Kammerballett trifft Clubschiff und Pilates

Der HCZ-Reporter Jimmy Blum über Events, People und Schnack aus dem Quartier

Hamburg hat viele Bühnen. Doch manchmal beginnt Kultur überraschend dort, wo noch gar keine Bühne steht. So war es beim gelungenen ­ResiDance-Abend des Hamburger Kammerballetts im Oberhafen. Rund 120 Gäste waren gekommen, um zu sehen, was hier entstehen soll. Ich war dabei und hatte ziemlich schnell das Gefühl, dass dieser Ort mehr werden kann als nur ein neuer Proberaum.
Foto oben: Sponsoren-Dinner für 120 Gäste: Das Hamburger Kammerballett will mit ResiDance im Oberhafen einen Proben- und Veranstaltungsort schaffen. © Christina Gotz

Das Hamburger Kammerballett wurde 2022 von Edvin Revazov und Isabelle Rohlfs gegründet. Die Idee entstand nach dem russischen Angriff auf die Ukraine. Geflüchtete professionelle Tänzer:innen sollten in Hamburg nicht nur Arbeit, sondern auch eine neue künstlerische Heimat finden. Inzwischen ist daraus eine feste Company geworden, die auf großen Hamburger Bühnen zu sehen ist. Ein besonderer Höhepunkt waren die beiden ausverkauften Auftritte im Großen Saal der Elbphilharmonie. Darüber hatte ich bereits in einem eigenen Bericht in der HafenCity Zeitung geschrieben. Umso schöner war es für mich, jetzt zu sehen, wie es mit dem Hamburger Kammerballett weitergeht und welche großen Pläne die Company für ihr neues eigenes Zuhause hat. 

Mit ResiDance soll im Oberhafenquartier auf rund 530 Quadratmetern ein eigener Proben- und Aufführungsort entstehen. Das Hamburger Kammerballett erhielt dafür 2025 den Zuschlag. Der Raum soll zugleich offen für andere freie Künstler:innen sein. Geplant sind Proben, Aufführungen, Konzerte und Veranstaltungen. Und genau das wurde an diesem Abend schon einmal ausprobiert. Es gab Tanz, Musik und Gesang. Die Architekten zeigten, wo künftig Bühne, Publikum, Lichttechnik und sanitäre Anlagen ihren Platz finden könnten. Unter den Gästen waren Vertreter:innen von Stiftungen und vom Rotary Club Hamburg sowie potenzielle Unterstützer aus der Hamburger Wirtschaft – auch Hapag-Lloyd war vertreten. Das Interesse war groß. Mehrere Gäste signalisierten bereits ihre Bereitschaft, das Projekt finanziell zu unterstützen. 

Und Geld wird gebraucht. Aus einer leeren Halle wird schließlich nicht mit ein paar Scheinwerfern ein funktionierender Kulturort. Einer der größten Posten ist die notwendige Lüftungsanlage. Allein dafür geht es um mehrere Hunderttausend Euro. Umso erfreulicher war die Nachricht des Abends, dass es für diesen wichtigen Baustein bereits ein sehr positives Signal für Unterstützung gibt. „Wir wollen hier einen Proben- und Vorstellungsort für das Hamburger Kammerballett schaffen“, beschreibt Geschäftsführerin Isabelle Rohlfs die Idee. 

Gleichzeitig soll ResiDance ein Ort für weitere frei arbeitende Künstler:innen und Künstler in Hamburg werden. Deshalb liegt mir dieses Projekt besonders am Herzen. Ich unterstütze das Hamburger Kammerballett nicht nur als Kulturfan. Ich versuche auch auf politischer Ebene, Türen zu öffnen und Unterstützung möglich zu machen. Denn Kultur braucht nicht nur Künstler:innen, sondern auch Publikum. Und sie braucht vor allem Räume, in denen sich künstlerische und konzeptionelle Arbeit frei entfalten kann. Der Oberhafen bietet beste Voraussetzungen für solch einen Ort. Einen, der durch Vermietungen auch eigene Einnahmen erwirtschaftet, der Künstler:innen eine Bühne gibt und Hamburg kulturell noch vielfältiger macht.

