Kultur. Das Leuchtturmprojekt UBS Digital Art Museum für die HafenCity, Hamburg und Europa biegt im Baakenhafen auf die Zielgerade ein. Exklusiv-Gespräch mit Lars Hinrichs, dem Privatinvestor, Spiritus Rector und Bauherrn des Hauses, über Geld, Kunst, Sinne und KI
Es ist eines der ambitioniertesten Kulturprojekte der Hansestadt: das UBS Digital Art Museum am Amerigo-Vespucci-Platz im Baakenhafen-Quartier in der Hamburger HafenCity. Wo andere angesichts rasant steigender Baukosten und extremer technischer Komplexität kapitulieren würden, sieht der Xing-Gründer und Tech-Investor Lars Hinrichs vor allem eines – die Zukunft. Gemeinsam mit starken Sponsoren aus der Hamburger Wirtschaft erschafft er auf 6.500 Quadratmetern das erste Museum Europas, das exklusiv der digitalen Kunst gewidmet ist.
Foto oben: Investor Lars Hinrichs, Bauherr des UBS Digital Art Museums: „Es wird megageil, das steht völlig außer Frage! Dass das Projekt klappt, ist absolut sicher. Es ist durchfinanziert.“ © Catrin-Anja Eichinger
Im Gespräch mit Wolfgang Timpe, Chefredakteur der HafenCity Zeitung, erzählt Lars Hinrichs, warum er trotz der dreistelligen Millioneninvestitionen gut schläft, warum er von der künstlerisch-künstlichen Intelligenz der japanischen teamLab-Leute getriggert ist und warum er sich freut, dass vor Eröffnung des UBS Digital Art Museums schon 20.000 Tickets via Website verkauft worden sind.
Herr Hinrichs, beim Richtfest vor rund einem Jahr – beim Deckenfest des UBS Digital Art Museums – sagte Finanzsenator Andreas Dressel: „So ein geiles Projekt darf nicht scheitern.“ Behält er recht? Wird es noch in diesem Jahr eröffnet, und wird es tatsächlich so geil? Lars Hinrichs: Es wird megageil, das steht völlig außer Frage! Dass das Projekt klappt, ist absolut sicher. Es ist durchfinanziert. Zum genauen Eröffnungsdatum äußern wir uns grundsätzlich nicht.
Zuletzt antworteten Sie immer: „in 2026“. Gilt diese hoffnungsvolle Perspektive noch? Egal, wie Sie die Frage stellen: Ich werde kein Datum nennen. Was wir hier bauen, ist extrem komplex. Es ist eine enorme Verzahnung von Architektur, Technik und Kunst auf 6.500 Quadratmetern. Wir bauen hier nichts von der Stange. Es entsteht hier etwas, was es so in Europa noch nie gab und höchst komplex ist. Viele Lösungen mussten erstmals entwickelt werden.
»Was wir hier bauen, ist extrem komplex. Es ist eine enorme Verzahnung von Architektur, Technik und Kunst auf 6.500 Quadratmetern. Wir bauen hier nichts von der Stange. Es entsteht hier etwas, was es so in Europa noch nie gab und höchst komplex ist.«
Lars Hinrichs
Aber die Eröffnung ist in Reichweite? Wir sind auf der Zielgeraden. Neben dem Bau hängt der Zeitplan vor allem an den Künstlerinnen und Künstlern. Über 100 Experten aus Japan kommen in Kürze, um die Kunstwerke millimetergenau zu installieren. Am Ende geben die Künstler vor, wann aufgemacht werden kann. Das liegt nicht am Bauherrn.
Und auch nicht an technischen Abnahmen oder anderen baulichen Verzögerungen, wie man sie in Hamburg leider immer öfter erlebt? Nein. Wir stehen im ständigen engen Austausch mit den Behörden, damit wir am Ende keine bösen Überraschungen oder Wasserschäden erleben.

teamLab berührt. Eine interaktive Lichtinstallation im komplett verspiegelten dreidimensionalen Raum, in dem Tausende von herabhängenden LED-Lichtern immer neue Eindrücke und unendliche Tiefe erzeugen.“ © TeamLab
Vor welchen Herausforderungen standen Sie als Bauherr durch rasant gestiegene Finanzierungs- und Baukosten 2024/25? Die Baukosten waren massiv gestiegen. Massiv! Aber Sie wissen ja: Städtische Bauwerke in Deutschland liegen meistens über 100 Prozent über dem Budget. Wir liegen unter 100.
