Musik. Der Jazztrompeter Nils Wülker stellte in der Astor Film Lounge HafenCity sein neues Album »Zuversicht« vor und tritt im April in der Laeiszhalle auf
Riesengroß wird das Cover des aktuellen Albums „Zuversicht“ von Nils Wülker auf eine Leinwand projiziert. Nicht ohne Grund stellt der Jazztrompeter aus München, der früher in Hamburg gewohnt hat, seine neuen Stücke im Astor Club Kino der Astor Film Lounge HafenCity vor. „Ich habe mich für dieses Kino entschieden“, sagt er, „weil es eine tolle Dolby-Atmos-Anlage hat. Als Künstler und Soundfetischist ist das für mich großartig.“ Er schwärmt, dank Dolby Atmos könnten sich die Instrumente im Raum voll entfalten.
Foto oben: Ein nachdenklicher Musiker Nils Wülker:„Man kann und muss etwas für seine Zuversicht tun.“ © David Königsmann
Bevor es so weit ist, hat der 48-Jährige den geladenen Gästen aber noch etwas anderes zu bieten – eine Kurzdokumentation, die der Regisseur Robert Summerfield während der Produktionsphase in den Berliner Hansa Studios gedreht hat. Dort nahm Nils Wülker seine Platte in nur dreieinhalb Tagen mit einer internationalen Besetzung auf. Zur Seite standen ihm der amerikanische Pianist Aaron Parks, die australische Bassistin Linda May Han Oh sowie der amerikanische Schlagzeuger Greg Hutchinson. Der erzählt im Film, die Musiker:innen hätten überhaupt nicht geprobt. Nils Wülker selbst beschreibt den Entstehungsprozess seines Langspielers so: „Vier Leute haben sich zum ersten Mal getroffen und miteinander Musik gemacht – ohne Netz und doppelten Boden.“
»Ich habe mich für dieses Kino entschieden, weil es eine tolle Dolby-Atmos-Anlage hat. Als Künstler und Soundfetischist ist das für mich großartig.«
Nils Wülker über die Astor Film Lounge
Die Nummern sind aus Improvisationen erwachsen, aus der Gemeinschaft. Was das konkret bedeutete, erläutert Nils Wülker anhand der Ballade „Time Will Tell“. „Ich bin mit einer Klavierfigur sowie Ideen für Bass und Schlagzeug ins Studio gekommen“, erinnert er sich. „Für mich hatte ich jedoch keine Melodie. Alles ist aus dem Moment entstanden.“ Gemäß diesem Prinzip entwickelte sich ein organisches Klangbad zum Wohlfühlen. Ob das funky „Forces at Work“ oder das eingängige „Second Nature“: Das Quartett liefert einen unaufdringlich-eindringlichen Sound.

Dass sämtliche Stücke unter dem Titel „Zuversicht“ firmieren, ist wohlüberlegt. „Zuversicht kann man gerade in der heutigen Zeit gebrauchen“, findet Nils Wülker. Er selber hatte allerdings, bedingt durch die (welt-)politischen Umstände, zeitweise die Hoffnung verloren, als sein Album in der Planung war. Bis er auf das Zitat „Du bist so jung wie deine Zuversicht, so alt wie deine Zweifel“ stieß. Oft wird Albert Schweitzer als Urheber genannt, dabei stammen diese Worte eigentlich vom deutschstämmigen Rabbiner, Bürgerrechtler und Unternehmer Samuel Ullman. Sie berührten Nils Wülker nicht bloß zutiefst, sondern brachten ihm die Erkenntnis: „Man kann und muss etwas für seine Zuversicht tun.“
Damit war der Albumtitel geboren, bevor es auch nur eine Note für irgendeinen der Instrumentalsongs existierte. Das war ein Novum, sonst hatte Nils Wülker immer erst nach der Produktion einen Namen für seine Platten gesucht. Daraus ergab sich für den Vater einer Tochter die logische Konsequenz, dass seine Musik unbedingt Zuversicht widerspiegeln sollte.
Er beschloss, Raum für Spontaneität zu lassen. Weil sich nicht jeder darauf einlassen kann und mag, wählte er seine Mitstreiter:innen sehr bewusst aus: „Einerseits habe ich mich an ihrem Sound orientiert, andererseits wünschte ich mir starke Persönlichkeiten. Sicher ist es kein Zufall, dass alle auch Bandleader:innen sind.“ Dennoch mussten sich diese Musiker:innen zunächst einmal an die Freiräume gewöhnen, die Nils Wülker ihnen gewährte: „Am Anfang gab es nicht direkt Feedback, dann aber plötzlich ganz viel.“ Für den Trompeter war die Situation ebenfalls ungewohnt: „Ich bin mit viel mehr Aufregung in eine Session gegangen als in eine Aufnahme mit dem Gitarristen Arne Jansen, mit dem ich schon seit gut 20 Jahren zusammenarbeite. Denn wenn ich mit Arne nicht den Moment treffe, weiß ich: Wir können das nächste Woche wiederholen.“ Dagmar Leischow
Info
Nils Wülkers Album „Zuversicht“ ist bei Warner erschienen. Do., 30. April, 20 Uhr, tritt das Nils Wülker Quartet in der Laeiszhalle auf. Karten und weitere Informationen unter kj.de



