Von A-cappella-Chormusik bis zur Moderne

Vorschau. Am 29. Oktober tritt der Dresdner Kreuzchor in der Elbphilharmonie auf

Einer der ältesten und berühmtesten Knabenchöre der Welt ist der Dresdner Kreuzchor. Seine Geschichte reicht bis zur Ersterwähnung der Stadt Dresden ins frühe 13. Jahrhundert zurück. Im Jahr 2014 wurde der Kreuzchor als einer der drei sächsischen Knabenchöre in das bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen. 
Foto oben: Die Kruzianer, die Knaben des Dresdner Kreuzchors, singen seit über 100 Jahren auf allen Kontinenten – und treten mit weltbekannten Orchestern wie u. a. den Wiener Symphonikern auf. © Martin Jehnichen

Eine der wichtigsten Aufgaben der Kruzianer ist auch nach über 800 Jahren, in den liturgischen Diensten der Kreuzkirche am Dresdner Altmarkt zu singen. Hier tritt der Dresdner Kreuzchor in Vespern und Gottesdiensten auf und gibt regelmäßig Konzerte mit hervorragenden Werken geistlicher Musik. Sie bilden den Kern des Repertoires und sind Ausdruck der christlich-humanistischen Prägung des Chores. 

Wesentliche künstlerische Partner sind neben bedeutenden Solisten die Dresdner Philharmonie und die Sächsische Staatskapelle Dresden. Darüber hinaus arbeitet der Dresdner Kreuzchor aber auch mit Ensembles der Alten Musik wie dem Freiburger Barockorchester und der Akademie für Alte Musik Berlin sowie in jüngster Vergangenheit mit den Wiener Symphonikern zusammen. Das Repertoire des Dresdner Kreuzchores reicht von der Renaissance bis zu Uraufführungen zeitgenössischer Werke. Sein umfangreiches künstlerisches Schaffen ist in zahlreichen Aufnahmen dokumentiert, als erste CD-Einspielung des Kreuzchores unter der Leitung von Kreuzkantor Martin Lehmann erschien im April 2025 ein Live-Mitschnitt von Poulencs „Gloria“ und Schuberts As-Dur-Messe bei Berlin Classics. 

Neben seiner prägenden Funktion für das musikalische Leben in Dresden geht der städtisch getragene Chor seit über 100 Jahren auf Reisen durch Deutschland und über europäische Grenzen hinaus bis nach Israel, Kanada, Japan, Südamerika, Korea, China und in die USA. Er vertritt die sächsische Landeshauptstadt als ihre älteste Kulturinstitution auf nahezu allen Kontinenten und bei renommierten Musikfestivals wie dem Shanghai International Arts Festival und den Osterfestspielen Salzburg. Auch solistisch werden die Chorsänger für Opernpartien engagiert und sind regelmäßig in der Semperoper Dresden zu hören.  

Die Kruzianer besuchen bis zum Abitur das Evangelische Kreuzgymnasium, eine der ältesten Schulen Deutschlands. Viele Kruzianer wohnen im benachbarten Alumnat, dem Internat des Chores. Neben dem normalen Schulalltag erhalten die Sänger im Alter zwischen neun und achtzehn Jahren individuellen Gesangs- und Instrumentalunterricht. Für sein umfassendes Engagement im Nachwuchsbereich erhielt der Kreuzchor im Mai 2025 den Europäischen Kulturpreis.

Die Dresdner-Kreuzchor-Knaben gewannen den Europäischen Kulturpreis 2025.
© Dresdner Kreuzchor | Claudia Höhne

Seit 2022 ist Martin Lehmann 29. Kreuzkantor des Dresdner Kreuzchores und in dieser Funktion Intendant und künstlerischer Leiter der ältesten Kulturinstitution der sächsischen Landeshauptstadt. Sein Kantorat verbindet Tradition mit Innovation, sein Repertoire umfasst eine große Bandbreite von A-cappella-Chormusik über chorsinfonische Werke bis hin zu Ur- und Erstaufführungen zeitgenössischer Musik. Einen programmatischen Schwerpunkt seiner ersten Saisons als Kreuzkantor widmet er Werken von Kreuzkantoren, die auch als Komponisten erfolgreich waren. Mit der Vergabe von regelmäßigen Kompositionsaufträgen für Introiten, Einzugsgesänge für Heilige Messen, entwickelt er den Vesper-Kanon des Kreuzchores kontinuierlich weiter. 

Von 2001 bis 2005 war Martin Lehmann Leiter des Mädchenchores Schola Cantorum Leipzig, anschließend wechselte er als Musikalischer Leiter zur Wuppertaler Kurrende. Im Jahr 2012 übernahm er die Künstlerische Leitung des renommierten Windsbacher Knabenchores. Unter seiner zehnjährigen Leitung gastierte der Knabenchor regelmäßig bei weltweit bedeutenden Festivals sowie in wichtigen Konzertsälen wie dem Concertgebouw Amsterdam, dem Palau de la Música Catalana in Barcelona, dem Oriental Arts Center Shanghai, der Elbphilharmonie Hamburg und der Tonhalle Zürich. Seine Verdienste würdigte die Evangelisch-Lutherische Kirche in Bayern 2017 mit der Ernennung zum Kirchenmusikdirektor. 

Martin Lehmann arbeitete mit renommierten Ensembles wie der Sächsischen Staatskapelle Dresden, der Dresdner Philharmonie, den Wiener Symphonikern, dem Konzerthausorchester Berlin, den Stuttgarter Philharmonikern sowie mit der WDR BigBand zusammen, im Bereich der historischen Aufführungspraxis außerdem mit dem Freiburger Barockorchester und der Akademie für Alte Musik Berlin. Eine umfangreiche Diskografie dokumentiert sein vielfältiges Wirken. Zuletzt erschienen im April 2025 Poulencs „Gloria“ und Schuberts As-Dur-Messe mit dem Dresdner Kreuzchor und der Dresdner Philharmonie bei Berlin Classics sowie im Mai 2025 ein Livemitschnitt der Uraufführung von Sven Helbigs „Requiem A“ mit René Pape, dem Dresdner Kreuzchor und der Sächsischen Staatskapelle Dresden bei der Deutschen Grammphon. 

1973 in Malchin in Mecklenburg-Vorpommern geboren und später in Dresden aufgewachsen, begann Martin Lehmann seine musikalische Ausbildung im Dresdner Kreuzchor. Nach einem Studium in Chordirigieren an der Hochschule für Musik Carl Maria von Weber Dresden bei Hans-Christoph Rademann, als dessen künstlerischer Assistent er beim Dresdner Kammerchor prägende Erfahrungen sammelte, gründete er den Kammerchor Cantamus Dresden. Maria Bitter

Der Dresdner Kreuzchor präsentiert am Do., 29. Oktober 2026, um 19 Uhr u. a. Stücke von Johann Sebastian Bach, „Singet dem Herrn ein neues Lied“ BWV 225, Benjamin Britten, „Vater unser“ / Motette für Soli und vierstimmigen Chor op. 23/2, und Felix Mendelssohn Bartholdy, Psalm 2 »Warum toben die Heiden« op. 78/1. elbphilharmonie.de

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