Nach diesem Abend war für mich klar: ResiDance verdient jede Unterstützung. 
ResiDance, Oberhafen, Stockmeyerstr. 43, 20457 Hamburg, hamburger-kammerballett.de

Pilates-Studio Loft Five. Inhaber Leon Ngnoubamdjum (l.) und Philipp Herbrig-Marra
sowie Cheftrainerin Melissa Mieling: „Wir wollen einen stärkeren Körper schaffen, mit dem man
stabiler durch den Alltag geht.“ © we are true | Lasse Reinhold

Pilates neu am Überseeboulevard. Ach, ich und Fitnessstudios, das ist eine lange Geschichte voller guter Vorsätze und bezahlter Mitgliedsbeiträge. Nur mit dem Hingehen hapert es gelegentlich. Yoga habe ich früher schon gemacht, und Sport begleitet mich eigentlich mein ganzes Leben. Trotzdem war Reformer ­Pilates für mich Neuland.

Jetzt gibt es das direkt vor meiner Haustür in der HafenCity. Noch heißt das Studio Soul Loft, demnächst wird daraus Loft Five. Der neue Name spielt mit der Hausnummer 5 und den fünf Sinnen: Sehen, Hören, Riechen, Schmecken und Tasten. Duft, Musik und Bewegung sowie Lavendeltücher nach dem Training und anschließend ein Espresso klingt schon mal spürbar besser als Neonlicht und Hantelbank.

Hinter dem Studio stehen Leon Ngnoubamdjum und Philipp Herbrig-Marra. Beide sind Eigentümer und führen Loft Five selbst. Leons Frau ist Cheftrainerin. Damit ist das Ganze fast ein Familienbetrieb. Und genau das merkt man sofort. Hier wurde nicht einfach ein schickes Konzept hingestellt. Die drei sind mit Herzblut dabei. Alles wirkt persönlich und nahbar. Man merkt, dass die Menschen, denen der Laden gehört, auch tatsächlich im Laden stehen.

Herzstück sind zehn sogenannte Reformer. Darauf liegt, sitzt oder steht man auf einem beweglichen Schlitten und arbeitet mit Federn gegen unterschiedliche Widerstände. „Wir wollen einen stärkeren Körper schaffen, mit dem man stabiler durch den Alltag geht“, erklärt Leon.

Und genau das gefällt mir. Beim Yoga habe ich gelernt, meinen Körper bewusster wahrzunehmen. Performer Pilates ist noch einmal etwas ganz anderes. Es verbindet kontrollierte Bewegungen mit Kraft. Und es erinnert mich ziemlich schnell daran, dass mein Körper Muskeln besitzt, die ich offenbar jahrelang erfolgreich ignoriert habe. Bewusst gibt es im Loft Five nur zehn Geräte. So bleibt genug Zeit für persönliche Betreuung. „Das Training steht und fällt mit dem Trainer“, sagt Leon. Und ich glaube, genau darin liegt die Stärke von Loft Five. 

Ich wohne beinahe seit den Anfängen in der HafenCity. Damals gab es vor meiner Tür vor allem Sand und Baustellen. Deshalb freue ich mich über neue Konzepte, die dem Stadtteil Persönlichkeit geben. Und das Beste ist: Ich kann zu Fuß hin. Meine letzte Ausrede ist damit leider auch weg. 
Loft Five, Singapurstr. 5, 20457 Hamburg; soulloft.de

Port des Lumières präsentiert »Monet – Meister des Impressionismus«: Licht, Wasser,
Spiegelungen und Farben waren seine große Leidenschaft. © Fabijan Vuksic

Jedes Mal falle ich darauf rein, jedes Mal. Ich gehe ins Port des ­Lumières, sehe die neue Show »Monet – Meister des ­Impressionismus« und denke: Jetzt haben sie es geschafft, dies ist nun die beste Show, mehr geht nicht. Und dann kommt doch wieder die nächste. Ich ergebe mich. Jetzt also Monet, und, hallo!, was soll ich sagen: Schon wieder bin ich hin und weg.

