Wolfgang Timpe, Herausgeber und Chefredakteur der HafenCity Zeitung, über die entwaffnende Thesenfrage „Stimmt oder Stuss?“. Was im Fußball gilt, kann auch beim Elbtower weiterhelfen
Stimmt oder Stuss?“, heißt sonntags eine beliebte Fragerunde im Fußball-Talkformat „Lage der Liga“. Der Gast soll knackig eine extrasteile These kommentieren und sich bekennen. Meine erste These für Hamburg: Der Elbtower bleibt ein 100 Meter kurzer Olaf und bekommt nach intensiver Bürgerbeteiligung grüne Gewächshausbalkone und Genossenschaftseigentümer. Stimmt! Denn das will die „Tower to the People“-Initiative, die den Elbtower, so wie er heute als Ruine am Stadteingang thront, zum „Next Economy Hub“ machen, „einem Ort, wo Design, Innovation und Verantwortung zusammenkommen, um Produktion, Konsum und Bauen neu zu denken“. Nun ja, nichts ist unmöglich. Aber wünschenswert?
Foto oben: Zukünftige Eleganz und Selbstvertrauen: Das neue Hamburg als Visualisierung mit dem 199 Meter hohen Elbtower des Architekten David Chipperfield an den Elbbrücken, am Eingang zur HafenCity. © ONIRISM für David Chipperfield Architects
Meine zweite These für Hamburg: Das Investorenkonsortium um den Projektentwickler Dieter Becken baut den Elbtower auf 199 Meter fertig, die Stadt wird für 595 Millionen Euro Miteigentümer am Chipperfield-Hochhaus, und 2034 eröffnet dort das Naturkundemuseum parallel zur Kühne-Oper. Stuss! Die Becken Development GmbH hat zwar erfolgreich die Stadt ins Boot geholt und den Drogeriekönig Dirk Rossmann neu als Mitinvestor gewonnen, doch fehlen offenbar noch Nutzungskonzepte, Mieter und dreistellige Millionensummen – summa summarum seit rund zwei Jahren! Unternehmerweisheit: Was sich wie Kaugummi zieht (ewiges Becken-Mantra, auch im Oktober ’26: „Gespräche sind weit fortgeschritten“), wird nix Gscheites. Kein Wunder, dass Scheitern-Propheten Konjunktur haben.
Letzte These für Hamburg: Der Insolvenzverwalter, die Stadt, Kühne Holding, Signal Iduna und Dirk Rossmann organisieren auf Basis der Naturkundemuseum-Vereinbarung ein neues Elbtower-Management. Man vollendet ihn auf 199 Meter. Alle Bauschritte werden mit Terminen und Strafgeldern bei Nichteinhalten hinterlegt. Das sorgt für Tempo und Fertigbauen – wie bei der Elbphilharmonie. Stimmt! Weil sich der Autor dies wünscht. Wäre doch zu schön, wenn an den Elbbrücken ein souveräner eleganter Chipperfield-Bau mit Biodiversitäts-Zukunftsforschung und populärem »Evolutioneum« die Menschen begrüßt – und in die HafenCity einlädt. Man darf ja noch träumen. Wolfgang Timpe
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Wolfgang Timpe lebt seit 2005 in der HafenCity. Mail: timpe@hafencityzeitung.com



