Verspielte Nachbarschaft

Kurz vor der Eröffnung schweben schon mal die Camper ein: Das neue Hotel Pierdrei am Sandtorkai bietet Besonderes, Theater und großzügige Gastronomie Von Dorothea Heintze

Foto oben: Die Pierdrei-Macher: Sebastian Drechsler, Kai Hollmann, Stefan Pallasch und Gerrit Braun (v. l. n. re.). ©Thomas Hampel

Eigentlich sollte es nur ein lockerer Gedankenaustausch sein. Irgendwann vor über sieben Jahren kamen die Brüder Gerrit und Frederik Braun sowie Sebastian Drechsler vom Miniatur Wunderland zusammen mit Prof. Norbert Aust (u.a. Schmidts Tivoli) ins Hotel The George nach St. Georg. Bei einem kleinen Abendessen wollten sich die Vier Tipps abholen von einem der erfolgreichsten mittelständischen Hotelgründer und -Betreiber in Deutschland: Kai Hollmann, Gründer des bundesweit ersten 25hours-Hotels in Hamburg-Bahrenfeld. 

„Die Herausforderungen, das Unverwechselbare zu bieten, nehmen in rasantem Tempo zu“: Sebastian Drechsler (li.) und Gerrit Braun (re.) vom Miniaturwunderland sowie Hotelerfinder (25hours) und Investor Kai Hollmann im Kitchens-Restaurant. Foto: Thomas Hampel
„Die Herausforderungen, das Unverwechselbare zu bieten,
nehmen in rasantem Tempo zu“: Sebastian Drechsler (li.) und Gerrit Braun (re.)
vom Miniaturwunderland sowie Hotelerfinder (25hours)
und Investor Kai Hollmann im Kitchens-Restaurant. Foto: Thomas Hampel

Die Idee war, ein „Besucherhaus“ für die vielen Gäste des Schmidt-Theaters, von Schmidts Tivoli, natürlich auch des Miniatur Wunderland in der Speicherstadt zu bauen – und für die Nachbarschaften der HafenCity. Besucherhaus? Nein, damit konnte sich Hotelprofi Kai Hollmann erst nicht anfreunden. Der Abend wurde länger. Man zog um in die Bar und traf sich in den folgenden Monaten immer wieder. Irgendwann wurde aus Tipp-Geber Hollmann ein weiterer Partner für ein großes, veritables Hotelprojekt in der HafenCity: das Pierdrei am Sandtorkai 48. Ab 1. September beginnt das so genannte Softopening, das „Warmwohnen“, wie Hoteldirektor Stefan Pallasch es nennt, um dann im Laufe des Monats den Vollbetrieb zu starten.

Ein „Rackerraum“ mit Knutschecke

„Wir hatten einfach unglaublich verrückte Ideen“, erinnert sich Gerrit Braun heute: „Kai Hollmann hat uns auf den Boden der Tatsachen zurück geholt. Und das war gut so.“ Allerdings, ganz ohne ein paar kleine Verrücktheiten geht es nicht, wenn einige der wohl kreativsten Köpfe Hamburgs über Jahre hinweg planen. Heraus kam zum Beispiel der höchste Campingplatz der Stadt auf einer sieben Meter hohen Dachterrasse zwischen den beiden Hotelflügeln mit insgesamt 212 Zimmern. Als die drei kleinen Retro-Camper Ende Juli in Hamburg eintreffen, werden sie mit einer spektakulären Aktion durch die schmale Hofeinfahrt in die Höhe gehievt: einschwebende Campingwagen? So etwas hat es in Hamburg noch nicht gegeben. 