Ich stehe mitten in einem Seerosenteich. Farben fließen über Wände und Boden, der Hafen von Le Havre erwacht im Sonnenaufgang, die Kathedrale von Rouen verändert sich vor meinen Augen. Dazu diese Musik. Mal ganz leise, dann wieder gewaltig. Man schaut nicht einfach auf Monets Bilder. Man läuft durch sie hindurch.

„Port des Lumières ist ein Erlebnis für alle Sinne“, sagt ­Sebastian Gey, Head of Operations im Port des Lumières. Klingt nach Werbung, stimmt hier nur leider ziemlich genau. Vielleicht funktioniert Monet für diese Art der Inszenierung sogar besonders gut. Licht, Wasser, Spiegelungen und Farben waren seine große Leidenschaft. Mehr als 100 Jahre später füllen sie nun einen riesigen Raum in Hamburg. Zwölf Sequenzen führen durch sein Leben und seine Kunst, von der Normandie über das Mittelmeer bis in seinen Garten nach Giverny.

Und jetzt lehne ich mich weit aus dem Fenster: Monet ist meine bisher schönste Show im Port des Lumières. Ich weiß nur inzwischen auch, wie lange dieser Satz bei mir hält. Bis zur nächsten Show. 
Port des Lumières, Platz am 10. Längengrad 1, 20457 Hamburg, port-lumieres.com

Neuer Liegeplatz für die »MS Stubnitz« am Baakenhöft: ein einzigartiger Teil der Kulturszene. © Stubnitz

Die „Stubnitz“ zieht um. Manchmal reichen 900 Meter für einen großen Neuanfang. Am 5. Oktober zieht die MS Stubnitz von ihrem bisherigen Liegeplatz an den Elbbrücken zum Baakenhöft. Ich finde, dort gehört dieses besondere Stück Hamburger Kulturgut auch hin – mitten in die HafenCity, direkt an die Elbe. Dort, wo Hamburgs jüngster Stadtteil weiter wächst, künftig die Hamburgische Staatsoper ihr neues Haus bekommt und gegenüber 2027 die Vermarktung und der Bau des neuen Quartiers Grasbrook am Moldauhafen beginnt.Die „MS Stubnitz“ als Teil des neuen Stücks Stadt im Süden.

Die „MS Stubnitz“ ist für mich weit mehr als ein Clubschiff. Sie ist ein Stück lebendige Industriegeschichte. 1964 in Stralsund gebaut, war sie einst Kühl- und Transportschiff der DDR-Hochseefischerei. Seit 1992 wird sie für Musik, Kunst und Kultur genutzt, seit 2003 steht sie unter Denkmalschutz. Wo sonst kann man feiern und gleichzeitig durch ein Industriedenkmal laufen?

Am Baakenhöft macht die „Stubnitz“ am bisherigen temporären Kreuzfahrtterminal fest. Sogar der Weg an Bord wird besonders. Eine „Flüstergangway“ soll dafür sorgen, dass es beim Kommen und Gehen leiser zugeht.

Auch unter Deck tut sich etwas. Mit Unterstützung des Future Fonds 2.0 wurde die historische Heizungsanlage überarbeitet. Neue Ventile, Thermostate und ein neues Heizgebläse sollen die vorhandene Technik effizienter machen. Ich mag diesen Ansatz. Nicht alles Alte muss raus, um ökologischer zu werden. Manchmal muss man das Vorhandene einfach klüger nutzen. Und keine Sorge, die „Stubnitz“ verschwindet nicht irgendwo im Nirgendwo. Bus 111/Baakenhöft, U4/HafenCity Universität und S3 + S5/Elbbrücken sowie das Fahrrad bringen einen weiterhin gut hin.

