»Der Bunte Hund will Baulücke schließen!«

Projekte. Am Grasbrookpark entsteht ein neues Quartierszentrum: Drei Hamburger Wohnungsbaugenossenschaften haben jetzt den Zuschlag dafür bekommen – inklusive einer öffentlichen Markthalle sowie sozialen Begegnungsstätten

Die Würfel für das vorletzte freie Wohnungsbaugrundstück, Baufeld 62, im westlichen Teil der HafenCity sind gefallen. Im Rahmen eines sogenannten Konzeptverfahrens konnte die Gemeinschaftsbewerbung dreier traditionsreicher Hamburger Genossenschaften überzeugen: Die FLUWOG-NORDMARK eG, die Baugenossenschaft Hamburger Wohnen eG und die Allgemeine Deutsche Schiffszimmerer-Genossenschaft eG entwickeln künftig gemeinsam das rund 5.200 Quadratmeter große Areal an der Hübenerstraße.
Foto oben: Die Wohnraum-Kümmerer (v. l.): Benjamin Schatte und Jörg Tondt, beide Vorstände der FLUWOG-NORDMARK eG, Dr. Andreas Kleinau, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH, Sandra Koth und Sönke Selk, beide Vorstände der Baugenossenschaft Hamburger Wohnen eG, Matthias Saß und Thomas Speeth, beide Vorstände der Schiffszimmerer-Genossenschaft eG, bei der Anhandgabe des Baufelds 62 in der HafenCity. © Robert Schlossnickel

Direkt gegenüber vom Abenteuerspielplatz Grasbrookpark soll ein vielschichtiges Wohn- und Nachbarschaftsprojekt entstehen, das den prägnanten Namen „Der Bunte Hund“ trägt. Ziel des Vorhabens ist es, soziales Miteinander und bezahlbares Leben in dem Viertel zu verankern, in dem mittlerweile rund 11.000 Menschen zu Hause sind.

Geplant sind öffentlich geförderte und frei finanzierte Mietwohnungen. Familien sollen hier ebenso ein Zuhause finden wie Singles, Studierende und Auszubildende. Auch inklusive Wohnformen und gemeinschaftliche Wohnprojekte gehören zum Konzept. Damit setzen die Genossenschaften auf eine soziale Mischung, die in der HafenCity bewährt und besonders wichtig ist. Ein besonderes Augenmerk liegt auf den Erdgeschossen. Dort planen die Bauherren eine Markthalle mit regionalen Produkten und Gastronomie. Hinzu kommen Räume für Bildung, Begegnung und nachbarschaftliches Engagement. Die Angebote sollen allen Menschen aus dem Stadtteil offenstehen. Gerade rund um den Grasbrookpark mit seinem beliebten Abenteuerspielplatz fehlen bislang solche Treffpunkte.

Das vorletzte freie Baufeld 62 in der westlichen HafenCity gegenüber dem
Grasbrookpark (roter Kreis) ist anhandgegeben. Das Genossenschafts-Trio: „Uns ­verbindet,
dass gutes Wohnen mehr bedeutet als die eigenen vier Wände.“ © Martin Elsen

„Das letzte Wohnungsbaugrundstück in der westlichen HafenCity erhält ein Konzept mit besonderer Strahlkraft“, so Dr. Andreas Kleinau, Vorsitzender der Geschäftsführung der HafenCity Hamburg GmbH (HCH). Er begrüßt das Konzept: „,Der Bunte Hund‘ bringt alles zusammen, was für einen funktionierenden Stadtteil wichtig ist: Wohnraum und Begegnungsorte für die verschiedensten Menschen und Bedarfe.“ Um das Gebäude zum umliegenden Quartier hin zu öffnen, setzen die Bauherren auf publikumsorientierte Erdgeschosszonen. 

Die beteiligten Partner bringen ihre jahrzehntelange Erfahrung in der Quartiersentwicklung der Hansestadt ein, um bezahlbaren Wohnraum mit gesellschaftlicher Teilhabe zu verknüpfen. „Wir freuen uns sehr, dieses besondere Grundstück gemeinsam genossenschaftlich entwickeln zu können. Uns verbindet die Überzeugung, dass gutes Wohnen mehr bedeutet als die eigenen vier Wände“, betonten die Vorstände der drei Partnergenossenschaften in einer gemeinsamen Erklärung. „Mit dem ‚Bunten Hund‘ wollen wir einen Ort schaffen, an dem unterschiedliche Menschen ein Zuhause finden, Nachbarschaft erleben und Gemeinschaft mitgestalten können“, so die Bauherren. 

Doch bei aller Freude über die neuen Wohnungen lohnt ein Blick auf den Bebauungsplan. Denn „Der Bunte Hund“ besetzt nicht die gesamte freie Fläche zwischen Hübenerstraße und Wasser. Das Projekt betrifft ausschließlich das Baufeld 62 zum Grasbrookpark hin. Das angrenzende Grundstück in Richtung Elbe bleibt davon unberührt. Hier liegt das Baufeld 63, für das die Immobiliengesellschaft Patrizia AG und die MSH Medical School Hamburg ursprünglich andere Pläne hatte. 

Auf dieser prominenten Fläche direkt am Wasser sollte ein Hochschulstandort für die MSH entstehen. Patrizia stellte bereits 2022 einen Entwurf des Architekturbüros C.F. Møller Architects vor. Das Gebäude sollte moderne Studienräume, Büros, Ausstellungsflächen und Gastronomie verbinden. Auch beim Klimaschutz setzte das Konzept hohe Ziele. Recycelte Materialien und eine ressourcenschonende Bauweise sollten Maßstäbe setzen. 

Inzwischen werden Patrizia und MSH, so eine HCH-Stellungnahme, „die dort gemeinsam geplante Entwicklung eines Hochschul- und Bürogebäudes in der HafenCity nicht weiterverfolgen“. Damit steht die wasserseitige Fläche erneut für eine andere Entwicklung zur Verfügung. Während die Genossenschaften am Grasbrookpark ihre Wohnungen planen, bleibt direkt daneben eine der attraktivsten Lagen der westlichen HafenCity vorläufig ohne konkretes Nachfolgeprojekt. Die HafenCity Hamburg GmbH bereite „das Baufeld 63 für eine neue Ausschreibung und Anhand­gabe vor“.

Auch „Der Bunte Hund“ muss sich noch ein wenig gedulden. Die drei Genossenschaften haben zunächst die Anhandgabe erhalten. Nun folgen weitere Planungen und ein Architekturwettbewerb. Den Grundstückskaufvertrag wollen die Partner 2028 abschließen. Erst anschließend können die Bauarbeiten beginnen. Bis die ersten Bewohner einziehen, vergehen also noch einige Jahre.

Die gute Nachricht: „Der Bunte Hund“ verspricht der Hafen­City neue Nachbarn, bezahlbaren Wohnraum und zusätzliche Angebote für das Quartier. Gleichzeitig bietet sich für das Beste-Lage-Nachbargrundstück am Wasser die Chance für ein besonderes Projekt, das architektonisch überzeugt und den Menschen in der HafenCity einen echten Mehrwert bringt. Denn ein lebendiger Stadtteil braucht mehr als Wohnungen. Er braucht vielfältige und spannende Orte im Quartier, an denen sich seine Bewohner begegnen. Jimmy Blum

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