Und wie haben Sie das unternehmerisch gelöst und diese Krise bewältigt? Grundsätzlich habe ich keine Krisen in meinem Leben, ich kenne nur Herausforderungen. Und ja, ich musste sehr viel privates Geld nachschießen, aber am Ende führt das alles zu einem guten Ergebnis.
Wir sprechen hier über eine Gesamtinvestition von mehreren Hundert Millionen Euro, nicht wahr? Wir kommunizieren keine genauen Zahlen, aber es ist definitiv verdammt viel.
Experten spekulieren, dass es so um die 500 Millionen Euro sind? Noch einmal: Es ist für einen Privatinvestor eine gewaltige Hausnummer, aber keine 500 Millionen Euro. Das geht vielleicht in Abu Dhabi, wo die dortige Kultur- und Tourismusbehörde, das staatliche Ministerium für Kultur und Tourismus, für das „teamLab Phenomena Abu Dhabi“ mal so eben riesige Summen wie 500 Millionen Euro hinlegen kann. Wir hingegen hängen nicht unter der Kulturbehörde, sodass dieser enorme Invest auch finanziert werden muss. Wir finanzieren alles privat. Zudem haben wir Gesellschafter an Bord, die mit der gleichen starken Überzeugung hinter dem Projekt stehen und uns entschlossen unterstützen.
Vita. LARS HINRICHS
ist Hamburgs bekanntester Tech-Pionier. Der 49-jährige Unternehmer gründete 2003 das Businessnetzwerk OpenBC, aus dem 2006 die digitale Karriereplattform Xing wurde, die Hinrichs an die Börse brachte. Im November 2009 übernahm die Burda Digital GmbH die Xing AG, und Gründer Hinrichs trennte sich in der Folge von einem Großteil seiner Xing-Anteile.
Der gebürtige Hamburger Lars Hinrichs kommt aus einer Unternehmerfamilie. Sein Urgroßvater war erfolgreicher Bäcker auf der Veddel und gründete 1681 die Stadtbäckerei am Gänsemarkt. Hinrichs profilierte sich nach dem Verkauf seiner Xing-Anteile als Start-up-Investor und u. a. als Bauherr einer Luxuswohnimmobilie in der Fontenay an der Außenalster, die als modernes „Connected Home“ auf voll digitalisierte Kommunikation und Infrastruktur setzt.
2016 lernte Lars Hinrichs in Frankreich eine digitale Installation des Künstlerkollektivs teamLab aus Tokio kennen, war begeistert und beschloss nach Besuchen von teamLab-Dauerausstellungen in Tokio, deren Kunst für ein Museum nach Hamburg zu holen. Am 26. April 2023 gab es den ersten Spatenstich am Amerigo-Vespucci-Platz in Hamburgs HafenCity, das war der Startschuss für das UBS Digital Art Museum, das als erstes Museum permanent die teamLab-Borderless-Ausstellung nach Europa bringt. Ein globaler Kultur-Tech-Ritterschlag für den Initiator, Gründer und Privatinvestor Lars Hinrichs – und für seine Heimatstadt Hamburg. Neben der namensgebenden Schweizer Großbank UBS als Lead-Partner sind auch das Hamburger Versicherungsunternehmen Signal Iduna, die Reederei Hapag-Lloyd und Epson mit an Bord. Rund dreieinhalb drei Jahre nach Baubeginn biegt das UBS Digital Art Museum, auf die Zielgerade ein. Die ersten 20.000 Tickets sind über die Website vor dem Premierenstart schon verkauft.
Lars Hinrichs ist alleinerziehender Vater von zwei erwachsenen Kindern und lebt in Hamburg-Harvestehude. Er hält sich mit den Programmen des Peloton-Bikes fit und ist begeisterter Pedal-Tennis-Sportler.
