Editorial 09.26: Schilda oder was?

Wolfgang Timpe, Herausgeber und Chefredakteur der HafenCity Zeitung, über das bundesdeutsche Mindset des „Nein“ und eine öffentliche HafenCity-Treppe an der HCU als Hamburger Schilda

HCZ-Chefredakteur Wolfgang Timpe © Privat

Manchmal hilft Literatur, positive Energie zu gewinnen, um die Wirklichkeit besser zu erkennen und nach Lösungen, nicht nach Ausreden zu suchen. „Etwas ist faul im Staate Dänemark“ heißt es analytisch-prophetisch in Shakepeares Bonmot aus „Hamlet“. Und ja, es ist, ohne gleich in die Ecke der Linken-Kritiker und Dauerverunglimpfer der AfD gestellt zu werden,  ­„etwas faul“ im Staate Deutschland – und im Stadtteil HafenCity. 
Foto oben: HafenCity-Treppe an der Elbpromenade neben der HCU. Wiedereröffnung unklar – frühestens 2028. © Wolfgang Timpe

Da dauert es offenbar sechs, in Worten: sechs!, Jahre, bis eine breite, in Teilen baufällige öffentliche Treppe zur Elbe hin neben der HafenCity Uni repariert werden kann. Dabei gibt es keinen Zeit- und Fahrplan zur Renovierung, sondern lediglich eine amtliche Festlegung, dass „frühestens im Sommer 2028“ die Nutzung wieder möglich sein soll. Ein geplantes mit Gutachten untermauertes „Nein“ der Gesamtverantwortlichen, formal die HafenCity Hamburg GmbH, statt ein positives „Ja“, wann man sie wieder nutzen kann. Zu Recht spricht unser Autor von „behördlichem Versagen“ (siehe Seite 12). Die Aufgabe: eine Treppe renovieren, im Zweifel erneuern. Das Ergebnis: ein jahrelanger Dauerbauzaun um die Treppe, hier ein Gutachten, da Bauprobleme. Wichtig scheint zu sein, dass man behördlich mit Terminhorizont festlegt, wie lange die Baustelle besteht, nix über die Lösung und ihre Wiedernutzung. Kein Ja, sondern ein behördlich aufwendig begründetes Nein. Schilda in der HafenCity!

Was im Kleinen nicht klappt, spiegelt sich im Großen – und hinterlässt psychodynamische Spuren in der Gesellschaft. Wer sich immer mit einem begründeten Nein statt mit einem Mut machenden lösungsorientierten Ja beschäftigt, verkümmert im Negativen. Der von vielen beklagte Wirtschaftsabstieg Deutschlands im europäischen Vergleich hat nichts mit Nichtkönnen, sondern mit psychologischer Disposition, neudeutsch: Mindset, zu tun: Wir sind verliebt ins Nichtgelingen. Ich wünsche mir mehr ­Lösungen, mehr Ja! Wolfgang Timpe
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Wolfgang Timpe lebt seit 2005 in der HafenCity. Mail: timpe@hafencityzeitung.com

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