Der neue Liegeplatz ist zunächst eine Zwischenlösung. Mindestens bis Anfang 2028 soll die „Stubnitz“ am Baakenhöft bleiben. Wie es danach weitergeht, ist offen. Schließlich soll genau hier auch die neue Oper entstehen. Ob die „Stubnitz“ während der Bauarbeiten bleiben kann, steht noch nicht fest. Ich würde es mir wünschen. Denn der Kontrast könnte kaum spannender sein. Auf der einen Seite eine neue, spektakuläre Oper. Daneben ein denkmalgeschütztes Arbeitsschiff von 1964, rau, eigenwillig und voller Clubkultur. Für mich wäre genau das Hamburg. Nicht entweder-oder, sondern beides nebeneinander. 

Für Kultur- und Mediensenator Dr. Carsten Brosda ist die „,MS Stubnitz‘ ist ein sehr besonderer Kulturort, der seinesgleichen in Deutschland und vielleicht in ganz Europa sucht. Den Betreibern ist es gelungen, dass sich die ,Stubnitz‘ als fester Bestandteil der Hamburger Livemusik- und Kulturszene etabliert hat.“ Ich würde noch ein Wort ergänzen: einzigartig. Und hoffentlich auch langfristig am Baakenhöft.
MS Stubnitz, Baakenhöft, 20457 Hamburg, stubnitz.com

Der »weiße Schwan« des Hafens, der Stückgutfrachter »Cap San Diego«: ein
lebendiger Ort Hamburger Geschichte und Kultur. © Wolfgang Timpe

Ein weißer Schwan, der noch lange nicht zum alten Eisen gehört. Gerade noch die „MS Stubnitz“, jetzt der nächste schwimmende Hamburger Klassiker. Und, ja, auch hier bin ich Fan. Die elegante Cap San Diego an der Überseebrücke gehört für mich zu Hamburg wie Michel, Hafen und Fischbrötchen. Im September hatte die alte Dame gleich doppelt Grund zum Feiern. 40 Jahre Museumsschiff und 65 Jahre seit der Kiellegung anno 1961. Beim Jubiläum konnte man vom Maschinenraum bis zur Brücke auf Entdeckungstour gehen, morsen, Seemannsgarn hören und erfahren, wie das Leben auf einem Stückgutfrachter früher wirklich aussah.

Wer den Jubiläumstag verpasst hat, hat trotzdem nichts versäumt. Denn die „Cap San Diego“ liegt weiterhin an der Überseebrücke und wartet darauf, entdeckt zu werden. Sie ist Museum, maritimes Denkmal und vor allem noch immer fahrtüchtig. Seit 2025 erzählt die multimediale Dauerausstellung »Die Cap San Diego und ihre Geschichte« auf rund 600 Quadratmetern von großen Reisen, harter Arbeit, Technik und den Menschen, die an Bord gelebt haben. Mein Tipp ist deshalb ganz einfach: Nicht nur vom Ufer aus fotografieren. Rauf auf den weißen Schwan. 

Und wer jetzt richtig Lust auf eine Seefahrt bekommen hat, kann auf der „Cap San Diego“ sogar mitfahren. Sie ist seetüchtig! Mehrmals im Jahr heißt es tatsächlich noch „Leinen los“. Vielleicht faszinieren mich die „MS Stubnitz“ und die „Cap San Diego“ aus demselben Grund. Beide waren einmal reine Arbeitsschiffe. Heute sind sie lebendige Orte Hamburger Geschichte und Kultur. Nicht glatt restauriert und hinter Absperrbändern konserviert, sondern mittendrin im Hamburger Leben, wo sie für mich genau hingehören. 
Cap San Diego, Überseebrücke, 20459 Hamburg, capsandiego.de

Alles Gute, euer Jimmy

____________________________
Jimmy Blum ist Unternehmer und lebt in der HafenCity und in Nocera, Umbrien. 

Nachrichten von der Hamburger Stadtküste

Abonnieren Sie unseren monatlichen Newsletter!

Das könnte Ihnen auch gefallen