Die technische Komplexität, die Raumhöhen von bis zu zwölf Metern, die enormen Kostensteigerungen: Schlafen Sie manchmal unruhig und liegen wach? Ich bin ein sehr guter Schläfer! (lacht) Mir fällt das leicht. Wenn man so ein Projekt angeht, braucht man ein großartiges Team. Mit unserer Geschäftsführerin Caren Brockmann habe ich die beste Partnerin an der Spitze, die ich mir wünschen kann. Ohne dieses gesamte Super-Team wäre das gar nicht möglich.
Was ist Ihre wichtigste Eigenschaft? Purer Optimismus. Für mich ist das Glas immer komplett voll.
Sie sind Initiator, Gründer und Investor, und Sie bewegen Hunderte Millionen Euro. Was ist Ihre Kernkompetenz? Und inwiefern hilft Ihnen dabei vielleicht Ihr Sternzeichen Schütze? Doppel-Schütze, wohlgemerkt! Und nach dem chinesischen Kalender: Feuer-Drache. Schütze steht für Optimismus, Abenteuerlust und Freiheitsdrang. Mein Leitsatz war schon immer: Alles, was digital werden kann, wird digital. Diese Zukunftsorientierung, kombiniert mit purem Optimismus, ermöglicht es mir, Dinge früher als andere zu sehen. Und als Unternehmer frage ich mich dann einfach jedes Mal neu: Warum denn nicht?
Sie haben mit 32 Jahren begonnen, Ihre Anteile an Xing zu verkaufen, und hätten eigentlich, wie man so schön sagt, nie wieder arbeiten müssen. Stattdessen knien Sie sich in Millionenprojekte wie das UBS Digital Art Museum. Was treibt Sie an? Was ich tue, betrachte ich nicht als Arbeit, sondern mache es aus Leidenschaft. Natürlich gibt es bei jedem Projekt Herausforderungen, aber ich glaube fest an den Erfolg. Wer an das gute Ausgangsergebnis glaubt, schafft es auch. Wir haben über unsere Website bereits über 20.000 Tickets verkauft – für ein Museum, das noch nicht einmal geöffnet hat!
Wie viele Besucher pro Jahr streben Sie an? Unser Ziel liegt bei mehr als 700.000 Besuchern im Jahr.
»Die Komplexität und der Stil haben mich sofort fasziniert. 2018 bin ich extra nach Tokio geflogen, um deren Museum zu besuchen. Wenn man verliebt ist, reist man eben weit. Dieses Erlebnis hat mich so tief berührt, dass ich wusste: Das muss nach Hamburg!«
Lars Hinrichs
Das ist für ein noch nicht eröffnetes Haus mal eine Ansage. Der Vorverkauf ist fantastisch für uns. Was uns besonders freut: Die Ticketkäufe kommen aus ganz Europa – aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, Italien, Spanien und Norwegen. Unser UBS Digital Art Museum spricht sich wegen der faszinierenden sinnlichen Digitalkunst des Kunstkollektivs teamLab herum.
Das Konzept basiert auf der Zusammenarbeit mit dem internationalen japanischen Kunstkollektiv teamLab Borderless aus Tokio. Und das UBS Digital Art Museum beheimatet die erste Dauerausstellung von teamLab Borderless in Europa. Was unterscheidet Ihr Digitalmuseum von Projekten wie zum Beispiel der immersiven Kunst im Port des Lumières im Westfield-Überseequartier, das vor einem Jahr eröffnet hat? Der Port des Lumières ist deutlich kleiner, knapp halb so groß wie unser Haus, und zeigt Reproduktionen bestehender Kunst als Projektion. Das ist eine wunderbare Ergänzung. Verstehen Sie mich nicht falsch, aber wir zeigen originale, neue Kunst, die eigens für den digitalen Raum geschaffen wurde. teamLab ist einfach die absolute Avantgarde. Die haben 2001 mit fünf Freunden angefangen und sind heute ein riesiges, interdisziplinäres Kollektiv. Da arbeiten Fachleute aus Kunst, Architektur, Mathematik, Programmierung und CG-Animation Hand in Hand.teamLab ist einfach mit über 1.000 Künstlern, Ingenieuren und Architekten die absolute Avantgarde. Wir erschaffen hier das erste dedizierte Museum für digitale Kunst in Europa.

