Grüne Null

Die HafenCity Hamburg GmbH präsentierte den Architekten-Siegerentwurf für ihren neuen Unternehmenssitz am Dalmannkai / San-Francisco-Straße. Das Büro-gebäude will Masterprojekt für ein Null-Emissions-Haus sein

Auf den Pressekonferenzen der HafenCity Hamburg GmbH (HCH) geht es in der Regel seriös lobend für die Teilnehmer:innen aus Architekten- und Ingenieurbüros, Freiraumplanern, Ingenieuren oder Bauherren und Investoren zu. Am 20. April war in der Videopressekonferenz zum Null-Emissionshaus alles etwas anders, nein: zugespitzer und empathischer. Die HCH-Geschäftsführer Prof. Jürgen Bruns-Berentelg und Dr. Andreas Kleinau sowie Oberbaudirektor Heinz-Josef Höing und Siegerentwurf-Architekt Christian Pelzeter des Büro Heinle, Wischer und Partner, Freie Architekten, legten die Herausforderungslatte für einen einzigartigen Modellbau sehr hoch.
Foto oben: Der Blick vom Sumatra-Haus aus zeigt die Transparenz und luftigen Austrittsflächen des Gebäudes. © Heinle, Wischer und Partner, Freie Architekten

Gerade in der HafenCity haben wir den Anspruch, bauliche Qualität und ökologische Zielsetzungen auf höchstem Niveau zusammenzubringen. Der Entwurf zum Null-Emissions-Haus von Heinle, Wischer und Partner setzt mit seiner klaren Architektursprache neue Maßstäbe – der unprätentiöse und einladende Charakter des Gebäudes zeigt, wie gut sich Nachhaltigkeit und Architekturqualität ergänzen.“
Franz-Josef Höing, Oberbaudirektor der Freien und Hansestadt Hamburg

Am neuen Unternehmenssitz der HafenCity Hamburg GmbH am Dalmannkai / San-Francisco-Straße lobt Hamburgs Oberbaudirektor Franz-Josef Höing die architektonischen und nachhaltigen Qualitäten: „Gerade in der HafenCity haben wir den Anspruch, bauliche Qualität und ökologische Zielsetzungen auf höchstem Niveau zusammenzubringen. Der Entwurf zum Null-Emissions-Haus von Heinle, Wischer und Partner setzt mit seiner klaren Architektursprache neue Maßstäbe – der unprätentiöse und einladende Charakter des Gebäudes zeigt, wie gut sich Nachhaltigkeit und Architekturqualität ergänzen.“ Und für HCH-Geschäftsführer Andreas Kleinau steht der zukunftsorientierte Kommunikationscharakter eines Bürogebäudes im Vordergrund: „Wir freuen uns, nicht nur in puncto Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle einzunehmen, sondern auch moderne und attraktive Arbeitsbedingungen für unser eigenes Unternehmen zu schaffen. Die wachsenden Stadtentwicklungsaufgaben erfordern auch neue anspruchsvolle Formen der Zusammenarbeit. Mit diesem hoch innovativen und kommunikativen Gebäude bietet sich die Chance, gemeinsam die Organisation weiterzuentwickeln.“ In jedem Fall wird die HafenCity an dieser schmucklosen Ecke mit seiner funktionalen Industriesachlichkeit des Heizwerks um grüne Gärten an warmen Holzfassaden aufgewertet. Für Höing wird ein städtebaulicher „Torso geschlossen“. Es sei heute ein „unfertiger Ort“, der „einen Schlussstein“ brauche.

Der Blick von der Katharinenschule am Dalmannkai zeigt, dass der Baustoff Holz außen die tragenden Konstruktionen und Außenfassaden wie auch das Raumgefühl innen prägt. © Heinle, Wischer und Partner, Freie Architekten
Der Blick von der Katharinenschule am Dalmannkai zeigt, dass der Baustoff Holz außen die tragenden Konstruktionen und Außenfassaden wie auch das Raumgefühl innen prägt. © Heinle, Wischer und Partner, Freie Architekten

Das Null-Emissions-Haus, wird nach dem Cradle-to-Cradle-Prinzip erstellt und ist die „Vision einer abfallfreien Wirtschaft, bei der Unternehmen keine gesundheits- und umweltschädlichen Materialien mehr verwenden und alle Stoffe dauerhaft Nährstoffe für natürliche Kreislaufe oder geschlossene technische Kreisläufe sind und immer wieder neu verwertet werden können“. 

