»Primadonna assoluta!«

Theater. Ein Kammerspiel mit Annic-Barbara Fenske alias Maria Callas im Schmidtchen

Maria Callas alias ­Annic-Barbara Fenske, streng zurückgebundene Haare, cremefarbene Bluse, dunkle Hose, Perlenkette, kommt im Schmidtchen auf die Bühne und ist natürlich ganz Diva. Applaus will sie bitte schön nicht – weder für sich noch für jene drei Gesangsstudierenden, die ihr etwas vortragen sollen. Oft zerschneiden ihre überheblichen Worte wie Peitschenhiebe die Luft, die Launenhaftigkeit der „Primadonna assoluta“ ist krass. 
Foto oben: Schauspielerin Annic-Barbara Fenske alias Diva Maria Callas im Schmidtchen: So ein hochemotionales Kammerspiel hätte man in einem der Schmidt-Theater, die eher auf Schenkelklopfer spezialisiert sind, überhaupt nicht erwartet. © Morris Mac Matzen

In Terrence McNallys preisge­kröntem Stück ­»Meisterklasse« überzieht die Diva zwei Sopranistinnen (Freja Sandkamm) und einen Tenor (Ljuban Zivanovic) mit einer großen Portion Häme. Ob Pianist (Markus Jan Weber) oder Publikum: Die Sängerin, die bis heute als herausragendste Sopranistin aller Zeiten gilt, schikaniert alle gnadenlos. Ohne mit der Wimper zu zucken, spricht sie anderen Menschen das gewisse Etwas ab.

Die Besucher:innen erleben die griechisch-amerikanische Künstlerin an einem Punkt, an dem sie selbst gar nicht mehr auftritt, sondern nur noch in der Juilliard School in New York unterrichtet. Weil ihre Stimme nicht mehr das ist, was sie einmal war: einzigartig. Von ihrer einstigen Ausdrucksstärke zeugen Einspielungen der echten Maria Callas. Sie erinnern an frühere Triumphe – unter anderem in der Mailänder Scala. Neben solchen Höhenflügen prägten auch sehr dunkle Momente das Leben dieses Stars. Zwischen ihnen mäandert die grandiose Annic-Barbara Fenkse in Corny ­Littmanns Inszenierung hin und her. Sie beschwört Maria Callas’ Kindheit in Armut ebenso herauf wie deren (selbst-)zerstörerische Liebe zum schwerreichen Reeder Aristoteles Onassis. „Ari hat immer gesagt: ,Früher warst du bloß eine Sängerin, ein fetter, hässlicher Kanarienvogel, der für Geld gesungen hat‘“, offenbart sie schonungslos ehrlich. Obwohl sie dabei ziemlich tough wirkt, fast schon unbeteiligt, ahnt man, wie sehr sie so ein Satz verletzt haben muss.

Zu ihrer Unnahbarkeit, vielleicht in manchen Momenten bloß ein Schutzpanzer, passt das minimalistische Bühnenbild. Weil das Über-Ego der Callas sowieso alles überstrahlt, genügen Annic-Barbara Fenske ein Stuhl, eine Fußbank sowie ein Kissen als Requisiten. Mit Bravour zeichnet sie das Porträt einer zutiefst zerrissenen Frau und Künstlerin. Mal despotisch-eitel, mal einfach bedauernswert. Vor allem wenn die Callas erzählt, wie Aristoteles Onassis sie zur Abtreibung gezwungen hat. Das ist ungeheuer intensiv, so ein hochemotionales Kammerspiel hätte man in einem der Schmidt-Theater, die normalerweise eher auf Schenkelklopfer spezialisiert sind, überhaupt nicht erwartet. Ein Wagnis, das bei der Premiere mit Standing Ovations belohnt wurde. Dagmar Leischow

Info
„Meisterklasse“ läuft noch bis zum 28. März im ­Schmidtchen. Karten und Informationen unter: tivoli.de

Schauspielerin Annic-Barbara Fenske alias Diva Maria Callas im Schmidtchen. © Fotos (4): Morris Mac Matzen

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