digitalen Arbeit begonnen haben und bis heute absolute Avantgarde sind. Sie haben als interdisziplinäres Labor Pionierarbeit geleistet und schaffen grenzenlose Kunstwerke, die miteinander interagieren und die Wahrnehmung des Publikums durch Licht, Sound und Sensorik völlig neu herausfordern. © Catrin-Anja Eichinger
Wie entstand Ihre persönliche Begeisterung für die digitale teamLab-Kunst? Ich habe 2016 in Frankreich zum ersten Mal eine Arbeit von ihnen gesehen – auf einem Monitor-Screen. Die Komplexität und der Stil haben mich sofort fasziniert. 2018 bin ich extra nach Tokio geflogen, um deren Museum zu besuchen. Wenn man verliebt ist, reist man eben weit. Dieses Erlebnis hat mich so tief berührt, dass ich wusste: Das muss nach Hamburg!
Warum sind die teamLab-Künstler für Sie so wichtig für die Digitalkunst? Weil sie schon 2001 mit ihrer digitalen Arbeit begonnen haben und bis heute absolute Avantgarde sind. Sie haben als interdisziplinäres Labor Pionierarbeit geleistet und schaffen grenzenlose Kunstwerke, die miteinander interagieren und die Wahrnehmung des Publikums durch Licht, Sound und Sensorik völlig neu herausfordern.
Werden keine anderen Künstler vorgestellt? Doch, absolut! Wir haben noch eine zweite Fläche. Die wird von unserem künstlerischen Leiter Ulrich Schrauth kuratiert. Dort zeigen wir in wechselnden Sonderausstellungen ganz gezielt weitere Positionen: von international renommierten bis hin zu aufstrebenden Newcomer-Künstlerinnen und -Künstlern.Allerdings gibt es weltweit nur 20 bis 30 Künstler, die wirklich im digitalen Raum arbeiten. Etwa den US-amerikanischen Licht- und Land-Art-Künstler James Turrell oder den türkisch-amerikanischen Medienkünstler und Architekten Refik Anadol, der mit künstlicher Intelligenz arbeitet. Die digitale Kunst von teamLab ist das Herzstück unseres Museums. Sie sind einzigartig und ihre Museen in Japan immer ausverkauft. Sie sind in der Digitalkunstszene so wichtig, dass wirklich jedes große und wichtige Museum ein Werk von teamLab hat. Sie verkaufen übrigens nur an Museen, nicht an private Sammler.
»Geld ist immer nur ein Nebenprodukt von leidenschaftlicher Arbeit. Es entsteht, wenn man Dinge macht, die man liebt, und damit andere Menschen begeistert. Wenn man einen eigenen Antrieb hat, findet man immer seinen Weg! Was ich allerdings gar nicht leiden kann, sind unnötige Geldausgaben.«
Lars Hinrichs
Gibt es ein Werk, das Sie besonders berührt hat? Eindeutig „Infinite Crystal World“ von teamLab. Eine interaktive Lichtinstallation in einem komplett verspiegelten dreidimensionalen Raum, in dem Tausende von herabhängenden LED-Lichtern immer neue Eindrücke und unendliche Tiefe erzeugen. Das hat mich innerlichh so berührt, dass ich teamLab nach Hamburg holen wollte.
Und warum in der HafenCity? Hamburg ist meine Heimatstadt. Aber auch statistisch macht es absolut Sinn: Die Metropolregion Hamburg hat über 5,4 Millionen Einwohner. Berlin hat deutlich mehr Kunstinstitutionen als München, München wiederum spürbar mehr als Hamburg. Berlin hat 190 Kunstinstitutionen, München 90, Hamburg gerade einmal 45. Hier ist also noch enormes Wachstum möglich. Zudem liegt unser Standort im östlichen Teil der HafenCity und bildet damit einen perfekten kulturellen Dreiklang: zwischen dem Elbtower mit dem künftigen Naturkundemuseum auf der einen und der geplanten neuen Oper auf dem Baakenhöft auf der anderen Seite. Das sind jeweils fußläufig nur wenige 100 Meter. Besser geht es kaum. Das finde ich sensationell.
Glauben Sie, dass der Elbtower zu Ende gebaut und das Naturkundemuseum kommen wird? Ganz sicher. Hamburg muss sich das leisten wollen.
