023 trotz Lieferkettenproblemen und explodierenden Baupreisen zu eröffnen? Definitiv ja – und es ist sehr ambitioniert, dessen sind wir uns bewusst. Nur wenn wir es schaffen, wirklich alle unsere Möglichkeiten, die uns unter anderem auch unsere Gruppe mit Synergien bietet, voll auszuschöpfen, können wir den Herbst 2023 als Eröffnungstermin für das Westfield Hamburg-Überseequartier halten. Obwohl die Lieferprobleme sowie die Preiserhöhungen auch an uns nicht spurlos vorübergehen, wollen wir den Eröffnungshorizont Herbst unbedingt halten. Es kostet uns viel Nerven, viel Geld und jede Menge Schweiß.

Haben Sie die Entscheidung für solch ein Mammutprojekt angesichts von Pandemie, Ukraine-Krieg, steigenden Marktpreisen und Lieferproblemen schon mal bereut? Absolut nicht. Ehrlich gesagt, wenn man so ein großes Projekt macht, läuft das über eine Dekade, und in zehn Jahren gibt es ständig Aufs und Abs. Niemand kann bei so einer Größenordnung 100 Prozent vorhersehen, wie sich Markt, Wirtschaft oder Inflation und sonstige gesellschaftliche Krisen entwickeln. Und noch einmal: Wir rütteln nicht am Zeitplan, auch wenn er Stand heute extrem eng ist. .

Sie sind ja schon seit der Grundsteinlegung des Überseequartiers dabei. Haben Sie ein Lieblingsprojekt im Quartier, das Ihnen ans Herz gewachsen ist? Für mich liegt der große Reiz darin, dass wir hier ein großes Stück echte Stadt in ihrer kompletten Vielfalt bauen. Es sind weniger einzelne Projekte, die mich faszinieren – toll sind sie alle! –, sondern das kreative Moment im Management, ganz unterschiedliche Nutzungen an nur einem Standort zu verwirklichen und sie auch zu vollenden und dann zu eröffnen, das ist die ungeheure Herausforderung und macht neben allen Alltagsthemen jede Menge Spaß.  

Apropos Stadt bauen: Fühlen Sie sich eigentlich wie ein Bürgermeister? Nein, falsch, ganz falsch. Unser Streben ist es, ein Teil dieser Stadt zu werden. Wir kommen hier nicht, bauen etwas da hin und gehen wieder. Wir kommen, um zu bleiben.  Wir sind keine Entwickler und bauen nicht, um zu verkaufen. Mit dem Westfield Hamburg-Überseequartier wollen wir am Ende ein lebendiger Teil der Stadt Hamburg und der HafenCity sein. Das Gespräch führte Wolfgang Timpe

Andreas Hohlmann ist Geschäftsführer Germany & Austria bei Unibail-Rodamco-Westfield.

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