Tagung. Rund 130 Führungskräfte aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft diskutierten am »Tag der Ehrbarkeit« in der HafenCity über werteorientierte Unternehmensführung
In der HafenCity trafen sich rund 130 Führungspersönlichkeiten zum ersten „Tag der Ehrbarkeit“ der Versammlung Ehrbarer Kaufleute e. V. (VEEK). Unter der Schirmherrschaft des Ersten Bürgermeisters Dr. Peter Tschentscher diskutierten sie über werteorientierte Unternehmensführung. Der Konsens der Unternehmerinnen und Unternehmer, CEOs und Führungskräfte am Ende des Tages in den Räumen der Kühne Logistics University (KLU): Nur Ehrbarkeit im Sinne von Haltung und Respekt sichert langfristigen Erfolg.
Foto oben: »Tag der Ehrbarkeit«-Schirmherr Dr. Peter Tschentscher im Gespräch mit Jochen Spethmann (r.), VEEK-Vorsitzender: „Ehrbarkeit mag altbacken klingen, ist aber eine sehr moderne Haltung.“ © VEEK/Ulrich Perrey

begrüßte VEEK-Vorsitzender Jochen Spethmann die Teilnehmer:innen: „Je größer die Unsicherheit,
desto wichtiger die Haltung. Ehrbarkeit ist kein Luxus.“ © VEEK/Ulrich Perrey
Schauplatz des wertvollen Austauschs war die Kühne Logistics University am Grasbrookpark. KLU-Geschäftsführer Immo Schmidt-Jorzig, der den Tag der Ehrbarkeit unterstützte, sieht in einer Zeit rasanter technologischer Umbrüche, globaler Krisen und Wettbewerbsdrucks den Bedarf eines inneren Werte-Kompasses: „Nur funktionierende Compliance-Regeln reichen nicht aus.“ Ehrbarkeit schaffe Vertrauen – und Vertrauen sei die härteste Währung in der Wirtschaft.
Namhafte Impulse und praxisnahe Workshops
Wenn wir wollen, „dass Innovationen nachhaltig und zum Wohl der Gesellschaft wirken, müssen Verlässlichkeit, Anstand und unternehmerische Verantwortung die Basis unseres Handelns sein“.
Die VEEK ist mit rund 1.000 Mitgliedern die größte werteorientierte Vereinigung der deutschen Wirtschaft. Seit 1517 setzt sie sich unter dem Leitspruch „Ehrbarkeit ist nicht verhandelbar!“ für verantwortungsvolles Unternehmertum, Integrität im Wirtschaftsleben und die Leitidee des Ehrbaren Kaufmanns ein.
Expertinnen und Experten gaben den ganzen „Tag der Ehrbarkeit“ über Impulse aus unterschiedlichen Perspektiven und diskutierten mit den Teilnehmenden: im großen Saal, in den Pausen und in Workshops.
Dr. Michael Schleef, CEO HSBC Bank Deutschland, ist davon überzeugt, dass genau in der Ehrbarkeit die Zukunftsfähigkeit der Finanzbranche steckt: „Die eigentliche Zukunftsfrage lautet nicht nur, ob wir noch effizienter, digitaler oder globaler werden – sondern ob wir dabei ehrbar bleiben.“

und Transformationsforscherin, Birgit Lohmeyer, Schriftstellerin, Antje von Dewitz, Geschäftsführerin
Vaude, und Lilian Böhme, Politikinfluencerin und Workshop-Speakerin. © VEEK/Ulrich Perrey
Prof. Dr. Maja Göpel, Politikökonomin und Transformationsforscherin, forderte verantwortungsvolle Unternehmen, die die Demokratie schützen. „Wahrhaftigkeit ist die wichtigste Grundlage für alles. Dazu gehört auch, dass beim Bilanzieren Worte und Zahlen möglichst gut die Realitäten und Wirkungen abbilden.“ Unternehmen könnten nicht nur Forderungen an die Politik stellen, sie hätten auch die Pflicht, die Demokratie und damit die Rahmenbedingungen zu verteidigen, die nachhaltige Geschäftsmodelle erst ermöglichten.
Die Schriftstellerin und Veranstalterin des Demokratie- und Toleranzfestivals „Jamel rockt den Förster“, Birgit Lohmeyer, sieht im Rechtsextremismus ein wichtiges Wirtschaftsthema. „Führung beginnt mit Haltung. Unternehmensführung ist nicht nur operatives Management – sie ist Werteträger.“ Wer schweigt, sende ein Signal, wer spricht, schaffe Orientierung: „Unternehmen, die zu allem schweigen, werden von allen Seiten als opportunistisch wahrgenommen.“
Und Antje von Dewitz, Geschäftsführerin und Gesellschafterin des Outdoorausrüsters Vaude, zeigte, wie sie Verantwortung und Nachhaltigkeit als unternehmerische Praxis lebt: „Ehrbares Unternehmertum bedeutet für mich, Verantwortung für die Auswirkungen des eigenen Handelns zu übernehmen – ökonomisch, ökologisch und sozial, am eigenen Standort ebenso wie in der globalen Lieferkette.“ Nachhaltige Transformation brauche Haltung und unternehmerische Stärke zugleich: Entscheidend sei, ökologische und soziale Verantwortung so in das Geschäftsmodell zu integrieren, dass daraus langfristig wirtschaftlicher Erfolg entstehen könne.
»Ehrbares Unternehmertum bedeutet für mich, Verantwortung für die Auswirkungen des eigenen Handelns zu übernehmen.«
Antje von Dewitz
In den Workshops erarbeiteten die Teilnehmenden der Konferenz gemeinsam mit den Sprecherinnen und Sprechern konkrete Handlungsempfehlungen zu Haltung bei unternehmensinternen Transformationsprozessen, in Zeiten von Polarisierung und zu wirtschaftlichen Grenzen von Haltung. Der gemeinsame Tenor: Haltung ist das Fundament langfristigen Erfolgs, und diese Haltung muss kommuniziert werden.
Der Erste Bürgermeister Dr. Peter Tschentscher unterstrich die Aktualität der Ehrbarkeit: „Ehrbarkeit mag altbacken klingen, ist aber eine sehr moderne Haltung. Langfristiger wirtschaftlicher Erfolg entsteht nicht allein aus dem eigenen Vorteil. Er braucht auch den Blick auf die Interessen anderer: auf Handelspartner und Konsumenten ebenso wie auf die Gesellschaft und die Umwelt.“ Rücksichtnahme, Kooperation und Verantwortung seien damit wesentliche Voraussetzungen für nachhaltigen wirtschaftlichen Erfolg. Und Tschentscher betonte, er sei als Bürgermeister „glücklich, das seine Stadt eine Heimat für diese Haltung“ sei.
Und Jochen Spethmann, Vorsitzender der VEEK, sagte: „Je größer die Unsicherheit, desto wichtiger die Haltung. Ehrbarkeit ist kein Luxus. Sie ist eine Voraussetzung für Vertrauen und damit für langfristigen Erfolg.“ Minou Tikrani
Info Mehr Infos zur Versammlung Ehrbarer Kaufleute zu Hamburg e. V. (VEEK) unter: veek-hamburg.de