Sie erwarten „mehr als eine schwarze Null“, planen das UBS Digital Art Museum als Businesserfolg. Was macht Sie unternehmerisch so sicher? Der weltweite Erfolg des teamLab und unsere Alleinstellung in Europa. Natürlich hilft es enorm, dass es die unfassbar erfolgreiche Vorlage in Japan gibt. Die haben dort jährlich 4,5 Millionen Besucher, halb so viel wie im Louvre von Paris, dem größten Kunstmuseum der Welt.
Hätten Sie sich träumen lassen, als Businessplattform-Gründer von Xing mal ein Museum zu bauen? Stand das auf Ihrer Agenda? Ich habe keine Agenda. Das wäre furchtbar langweilig. Meine Agenda ist Unternehmertum und dass ich Dinge mache, die mich begeistern – und andere! Dass für die teamLab-Kunst Madonna, Will Smith, J.Lo oder die Kardashians und so weiter alle nach Tokio reisen, um das Besondere zu erleben, ist doch phänomenal.
Was macht die Erfahrung in der teamLab-Borderless-Ausstellung so anders als in einem klassischen Museum? Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Tasten: Alle Sinne werden im UBS Digital Art Museum angesprochen. Es ist eine multisensorische Kunsterfahrung, die grenzenlos, eben „borderless“ ist und die einem neue, noch nie erlebte Räume und Perspektiven eröffnet.

Transcending Space«. Lars Hinrichs: „Sehen, Hören, Schmecken, Riechen und Tasten:
Alle Sinne werden im UBS Digital Art Museum angesprochen. Es ist eine multisensorische Kunsterfahrung,
die grenzenlos, eben ,borderless‘ ist.“ © teamLab
Sind Sie ausschließlich ein Digital Nerd, oder berührt Sie auch analoge Kunst wie Malerei oder Skulpturen mit ihren jeweiligen Epochen? Jede neue Kunstepoche wurde von der vorherigen belächelt, ob nun Streetart, Comic Art oder Pop-Art. Ich kann mir nichts Schöneres vorstellen, als dass ich jetzt der Digital Art mit dem Museum faszinierende neue Räume gebe und neue Wahrnehmungen ermöglicht werden.
Waren Sie schon immer kunstinteressiert? Das erste Kunstwerk, das mich als Schüler in den Bann gezogen hat, waren die meterhohen und tonnenschweren Stahlskulpturen von Richard Serra im MoMA, im Museum of Modern Art in New York. Das Moderne liegt mir näher als die Dürers und van Goghs. Wann immer ich in eine neue Stadt komme, gehe ich als Erstes ins Museum für Neue Kunst – ob digital oder nicht digital. Für mich ist Kunst immer ein Spiegel der Gegenwart, sie baut immer schon Brücken und ist eine Zeitreise in Vergangenes. Kunst beleuchtet aktuelle soziale Themen und ist eine Art universelle Sprache, die man auch ohne Worte begreifen kann. Wenn Kunst einen berührt, egal ob positiv oder negativ, es ist ja immer eine Emotion, die vermittelt wird. Und das ist dann Kunst.
»Mehr Unternehmertum, mehr Optimismus, mehr Neugier und mehr Leidenschaft! Uns fehlt der Optimismus. Es muss schlichtweg, wie der frühere Bundespräsident Roman Herzog 1997 gesagt hat, endlich ein Ruck durch die Gesellschaft gehen.«
Lars Hinrichs
Man sagt Ihnen nach, dass Sie konsequent nah am operativen Geschehen sind, sich bestens auskennen, auch technisch. Und Ihre Baustellen sind auch nicht vor Ihnen sicher. Stimmt das? Wenn irgendwo eine Kippe liegt, hebe ich sie auf und werfe sie in den Müll. Wenn man erfolgreich sein will, muss man bestens informiert sein und mit anpacken.
Sie besitzen privat kein Auto, nutzen Carsharing-Angebote. Warum? Die Kinder sind aus dem Haus, ich arbeite viel im Homeoffice. Ich zahle über Carsharing zwar manchmal mehr, als mich ein Leasingvertrag kosten würde, aber ich habe auch keinen Aufwand damit: kein Tanken, keine Werkstätten, keine Rückgabe-Bürokratie. Es ist einfach hassle-free, wie der Amerikaner sagt, einfach stressfrei.