Und wenn es nach den fünf Machern geht, dann soll das auch für das ganze Hotel gelten. Das familienfreundliche Haus bietet einen 200 Quadratmeter großen „Rackerraum“ mit Kletterwand und „Knutschecke“. Zielgruppe sind nicht nur kleine Kinder, sondern auch Teens. Die Preise sollen moderat bleiben – ein eher kleines 18 Quadratmeter großes Zimmer wird bei 105 Euro ohne Frühstück liegen. Es wird Dreibett- und Familienzimmer geben. Doch neben den Familien gehören, klar, auch Geschäftsleute zur Zielgruppe, sagt Gerrit Braun. Noch wichtiger ist ihm jedoch diese Botschaft: „Wir wollen ein Haus nicht nur für Touristen, sondern vor allem auch für die Nachbarn aus der HafenCity und die Hamburger insgesamt sein.“ 

Einer von drei Pierdrei-Wohnwagen schwebt in die „Camper City“ auf die Terrasse im 1. OG des neuen Pierdrei-Hotels ein. Foto: Thomas Hampel
Einer von drei Pierdrei-Wohnwagen schwebt in die „Camper City“ auf die Terrasse
im 1. OG des neuen Pierdrei-Hotels ein. Foto: Thomas Hampel

Das Herz des Hauses wird dann auch das Restaurant „Kitchens“ sein, abends offen für alle Gäste. Zweimal im Jahr wird eine Abordnung des Küchenteams ins Ausland reisen und Rezepte und Speiseideen einsammeln, um die dann in ganz eigener Kreation im Restaurant abends zu präsentieren. Die erste Reise unter dem designierten Küchenchef Markus von Dorn führte bereits nach Malaysia in die Metropole Kuala Lumpur. Nun tüftelt von Dorn mit seinem bunten und jungen Team an den ersten Gerichten. 

Die „Hafenbühne“ als Kulturtempel für alle und Stadtteil-Treffpunkt

Gute Küchen gibt es inzwischen einige in der HafenCity, was fehlt sind öffentliche Räume. Genau hier will das Pierdrei eine wichtige Lücke für den neuen Stadtteil schließen: Integriert in das Hotel ist die „Hafenbühne“, die Platz für bis zu 100 Gäste bietet. Ein extra engagierter „Soulmanager“ soll ein Programm zwischen Theater, Konzerten, Stand-Up-Comedy und Live-Events wie Lesungen und Poetry Slams wie auch Fußballübertragungen präsentieren. Und die Hafenbühne soll eben auch Platz für die HafenCity-Bewohner bieten: Kleine Versammlungen, Tagungen oder Vorträge sollen möglich sein.
Problemlos lief der Bau nicht. Mehrmals musste die Eröffnung verschoben werden, viele der anfänglich so schön „verrückten“ Ideen, erinnert sich Sebastian Drechsler, blieben auf der Strecke. Zu teuer, Verstoß gegen Bauordnungen oder zu gefährlich: Offene Lagerfeuer oben auf dem Dach in Camper-City? No way in der oft zugigen HafenCity. 

Der frühere Tippgeber und heutige Mitgesellschafter Kai Hollmann freut sich über den neuen „starken Standort“. Über 20 Hotels gehören mittlerweile zu seinem Unternehmen Fortune Hotels. Sogar in Dubai plant er mittlerweile ein Haus. Mit dem Pierdrei will er noch einmal was ganz Neues wagen, was gar nicht mehr so einfach sei in der Hotellandschaft (Interview rechts). Seit Jahren, so berichtet der Hotelier, bemerke man den Trend, dass individuelle Hotelkonzepte auch von großen Ketten kopiert würden. Da passt es gut, dass sich das Pierdei mit seinen Ideen zur Nachbarschaft und seinem Konzept als Treffpunkt eines neuen Stadtviertels mit einem Alleinstellungsmerkmal präsentieren kann. 

Und noch jemand ist glücklich: Claudia Weise, Quartiersmanagerin des nördlichen Überseequartiers: „Das Pierdrei schließt eine Lücke: Spannende Abendunterhaltung und ein offener Treffpunkt für die Nachbarschaft sind genau das, was wir hier in der HafenCity und im nördlichen Überseequartier noch brauchen.“ Dorothea Heintze

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