Der neue Unternehmenssitz bietet auf dem 1.500 Quadratmeter großen Grundstück Platz für die HafenCity GmbH und ihre Tochtergesellschaften sowie weitere Büronutzungen durch Dritte – vorraussichtlich werden 50 Prozent der 7.200 Quadratmeter Bruttogrundfläche vermietet. In den Erdgeschosslagen des Gebäudes sind publikumsbezogene Nutzungen vorgesehen wie zum Beispiel Ladeneinheiten, Ausstellungsflächen, Kultur oder Dienstleistungen. In das Untergeschoss werden die Umformer der Landstromanlage für die nachhaltige Energieversorgung der Anleger am Kreuzfahrtterminal in der HafenCity am Chicagokai integriert. 

Wir freuen uns, nicht nur in puncto Nachhaltigkeit eine Vorreiterrolle einzunehmen, sondern auch moderne und attraktive Arbeitsbedingungen für unser eigenes Unternehmen zu schaffen. Die wachsenden Stadtentwicklungsaufgaben erfordern auch neue anspruchsvolle Formen der Zusammenarbeit. Mit diesem hoch innovativen und kommunikativen Gebäude bietet sich die Chance, gemeinsam die Organisation weiterzuentwickeln.“
Dr. Andreas Kleinau, Geschäftsführung HafenCity Hamburg GmbH

Die selbstgewählte Herausforderung des Bauherrn HCH ist das neu zertifizierte Umweltzeichen Platin-Plus der HafenCity. Er umfasst fünf zentrale Kategorien für nachhaltiges Bauen: „Nachhaltiger Umgang mit energetischen Ressourcen, nachhaltiger Umgang mit öffentlichen Gütern, Einsatz umweltschonender Baustoffe, besondere Berücksichtigung von Gesundheit und Behaglichkeit sowie ein nachhaltiger Gebäudebetrieb“.

Für den Architekten und Dipl.-Ing. Christian Pelzeter ist der Bau des Null-Emis-sions-Hauses auch eine unternehmensstrategische Maßnahme seines Büros. „Unser Team entwickelt hier eine Blaupause für nachhaltige Bauten, wir betrachten die Planung, den Gebäudebetrieb und den Rückbau unter den Aspekten der CO2-Neutralität. Wir haben uns bürointern das Ziel gesteckt, dieses Level bis 2030 für alle Planungsaufgaben zu entwickeln.“

Während wir künftig beim Bauen eine nachhaltige CO2-Nullleistung oder sogar -Minusleistung für das Klima erwirtschaften, frisst die Infrastruktur der Umgebung die Leistung wieder auf und erhöht für die Stadt und das Quartier den CO2-Rucksack.“
Prof. Jürgen Bruns-Berentelg, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH

Einige Wassertropfen streute HCH-Geschäftsführer Jürgen Bruns-Berentelg in den grünen Hausbau-Wein, denn der Unternehmenssitz strebe zwar Null-Emissionen an, aber die das Bürogebäude umgebende Infrastruktur erzwinge quasi eine Minus-Null-Emission des Gebäudes, damit Hamburg und die HafenCity langfristig im Jahr 2040 das Ziel der CO2-neutralen Stadt verwirklichen könne. „Während wir künftig beim Bauen eine nachhaltige CO2-Nullleistung oder sogar -Minusleistung für das Klima erwirtschaften, frisst die Infra-struktur der Umgebung die Leistung wieder auf und erhöht für die Stadt und das Quartier den CO2-Rucksack.“

Für Bruns-Berentelg geht es deshalb vor allem im neuen Stadtteil Grasbrook gegenüber der HafenCity darum, eine ganzheitliche neue Stadtteilentwicklung mit echten Null-Emissionen – auch in der Infrastruktur – zu entwickeln. „Wir müssen klimaneutrale Stadtentwicklung ermöglichen“, so der Vorsitzende der HCH-Geschäftsführung, „aber stehen erst am Anfang.“ Wolfgang Timpe

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