Sie haben sich ein Vermögen erarbeitet, investieren, riskieren Millionenbeträge: Was bedeutet Ihnen Geld? Geld ist immer nur ein Nebenprodukt von leidenschaftlicher Arbeit. Es entsteht, wenn man Dinge macht, die man liebt, und damit andere Menschen begeistert. Wenn man einen eigenen Antrieb hat, findet man immer seinen Weg! Was ich allerdings gar nicht leiden kann, sind unnötige Geldausgaben.

Intelligenz, KI, wird unser Leben komplett verändern. Wer bei KI nicht mitmacht, ist abgehängt und wird in
Zukunft keinen Erfolg haben. Und KI wird die Besten noch besser machen.“ @ teamLab
Sie beobachten technologische Trends sehr genau. Welche Entwicklung wird unser Leben in den kommenden Jahren am stärksten verändern? Das ist schon passiert: Seit das US-amerikanische KI-Unternehmen Anthropic am 24. November 2025 sein Spitzenmodell „Claude Opus 4.5“ gelauncht hat, kann jeder, wirklich jeder programmieren. Ganz klar: Künstliche Intelligenz, KI, wird unser Leben komplett verändern. Wer bei KI nicht mitmacht, ist abgehängt und wird in Zukunft keinen Erfolg haben. Und KI wird die Besten noch besser machen. Alles, was sich wiederholt, wird durch KI ersetzt werden. Das „Machine Learning“ wird zum Beispiel auch viele der sogenannten Einstiegsberufe ersetzen. Wir nutzen KI-Tools im Museum bereits intensiv für Auslastungsberechnungen, Kapazitätsplanungen und Prognosen. Künstliche Intelligenz ist genauso bedeutend wie die Erfindung des Internets.
Wie lernen aktuell zum Beispiel durch Googles Gemini-KI, dass Maschinen lernen können – je präziser die Eingaben, die Prompts, sind. Das war doch im 20. Jahrhundert undenkbar? Da liegen Sie vollkommen falsch. Der britische Mathematiker und Informatiker Alan Turing hat mit seinem Berechenbarkeitsmodell der Turing-Maschine in den 40er- und 50er-Jahren die Grundlagen für die moderne Informations- und Computertechnologie geschaffen. Maschinen können Probleme lösen, die der Mensch nicht in den Griff bekommt.
Und was passiert, wenn sich die schlauen Maschinen, die wir programmiert haben, sich verselbstständigen und ein Eigenleben entwickeln? So wie sich jüngst KI eigenmächtig in fremde Systeme eingehackt hat? Das sind alles nur Marketingmaßnahmen gewesen. Da hatte sich nichts verselbstständigt.
Sie haben keine Angst vor KI-gesteuerten Maschinen, die ein Eigenleben entwickeln könnten? Nein! Ganz ehrlich, ich lasse mich lieber von einem KI-gesteuerten Flugzeug fliegen als von einem Piloten.
Wirklich? Zu 100 Prozent. Seien wir mal ehrlich, konsequent zu Ende gedacht: Wenn wir keine Lokführer mehr hätten, sondern nur noch KI-Systeme, hätten wir keine Unfälle und keine Verspätungen mehr, und selbst die Deutsche Bahn hätte die Chance, pünktlich zu sein.
Deutschland ist von Miniwachstum geprägt, dümpelt wirtschaftlich vor sich hin, und alle verbreiten Skepsis. Was muss passieren, damit wieder Aufbruchstimmung und gute Laune bei uns im Land Vorfahrt haben? Mehr Unternehmertum, mehr Optimismus, mehr Neugier und mehr Leidenschaft! Uns fehlt der Optimismus. Es muss schlichtweg, wie der frühere Bundespräsident Roman Herzog 1997 gesagt hat, endlich ein Ruck durch die Gesellschaft gehen.
Den können aber weder Politik noch Wirtschaft anordnen und auch die KI nicht initiieren. In der Herzog-Rede ging es um lebenslanges Lernen. Diesen Zugang, Optimismus und Vertrauen in Neues, vermisse ich generell in der Gesellschaft. Und in der Politik haben große Koaltionen noch nie geholfen, weil nur Kompromisse entstehen. Das ist für mich der Grund, warum ich nie in die Politik gehen könnte. Ich bin nur äußerst selten kompromissfähig. Das Gespräch führte Wolfgang Timpe



